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FASNACHT: Sexismus und Rassismus haben keinen Platz

An den Zuger Umzügen läuft es offenbar ruhig und gesittet ab. Geschmacklose Motive waren in der Vergangenheit nicht zu finden. Dennoch haben die Organisatoren klare Richtlinien.
Fasnachtsumzug durch Neuheim. (Bild: Stefan Kaiser / Zuger Zeitung (Neuheim, 28. Januar 2018))

Fasnachtsumzug durch Neuheim. (Bild: Stefan Kaiser / Zuger Zeitung (Neuheim, 28. Januar 2018))

Aktuelle Themen ironisch interpretieren: Das ist an der Fasnacht Programm. An den Umzügen, in Fasnachtsblättern und bei Schnitzelbänken wird lokaler, nationaler sowie internationaler Stoff satirisch dargestellt. Doch nicht alles kommt gut an. Vergangene Woche sorgte ein Umzugswagen mit dem Motto «Asylparadies Schweiz» in Aadorf TG für Empörung. Er habe die Grenze des guten Geschmacks überschritten, kritisierte der Gemeindepräsident von Kirchberg den Wagen im «St. Galler Tagblatt» vom 23. Januar.

Im Kanton Zug ist es bei Umzügen offenbar in den vergangenen Jahren kaum zu solchen Vorfällen gekommen, wie die angefragten Umzugschefs aus den Gemeinden Auskunft geben. Dennoch scheint allen bewusst, dass Fasnachtssujets unter Umständen eine delikate Angelegenheit sein können. Die Ansprüche und eine gewisse Political Correctness haben in den vergangenen Jahren zugenommen, sagt Marco Fischer, Umzugschef der Fasnachtsgesellschaft Baar. Probleme mit heiklen Themen habe es in Baar bislang aber nicht gegeben. «Unser Umzug ist im Vergleich eher weniger politisch», so Fischer. Gewählt würden etwa Sujets wie «Asterix und Obelix», «1001 Nacht» oder Western. «Es sind häufig Fantasiethemen, die harmlos sind. Ausserdem machen viele Zünfte mit, die haben kein eigentliches Motto», sagt Fischer. Der Löschzug der Feuerwehr Baar nehme immer wieder gemeindliche Themen und damit auch die Lokalpolitik aufs Korn. «Die Wagen sind aber nie unter der Gürtellinie.» Eine Regel ist dem Umzugschef wichtig: «Der Fasnachtsumzug darf nicht für politische Zwecke missbraucht werden. Politische Werbung ist auf einem Wagen tabu. Das gilt insbesondere für diese Fasnacht, da 2018 ein Wahljahr ist.»

Nicht alles kann vorab kontrolliert werden

Ähnliches berichtet Andrea Sidler Weiss. Sie ist seit drei Jahren Umzugschefin bei den Letzibuzäli in der Stadt Zug. Bei ihrem Umzug gebe es eigentlich keine Einschränkungen bezüglich der Themenwahl. Bisher habe es aber auch keine Probleme gegeben. «Wir sind ein Team, das die Eingaben der Teilnehmer prüft. Die Titel der Wagen sind immer ziemlich eindeutig und waren bisher unkritisch», erklärt sie. Im Grundsatz sei es oft auch eine Frage des guten Tons. «Man kann ein Thema witzig oder verletzend darstellen.» Eine Grenze überschritten würde für Sidler Weiss klar, wenn ein rassistisches oder sexistisches Thema aufgegriffen würde. «Dann würden wir den Wagen zurückweisen.»

Es könne vorkommen, dass Sujets eine «Gratwanderung» zwischen etwas auf die Schippe nehmen und verletzend sein, seien, sagt Peter Spieler. Er ist seit 2010 Umzugschef in Hünenberg und folgt dabei klaren Richtlinien. «Die Motive dürfen schon etwas bissig sein. Wenn es aber Richtung übler Nachrede oder Verleumdung gehen würde, wäre Schluss. Man achte darauf, dass die Mottos fair sind.» Spieler spricht im Konjunktiv, weil er noch nie einen solchen Fall hatte und es überhaupt an der Hünenberger Fasnacht noch nie Probleme gegeben habe. Grundsätzlich sei es an der Fasnacht aber wie bei anderen Anlässen auch: Es gebe keine Garantie, dass nicht der eine oder andere Störenfried dabei sei. «Wir prüfen die Mottos und Sujets bei den Anmeldungen so gut wie möglich. Die Wagenbauer reichen ein detailliertes Konzept ein zusammen mit dem Text, den der Speaker verkünden will.» Bei Unklarheiten fragen die Organisatoren nach. «Am Ende müssen wir uns aber darauf verlassen, dass die Macher mit dem kommen, was sie angekündigt haben», so Spieler.

Hitzige Diskussionen über Beiträge

Ein gebranntes Kind in Sachen Satire ist das Styger Rettungskorps der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Zug, das jeweils das «Feuerhorn» herausgibt. Es sah sich für einzelne Inhalte des Magazins schon mit Gerichtsverfahren konfrontiert. «Grundsätzlich ist Fasnacht Fasnacht, und es darf lustig und zugespitzt sein. Wir haben aber auch klare Grenzen», sagt Präsident Roland Föhn. So dürften die Beiträge nicht unter der Gürtellinie sein und man greife niemanden persönlich an, weshalb im Blatt auch keine Namen genannt würden. «Unsere Inhalte sind nicht bösartig, sondern mit Ironie gespickt», erklärt Föhn. Keinen Platz hätten ausserdem Rassismus und Sexismus. Ob ein Beitrag ins «Feuerhorn» aufgenommen wird, entscheidet ein mehrköpfiges Gremium. Föhn: «Wir führen auch oft hitzige Diskussionen über die Inhalte.»

Rahel Hug und Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

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