Fasnacht
Menzinger Pechvögel und Missgeschicke

Statt der 50. wird die 49,5. Ausgabe des «Bergspiegels» verkauft. Dem Unterhaltungswert der Spottschrift tut dies aber keinen Abbruch.

Carmen Rogenmoser
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Das Titelbild des diesjährigen «Bergspiegels».

Das Titelbild des diesjährigen «Bergspiegels».

Bild: PD

Wie der Schnaps zum Kaffee, gehört der «Bergspiegel» zur Menzinger Fasnacht. Jahr für Jahr werden in diesem Blättchen die Missgeschicke, Unfälle oder Unvorsichtigkeiten Einzelner der ganzen Dorfbevölkerung präsentiert. Normalerweise werden Auszüge vor Publikum vorgetragen – ein grosses Spektakel für alle. Doch in diesem Jahr gibt es kein «Normal». Statt den Anekdoten in geselliger Runde zu lauschen, liest sie dieses Jahr jeder für sich.

Dass der «Bergspiegel» überhaupt erscheint, liess sich die Guggenmusik Menzikus, Urheber der Schrift, nicht nehmen:

«Mier hättid das Jahr ja welle
üses füfzgjährige Jubiläum fiire.
Das isch nöd möglich. Grund defür sind hochasteckendi Vire!
So tüend mer’s halt verschiebe
und hür druf verzichte.
Das hinderet üs aber nöd dra,
au das Jahr öppis z’dichte.»

Aus der 50. wurde so kurzerhand die 49,5. Ausgabe des «Bergspiegels». Das Motto lautet – wie könnte es anders sein: «Lache isch gsund». Und so sollte man diese Medizin wohl ausprobieren.

Es gibt sogar einen «Bergspiegelstar»

Zum Schmunzeln animiert etwa die Geschichte einer Menzinger Familie, die Ferien in Frankreich machte. Gereist wurde coronakonform per Camper. Während der Fahrt auf einer Passstrasse wurde das Familienoberhaupt dann lautstark darauf aufmerksam gemacht, dass irgendetwas nicht stimme. Tatsächlich: Die Materialtüre war offen – und der Inhalt über die ganze Strasse verteilt. «Amateur-Camper», wird im «Bergspiegel» geurteilt. Der Fahrer übrigens kommt nicht nur in dieser Geschichte vor, in einer anderen wird der Pechvogel sogar als «Bergspiegelstar» bezeichnet.

Gar nicht begeistert ist man im Bergdorf zudem von den neuesten Modetrends:

«Es isch würkli unvorstellbar,
aber hebet euch bereit,
ärmellosi Fraue-Tops wärdet jetzt sogar vo Manne treit.
So öpis isch tatsächlich passiert
im Klosterdorf, und das legal.
Zerscht het das die Person gar ned gmerkt, es isch ihm egal.»

Die Auflösung: Der Menzinger hatte doch aus Versehen das Shirt seiner Frau angezogen.

Fast nichts bleibt den vielen Augen und Ohren im Dorf verborgen. Solange jeder über jeden lachen kann, haben doch alle gewonnen.