Mit Dodo Hug auf einer musikalischen Weltreise

Derzeit tourt Dodo Hug mit ihrem vielschichtigen Programm «Cosmopolitana» durch die Lande. Die etablierte Musikerin erweist sich dabei einmal mehr als helvetischer Garant für Qualität.

Haymo Empl
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Bewies in Zug einmal mehr ihre grossartige Vielseitigkeit: Dodo Hug mit Band.

Bewies in Zug einmal mehr ihre grossartige Vielseitigkeit: Dodo Hug mit Band.

Dodo Hug ist längst schon Synonym für eine der ganz Grossen der Schweizer Musikszene. Aber wie lässt sich diese Grande Dame genretechnisch einordnen? Wohl gar nicht, genauso wenig wie das mässig erschienene Publikum, welches am Donnerstag ihr Konzert im Theater Casino besuchte. Da waren die üblichen «Kulturverdächtigen» mit dabei, aber auch Leute, die sonst vermutlich eher selten etablierte Kultur- und Kunstinstitutionen aufsuchen. Eine Gruppe fehlte aber komplett: sehr junge Menschen. Diese scheint Dodo Hug nicht zu erreichen.

Spannende Coverversionen ...

Das Konzert im Rahmen der aktuellen Tournee «Cosmopolitana» begann mit dem gleichnamigen Titelsong. Auf der Bühne waren Dodo und die Band zu sehen, wenig Lichtshow, keine Effekte. Dodo pur, das Konzert hätte diesbezüglich auch genau so vor 40 Jahren stattfinden können – so lange ist die Musikerin schon auf der Bühne und ein helvetischer Garant für Qualität. Dieses für heutige Verhältnisse sehr minimalistische Bühnensetting lenkte am Donnerstag den Fokus aufs Wesentliche – die Sängerin, die Musik ... und letztendlich den Inhalt. Sie startete am Donnerstag das Konzert denn auch mit den Worten: «Ein Lied erzählt über ein Lied», und legte direkt mit dem karibisch an­mutenden «Cosmoplitana» los. Überhaupt ist auch im restlichen Konzert aufgefallen, dass sich Dodo verbal sehr zurückhält, manchmal hätte man gerne noch etwas mehr über die Lieder erfahren, denn sie leitete diese jeweils wohl kurz ein, fokussierte sich dann aber sehr schnell auf das Lied, das Chanson oder auch die Jodelei. Denn auch das kann Dodo Hug, genauso wie sie eine Vielzahl an Schweizer Dialekten beherrscht. Neu dazugekommen ist offenbar Seislertütsch. Dieser kaum gehörte Dialekt aus Fribourg wird beispielsweise von der Rockgruppe Rään (Regen) gesungen. Dodo Hug coverte deren Hit «La mi no a chli» und machte dies in jeder Hinsicht grossartig.

«Cosmopolitana» – ein Motto, das viel zulässt und Dodo Hug entsprechende Freiheiten einräumte bei der Gestaltung. Selbstverständlich führten viele Lieder immer wieder in die Schweiz, und genau diese Darbietungen waren denn auch in vielen Fällen die stärksten. Beim Lied «Kultur» wurde der Kulturbetrieb verbal, musikalisch und auch dialekttechnisch liebevoll auf die Schippe genommen («Sie arbeiten in der Nacht? Was machen Sie denn am Tag?»). Beim Lied «Tombola» stellte Dodo Hug musikalisch und wenig überraschend fest, dass das Leben eben so eine sei. Zwischendurch dann auch ein Gedicht, die Musikerin rezitierte «Wünschelrute» von Joseph von Eichendorff.

Manche Stücke wirkten seltsam isoliert im Programm. Ein Lied beispielsweise wurde dem verschollenen Bruno Manser gewidmet, ein anderes war «Vitello d’oro», der Tanz um das goldene Kalb. Und auch hier hätte es vielleicht noch etwas mehr dazu gebraucht, um dem Zuschauer verständlich zu machen, warum dieser «Tanz um das goldene Kalb» für Dodo Hug zu «Cosmopolitana» gehört, denn schnell entstand der Verdacht, die Lieder seien nach einer gewissen Beliebigkeit ausgewählt worden.

... und Gefühlvolles mit politischem Hintergrund...

Im Vorfeld war immer wieder der Begriff Diversität aufgefallen. Sie würde sich eine Welt ohne Grenzen und Mauern wünschen, hatte Dodo Huh unlängst in einem Interview gemeint. Eine starke Aussage: Bei «Diversität», gleichzusetzen mit «Diversity», würden alle Menschen, alle Rassen, alle Geschlechtsidentitäten und alle Lebensformen entsprechend inkludiert: Das birgt viel Potenzial und politischen Zündstoff – dem ist Dodo Hug mit ihrem Programm gar sehr aus dem Weg gegangen.

Dabei hätte gerade eine Person wie sie die Kraft, mit der einzig wirksamen Waffe etwas verändern zu können: mit Humor. Denn dass Dodo Hug (oder/und die Band) durchaus politisch sein kann, zeigte sich am Donnerstag bei einem Lied über den italienischen Freiheitskämpfer Silvio Mastio, der sich in Italien in einer Gruppe gegen den aufkommenden Faschismus formierte, sich in Venezuela für den Sturz der Diktatur einsetzte und sich letztendlich im Kugelhagel für seine Vision opferte. Das Lied wurde von Dodo Hugs langjährigem Weggefährten Efisio Contini geschrieben und gespielt, und da es sich bei dieser Geschichte um seinen Grossonkel handelte, kam die Ballade beim Publikum besonders gefühlvoll an.

... und überzeugende A-cappella-Einlagen

Generell waren die Darbietungen am Donnerstag auf absolutem Topniveau, Dodo Hug in guter Form, die Mitmusiker sowieso, und Efisio Contini beeindruckte verbal und vokal. Apropos vokal: Ein Highlight waren auf jeden Fall die A-cappella-Einlagen – diese kamen auch beim Publikum bestens an. Und entsprechend begeistert war dann auch der Schlussapplaus.