FASNACHT: Zwei Chamer wollen fasnächtlich fremdfeiern

In Cham gibt es heuer keinen Fasnachtsumzug. Trotzdem sind junge Wagenbauer aktiv. Das hat einen Grund.

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Bauen einen Fasnachtswagen zum Thema EVZ- und ZSC-Querelen: Michael Müller (links), Pascal Felder (hinten) und David Müller. (Bild Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Bauen einen Fasnachtswagen zum Thema EVZ- und ZSC-Querelen: Michael Müller (links), Pascal Felder (hinten) und David Müller. (Bild Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Obwohl Cham dieses Jahr keinen Fasnachtsumzug durchführt, bauen Schüler einen Wagen. Das Motto, welches den Wagen schmückt, ist nicht nur bei den Jugendlichen ein Thema.

«Zuerst haben uns alle komisch angeschaut, als wir erzählten, dass wir einen Fasnachtswagen bauen möchten», sagt Pascal Felder (14) aus Cham. «Bis heute glauben uns noch nicht alle, dass wir einen guten Wagen gebaut haben», ergänzt David Müller (14) schmunzelnd.

Aktuelles Thema aufgegriffen
Die Idee kam Pascal Felder vor etwa einem halben Jahr, als die Jugendarbeit Cham die Jugendlichen motivierte, eigene Projekte zu realisieren. «Weil wir öfters im Jugi Musik auflegen, dachte ich, wir könnten dies auch an der Fasnacht auf einem Wagen tun», so Pascal Felder. Als er seinem Mitschüler von der Idee erzählte, war dieser zuerst eher skeptisch. «Ich war mir nicht sicher, ob wir das zu zweit wirklich schaffen», sagt David Müller.

Vollkommen unnötig waren diese Zweifel, wie sich heute herausstellt. Der fast fertige Fasnachtswagen befindet sich bis zum Einsatz ein wenig ausserhalb von Cham neben einer Scheune.

Das Motto ist unübersehbar: Der Eishockeymatch des EV Zug gegen die ZSC Lions vom 9. Oktober 2009, der wegen des starken Rauchs abgebrochen werden musste. Auf der weissen Grundierung sind gross die Logos der Mannschaften abgebildet. Platz hat der überdachte Anhänger für zirka zehn Personen. «Wir wissen noch nicht genau, wie viele Leute auf dem Wagen sein werden, aber die Verkleidung wird sicher zum Thema passen», verrät Pascal Felder. Auch die Rauchpetarden sollen inszeniert werden. Da Cham dieses Jahr aber keinen Fasnachtsumzug organisiert, sind die zwei Schüler mit ihrem Wagen an den Umzügen in Hünenberg und Rotkreuz anzutreffen.

Jugendarbeit half mit
Mit ihrem Vorhaben gingen die zwei Schüler vor einigen Monaten zur Jugendarbeit Cham, welche sofort von der Idee begeistert war. «Sie haben uns finanziell, aber auch mit Werkzeug und Materialien unterstützt», so Pascal Felder. Gemeindepräsident Bruno Werder stellte ihnen den Wagen sowie den Platz für die Bauarbeiten zur Verfügung. Obwohl die zwei Jugendlichen erst vor wenigen Tagen die Sonderbewilligung vom Strassenverkehrsamt für den Wagen bekommen haben, liessen sie sich nicht von ihrer Idee abhalten. «Wir haben einfach angefangen zu bauen und daran geglaubt, dass es klappt», so David Müller.

90 Arbeitsstunden insgesamt haben die zwei Oberstufenschüler in den Wagen investiert, wobei die Organisation und das Auftreiben von Material einen wesentlichen Teil ausmachten. «Ab und zu haben uns auch noch Kollegen und Geschwister geholfen», so Pascal Felder.

So sind sie auch am Samstagnachmittag zu dritt in Cham anzutreffen. Michael Müller (18), Bruder von David, hilft den beiden am besagten Nachmittag. «Jetzt sind nur noch Kleinigkeiten zu erledigen, und die Elektronik müssen wir noch installieren», so David Müller und fügt an: «Eigentlich dachten wir, dass wir länger brauchen.» Trotzdem sind die Arbeiten am Fasnachtswagen laut Pascal Felder nicht immer einfach: «Ein grosses Problem ist, dass das Holz oftmals spaltet, wenn man eine Schraube reindreht.»

Obwohl die Schüler keine Ausbildung auf diesem Gebiet haben, tätigen sie die meiste Arbeit selbst. «Wir sind handwerklich begabt und haben ein wenig Erfahrung», erklärt Pascal Felder. Auf die Frage, ob sie wieder einmal einen Fasnachtswagen bauen möchten, antwortet David Müller schnell: «Ja, auf jeden Fall. Es ist schön, wenn man gemeinsam etwas Einzigartiges auf die Beine stellen kann.»

Carina Iten