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FASNACHT: Ohne Zepter geht er nicht aus dem Haus

Ab sofort haben Prinzen, Zunftmeisterinnen oder Ehrenbadjöggel für kurze Zeit das Sagen. Ihre Insignien lassen sie während ihrer Herrschaft nie aus den Augen.
Marco Morosoli
Der Letzibuzäli-Prinz Walter I. Weber ist ab heute der Herrscher im Zuger Herti-Quartier. (Bild Stefan Kaiser)

Der Letzibuzäli-Prinz Walter I. Weber ist ab heute der Herrscher im Zuger Herti-Quartier. (Bild Stefan Kaiser)

Marco Morosoli

Für Richard Rüegg, den Zunftmeister der Letzibuzäli, «ist es das handlichste Teil, das je ein Prinz bekommen hat». Und er muss es wissen, denn er hat den rund 4,5 Kilogramm schweren Prinzenstab auch selber einmal während der närrischen Tage mit sich herumgetragen. Er regierte 2003 temporär als Letzibuzäli-Prinz Richard I. in der Herti im Westen der Stadt Zug. Ohne diesen Stab gehe es nicht, sagt Rüegg bestimmt: «Er demonstriert die Machtposition, die der Prinz während der Fasnachtszeit innehat. Ein Dirigentenstab wäre da nicht angebracht. Das wäre zu filigran.» Utensilien wie Zepter sind in der Schweiz eigentlich nicht heimisch. Gekrönte Häupter sucht der Interessierte in der Geschichte unseres Landes vergebens.

Für Rüegg ist es aber kein Anachronismus, dass gekrönte Häupter während der Fasnacht herrschen: «Es gibt über ihnen ja noch Kaiser und Könige.» Diese würden – virtuell – in den närrischen Tagen über ihnen stehen. Die Zunft, so fügt Richard Rüegg hinzu, sei demokratisch organisiert. Der Prinz werde ja ausgewählt und nicht von einem einzelnen Individuum bestimmt.

Ein geübter Uniformträger

In diesem Jahr repräsentiert Walter I. Weber die Letzibuzäli-Zunft während der Fasnacht. Das Uniformtragen sei er sich als ehemaliger Regimentskommandant gewohnt. Das Prinzengewand ist einfach farbenfroher als das Outfit, welches in der Schweizer Armee im Gebrauch ist. Nur an den Prinzenstab muss sich Walter I. noch gewöhnen: «Ich bin aber keiner, der etwas vergisst.» Bei der Plakette kann ihm dies eh nicht passieren, die hat er bis zum Morgen des Aschermittwochs «auf Mann». Dass es eine harte Zeit wird, ist er sich bewusst: «Ich bin mich gewohnt durchzuarbeiten.» Ab und an wolle er auch mal ein Mineralwasser trinken.

Eine Premiere in Inwil

Auch bei der Fröschenzunft in Inwil bei Baar gehört ein Zepter zu den Insignien der Macht über die Fasnachtstage. Neu ist bei den «Fröschen», dass heuer erstmals eine Frau während der Fasnacht «die Hosen» an hat. Zunftmeisterin ist Cornelia I. Nussbaum.

Stefan Bürge, der Präsident der Fröschenzunft Ebel, macht kein Geheimnis daraus, dass es, um das Eis zu brechen, einige Diskussionen gebraucht habe. Für Bürge hat die Wahl einer Zunftmeisterin aber eine wichtige Signalwirkung: «Sie zeigt, dass wir offen und nicht stur sind.» So wird also Cornelia I. bald in der Galerie der Zunftmeister Aufnahme finden. Die Fasnachtszunft im Baarer Ortsteil gibt es seit 1945. Im Gegensatz zu Walter I. trägt das Ebeler Fasnachtsoberhaupt aber neben dem Zepter keine Plakette, sondern eine Goldkette. Diese ist, so erzählt Stefan Bürge, zu Beginn des 21. Jahrhunderts einmal verloren gegangen. «Sie ist nie wieder aufgetaucht», sagt der Präsident der Fröschenzunft. Doch «sie war ja auch nicht mehr so schön». Der Ärger über den Verlust hielt sich also wohl in Grenzen.

Ein Frosch zum Behalten

Das Zepter der Fröschenzunft hingegen ist noch im Originalzustand vorhanden. Laut Bürge wird erzählt, dass in diesem aus Holz gefertigten Stab ein Dokument eingeschlossen sei: «Ob dies stimmt, weiss aber niemand. Es hat noch niemand nachgeschaut.» Und werde es auch in Zukunft nicht tun, versichert Bürge. Speziell an der Ebeler Fasnacht ist der Spiegel am Gewand. Er symbolisiert – dem Namen der Zunft entsprechend – einen Frosch. «Er wird jeweils von Hand gefertigt», sagt Stefan Bürge, und er fügt an: «Es ist eine Ehre, ihn zu tragen.» Und gleichzeitig das einzige Fasnachtsutensil, das die diesjährige Zunftmeisterin behalten darf, wenn ihre Regentschaft über das Ebeler Fasnachtsvolk in andere Hände übergehen wird.

Doch noch ist es nicht soweit. Prinz Walter I., Cornelia I. und all den anderen temporären Oberhäuptern stehen noch ein paar hektische Tage der fasnächtlichen Festfreude ins Haus. Sie werden sie geniessen und alles daran setzen, ihre Insignien der Macht dereinst ihren Nachfolgern komplett und ohne Kratzer weiterzureichen.

Eine Umkehrung der alltäglichen Werte

Fasnacht mo. Laut dem Historischen Lexikon der Schweiz (hls.ch) sind Zeugnisse der Fasnacht im Spätmittelalter bezeugt. «Fasnachtsveranstaltungen hat es immer gegeben, sie tauchten in den Urkunden aber nur auf, wenn etwas nicht rund lief», sagt der Zuger Volkskundler Urspeter Schelbert. Dabei habe, so Schelbert, jede Dorffasnacht ihre eigenen Regeln. Die «Letzibuzäli» haben ihre Wurzeln in der Mainzer Fasnacht, wo es wie in der Herti Prinzen gibt. Die anderen Fasnachtstraditionen – jüngeren oder älteren Ursprungs – sind von Anlässen dieser Art im süddeutschen Raum abgekupfert oder aber entlehnt. Für Urspeter Schelbert findet an der Fasnacht eine Umkehrung der Werte statt. So müsse der König in der Fasnachtszeit die Insignien seiner Macht an den Narren abgeben. In Unterägeri gibt zum Beispiel der Gemeindepräsident seine Macht temporär an den «Ehrenbadjöggel» ab. Typisch für die Fasnacht mit Wurzeln im Süden Deutschlands ist der Umstand, dass nach der Zeit der närrischen Tage etwas verbrannt wird. Dies wird in verschiedenen Zuger Gemeinden (Hünenberg, Steinhausen, Baar) praktiziert. In Oberägeri wird der Legor hingegen nur heruntergeholt und für ein Jahr zur Ruhe gelegt.

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