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FASNACHT: Ein Umzugswagen mit dem N-Wort sorgt für Empörung

Ein Wagen zum Thema essbare Insekten, der bei zwei Umzügen dabei war, sorgt für Kritik. Er bediene rassistische Stereotypen. Gebaut wurde der Wagen in Unterägeri, dort will man sich nicht dazu äussern.
Christopher Gilb
Dieser Wagen einer Unterägerer Gruppe sorgt bei manchen Besuchern für Empörung. (Bild: Christian H. Hildebrand (Allenwinden, 10. Februar 2018))

Dieser Wagen einer Unterägerer Gruppe sorgt bei manchen Besuchern für Empörung. (Bild: Christian H. Hildebrand (Allenwinden, 10. Februar 2018))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Bereits bevor die Fasnacht in den meisten Städten der Schweiz überhaupt begonnen hatte, gab es schon einen ersten Fasnachtsskandal. Ein Umzugswagen mit dem Motto «Asylparadies Schweiz» in Aadorf TG hatte für Empörung gesorgt. Auf dem Wagen waren unter anderem die Hände von dunkelhäutigen Personen, die im Meer versinken, abgebildet. Nun wird auch ein Wagen aus dem Kanton Zug von mehreren Personen kritisiert. Die Wagenbaugruppe Big Nobody aus Unterägeri nahm sich dieses Jahr dem Thema essbare Insekten an. Mit ihrem Wagen, der ein Restaurant für Insektendelikatessen darstellen soll, waren sie an den Umzügen in Unterägeri und Allenwinden dabei.

Am Wagen befestigt war ein Banner, auf dem steht: «Die Neger im Wald haben es schon lange auf der Speisekarte. Bei uns gibt es das jetzt auch und im Coop muss man sogar darauf warten.»

Ein Leser unserer Zeitung hat dafür kein Verständnis. «Über das Thema hätte man sich problemlos anders lustig machen können. Wieso man dafür auf rassistische Stereotypen vom insektenfressenden Neger im Urwald zurückgreifen musste, erschliesst sich mir nicht.»

Kränkt Mitmenschen mit dunkler Hautfarbe

Der 40-Jährige ist selbst dunkelhäutig aber in der Schweiz geboren und aufgewachsen. «So etwas kränkt und beleidigt einfach Mitmenschen mit dunkler Hautfarbe. Beispielsweise Kinder, die sich den Umzug ansehen würden.»

Als er das Foto gesehen hat, hat er deshalb den Veranstaltern der beiden Umzüge eine Mail geschickt und sich beschwert. Aus Allenwinden habe er bisher noch keine Antwort erhalten, aus Unterägeri schon. «Der Wagen wurde im Vorfeld von uns besichtigt. Dabei stellten wir nichts fest, was nicht an einen Fasnachtsumzug gehört», heisst es in der Mail von Felix Iten, dem Präsidenten der Wylägerer Fasnachtsgesellschaft, der die Wagenbauergruppe selbst angehört.

«Bitte denken Sie stets daran, dass die Fasnacht eine närrische Zeit ist, an welcher Themen immer etwas überspitzt, lustig und/oder ironisch dargestellt und aufgearbeitet werden», schreibt Iten weiter. Man werde sich aber mit der betroffenen Wagenbauergruppe in Verbindung setzen und ihn zu einem späteren Zeitpunkt wieder kontaktieren.

«Es ist leider typisch, das so etwas reflexartig als ironisch abgestempelt wird», findet der Leser. Häufig würde in einem solchen Fall auch darauf verwiesen werden, dass man das N-Wort eben schon immer gesagt habe, ohne es je böse zu meinen. «Dieses Argument funktioniert aber nicht mehr, denn die Gesellschaft ist heute eine andere.»

Auch mit Frauen, Juden, Schwulen und Behinderten sei man früher sprachlich anders umgegangen. «Das traut man sich heute immer weniger, nur beim N-Wort bleibt der Aufschrei aus», empört er sich.

Er zieht eine Anzeige in Betracht

Er ist nicht der Einzige, der sich am Umzugswagen stört. Gegenüber der Pendlerzeitung «20 Minuten», sagte eine 20-Jährige aus Allenwinden, die den Wagen am Umzug beobachtete: «Ich fand den Wagen so schlimm. Einfach nur rassistisch.»

Sowieso habe sie es erschreckend gefunden, dass der Wagen überhaupt losziehen durfte. Auch auf sozialen Medien empörten sich User über den Wagen. Ein Nutzer postete beispielsweise ein Foto vom Schriftzug und schrieb darunter «Unterägeri, Schnee, was Neger??» Versehen war der Beitrag mit einem Äffchen, das sich vor Scham die Hände vors Gesicht hält.

Der Leser, der sich bei unserer Zeitung meldete, zieht in Betracht, Anzeige zu erstatten. «Ich habe das bisher offen gelassen, weil ich den Verantwortlichen eine Chance geben wollte, sich im Mail zu entschuldigen, das haben sie nicht.»

Gegenüber von «20 Minuten» sagte Alma Wiecken, Juristin bei der eidgenössischen Kommission gegen Rassismus zur Frage einer allfälligen Anzeige wegen des Wagens: «Beim Strafrechtsartikel handelt es sich um ein Offizialdelikt. Das heisst, dass jede Person einen Vorfall, den sie als Verstoss gegen die Bestimmung empfindet, melden kann.»

«Geschmacklos» sei der Fasnachtswagen schon, so Wiecken. Er stelle Schwarze als Urwaldbewohner dar und nutze dazu den belasteten Begriff «Neger».

Für unsere Zeitung sind die Organisatoren des Umzugs in Allenwinden nicht erreichbar. Auch die Organisatoren aus Unterägeri reagierten nicht auf eine entsprechende Anfrage. Vom Chef der Wagenbaugruppe aus Unterägeri, Martin Heinrich, heisst es auf Nachfrage «kein Kommentar».

Kurz nach dem eingangs erwähnten Vorfall im Thurgau fragte unsere Zeitung bei Umzugschefs im Kanton Zug nach, welche Regeln für Umzugswagen gelten. Wenn ein rassistisches oder sexistisches Thema aufgegriffen würde, sei eine Grenze überschritten, hiess es unter anderem. Das war für manche Fasnachtsbesucher jetzt der Fall.

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