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FASNACHT: «Hulapalu», «Tornero» und «Charlotta»: Fasnächtler übernehmen das Zepter

Wo sie auftreten, gibt es Stimmung: die Zuger Guggenmusigen. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Liederauswahl gelegt. Es zeigt sich: Deutsche Texte kommen beim Publikum gut an.
Carmen Rogenmoser
Die ortsansässige Guggenmusig Profis-Ohrisch hat gestern am Crescendos-Ball in Baar eingeheizt. (Bild: Werner Schelbert (22. Februar 2017))

Die ortsansässige Guggenmusig Profis-Ohrisch hat gestern am Crescendos-Ball in Baar eingeheizt. (Bild: Werner Schelbert (22. Februar 2017))

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

«Mit welchem Ton fängt das Lied schon wieder an?» Diese Frage kennt wohl jeder, der in einer Guggenmusig mitspielt. Seltsamerweise fallen einem dann die restlichen Töne wie von selber ein. Die Finger fliegen über die Ventile und drücken im richtigen Moment zu. Das Einzige, was man eben wissen muss, ist dieser erste Ton. Und dann gehts los: Die Trompeter geben Vollgas, treiben die Töne in die Höhe, bis es in den Ohren schmerzt. Die Posaunisten und die Hornspieler musizieren so überzeugend, als ob sie die Hauptstimme hätten. Dazu kommt der Rhythmus: Die Schlagzeuger ziehen das Tempo an, Lyra und Blöcke kreieren eine eigene Melodie, und die Paukisten hauen so kräftig drauf, dass der Schlag durch Mark und Bein geht. Das Publikum tobt und tanzt sich die Seele aus dem Leib. So – oder so ähnlich – stellt man sich als Guggenmusig den idealen Auftritt vor. Doch wie schafft man das? Dazu gehört mehr als eine feierlustige Meute. Die Auftritte und vor allem die Liederfolge müssen genau überlegt sein. Denn kommen die vorgetragenen Stücke gut an, wirkt sich das automatisch auch auf die Motivation der Musikanten aus.

Einer der wichtigsten Punkte ist die Auswahl der richtigen Lieder. Soll man eher moderne Nummern, die im Radio rauf und runter laufen, ins Repertoire aufnehmen oder doch lieber Evergreens, bei denen jeder mitsingen kann? Immer wieder gibt es gewisse Hits, die sich durchsetzen. Für diese Saison scheint die Antwort klar und eindeutig: «Charlotta» der Luzerner Mundartband Hecht ist auf den Strassen und an den Bällen omnipräsent.

Ohne «Charlotta» geht in diesem Jahr nichts

Drei Zuger Guggenmusigen spielen dieses Lied selber. Dazu zählen die Crescendos aus Baar. «Für uns gehört ‹Charlotta› klar auch zu den persönlichen Favoriten», sagt Rahel Canonica. «Meine Stimme kriegt der Song», sagt Stefan Herzig, Tambi bei den Oohregrööblern aus Rotkreuz. «Es ist ein bekanntes Lied, und ich habe es schon von einigen Guggenmusigen gehört», meint etwa auch Ramona Schönbächler, Präsidentin der Steischränzer aus Steinhausen. Sie selber spielt das Lied zwar nicht, findet aber: «Es kommt gut an.» Besonders, weil es eben ein bekannter Song sei, der im Radio läuft und bei dem die Leute mitsingen können. Das «Mitsingpotenzial» sollte generell auf keinen Fall unterschätzt werden. Dieses Potenzial ist bei Stücken mit deutschen Texten oder gar Mundarttexten am grössten. «Bei unserem Stimmungsmix, bestehend aus ‹Z jung für mi› von Trauffer, dem Ländler ‹Am Sepp sey Chats› und ‹Hulapalu› von Andreas Gabalier, kann jeder lauthals mitsingen», erklärt Rahel Canonica. Die Zuger Guggenmusig Figorowa hingegen spielt ganze sechs Lieder von Schweizer Interpreten, dazu gehören unter anderem Gölä, QL und Patent Ochsner.

Eine kleine inoffizielle Umfrage bei den Zuger Guggenmusigen zeigt, dass daneben tatsächlich Lieder von deutschen Bands hoch im Kurs sind. Dazu gehören etwa Böhse Onkelz, Die Toten Hosen oder Jan Delay. Ergänzt werden diese meist harten, rhythmusintensiven Songs mit Italo-Pop-Nummern. «Wie es scheint, liegen wir hier voll im Trend: Wir hatten Die Toten Hosen im Repertoire, aktuell spielen wir Böhse Onkelz, und ‹La mia Banda suona il Rock› von Laura Pausini gehört schon länger zu unseren Hits», fasst Canonica von den Crescendos zusammen. Doch die Auftritte werden nicht nur für das Publikum zusammengestellt, sondern auch für die eigenen Mitglieder. So gibt es in jeder Guggenmusig Lieder, mit denen sie sich identifiziert und bei denen sofort Fasnachtsstimmung aufkommt, hört man diese irgendwo. Für die Crescendos und die Oohregrööbler ist das «Tornero» der italienischen Gruppe Santo California. «Die Musikkommission wollte das Lied schon öfters aus dem Repertoire streichen, doch es gelingt uns nicht», erklärt Stefan Herzig von den Oohregrööblern. «Es wird einfach immer wieder gespielt.»

Ein Stimmungsgarant und eine Schnulze

Die Weichbächer aus Cham spielen «Stand By Me» schon so lange, dass einige Register keine Noten mehr davon haben. «Das gehört einfach zu uns», sagt Präsident Darius Tschanz. Einen sehr speziellen internen Hit hat die Guggenmusig Figorowa: «Unser absolutes Lieblingslied ist ‹Polizeistunde› von der Zuger Band Vollgas», sagt Präsident Michael Uttinger. Er ergänzt: «Die Guggenmusig-Version wurde von einem ehemaligen Mitglied arrangiert.» Es sei bei jedem Auftritt das letzte Stück und werde von allen immer gross gefeiert.

«Ein Stimmungsgarant, ein Mundartstück und ein italienischer Schunkler – und alles kommt gut», fasst Stefan Herzig zusammen. Fast so wichtig wie die sorgfältig ausgesuchten Lieder ist auch die Zusammensetzung des Auftritts. Jeder Tambi hat da seinen eigenen Plan. Einige entscheiden spontan nach der Stimmung des Publikums, andere haben einen festen Ablauf im Kopf. «Vor allem bei den ersten zwei bis drei Auftritten ist ein Plan wichtig», sagt Stefan Herzig. «Im Normalfall gibt es zwei bis drei Stücke, die ideal sind, um einen Auftritt zu beginnen.» Diese sitzen bei den Mitgliedern und führen so zu Sicherheit. «Es sollte nicht gleich das ‹strengste› Lied sein, denn am Anfang sind die Instrumente noch kalt.» Auch am Schluss ist ein strenges Lied keine gute Wahl, dann nämlich sind die Gugger mit ihren Kräften am Ende – es sei denn, das Publikum motiviert dermassen, dass die Musikanten wirklich alles geben.

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