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FAUNA: Das grosse Krabbeln im See

Die Kamberkrebse haben den Zugersee explosionsartig erobert. Mit den wärmeren Temperaturen werden die Fremdlinge nun auch für Laien sichtbar. Und auch der Ägerisee bleibt nicht mehr verschont.
Kamberkrebse sind vor einigen Jahren in den Zugersee eingewandert und verbreiten sich im ganzen See. Das Bild zeigt ein Exemplar bei der Bucht beim Kanu Klub Zug, wo es vor ein paar Jahren diese Krebsart noch nicht gab. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 18. April 2017))

Kamberkrebse sind vor einigen Jahren in den Zugersee eingewandert und verbreiten sich im ganzen See. Das Bild zeigt ein Exemplar bei der Bucht beim Kanu Klub Zug, wo es vor ein paar Jahren diese Krebsart noch nicht gab. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 18. April 2017))

Zoe Gwerder
zoe.gwerder@zugerzeitung.ch

Ein ungewöhnlicher Anblick bietet sich am idyllischen Ort beim Delta an der alten Lorze im Choller. Ein Ort, an dem bis vor kurzem keine Krebse aufgefallen wären. In diesem Jahr ist dies aber anders. Auf wenigen Quadratmetern sind innert einer Stunde zwischen fünf und zehn Tiere zu sehen. Es sind Kamberkrebse, die die einheimischen Krebsarten – Edelkrebse und Steinkrebse – verdrängt haben.
«Die Tiere sind nun definitiv auch im nördlichen Teil des Sees angekommen», erklärt Felix Ammann. Er ist kantonaler Fischereiaufseher. Lange waren die Kamberkrebse vor allem im südlichen Teil des Zugersees vorhanden. Im Jahr 2000 wurden sie erstmals bei Immensee gesichtet. Seither haben sie sich der Uferzone entlang rasant ausgebreitet. «Der nährstoffreiche Zugersee bietet dem Krebs hier optimale Bedingungen», erklärt Ammann. Und die hiesigen Temperaturen machen ihm nichts aus. Denn die bis zu 10 Zentimeter langen Tiere stammen ursprünglich von der Ostküste der USA. Sie haben eine Eigenheit, die sie stark von den einheimischen Arten unterscheidet und ihr Dasein verrät: Sie sind auch tagaktiv. «Wir erhalten immer wieder Anrufe von Leuten, die die Krebse beobachtet haben und erstaunt sind über ihr Auftreten», so Ammann. Die Kamberkrebse unterscheiden sich durch rostbraune Querstreifen am Schwanz von anderen.

Ungewöhnlich, aber nicht gefährlich

Obwohl ihre Erscheinung ungewohnt wirkt, sind sie für Mensch und Tier – abgesehen von einheimischen Artgenossen – keine Gefahr. «Normalerweise verstecken sie sich. Wenn sie doch einmal mit ihren Scheren zupacken, kann das zwar zwicken, mehr als ein paar Kratzer gibt das aber nicht», meint Ammann. Für seine einheimischen Artgenossen ist der Kamberkrebs vor allem gefährlich, weil er die Krebspest weitergibt, selber aber nicht an ihr erkrankt und die einheimischen Arten in ihrem Lebensraum verdrängt.

Erste Exemplare des Kamberkrebses sind gemäss Angaben des Kantons inzwischen auch im Ägerisee gesichtet worden. Dies obwohl die Tiere nicht klettern können und deshalb Aufwärtswanderungen nicht möglich sind. «Entweder hat jemand die Tiere dort ausgesetzt, oder sie sind versehentlich mit Booten in den See gelangt», erklärt Fischereiaufseher Ammann. Voraussichtlich werden sie entsprechend auch diesen See in Kürze erobern. Denn ihre Ausbreitung ist rasant: So legt das Weibchen jährlich zwischen 200 und 400 Eier.

Das Vorkommen der Kamberkrebse zu regulieren, ist praktisch unmöglich. «Es sind einfach zu viele», erklärt Ammann. Auch Hobbyfischer und Badegäste dürfen die Tiere nicht aus dem See nehmen. Auch nicht mit der Absicht, diese zu essen. «Die Gefahr ist zu gross, dass sie so in andere Gewässer gelangen könnten», begründet Ammann. Einzig die Berufsfischer haben eine Spezialerlaubnis, die Tiere aus dem See zu holen. Sie töten die Tiere, in dem sie diese einfrieren, oder geben sie Restaurants weiter. Denn der Krebs ist auch essbar. Vereinzelt wird er beispielsweise im Restaurant Adler in Küssnacht angeboten. Sei es als Suppe oder Füllung von Ravioli oder Cannelloni.

In der Natur haben die Tiere keine grossen Feinde. «Der Hecht oder auch Egli fressen kleine Krebse, aber sie machen keine gezielte Jagd auf diese. Gleiches gilt für die Graureiher», hält Ammann fest.

Die Umwelt wird angepasst

Was hingegen gemacht wird, ist der Schutz und das Fördern der vom Aussterben bedrohten einheimischen Krebsarten. So trägt man bei Bauprojekten, beispielsweise beim Projekt Hochwasserschutz Grossacherbach, das der Kanton in Baar gegenwärtig realisiert, dem Schutz der dort vorkommenden Steinkrebse Rechnung. «Es gibt bestimmte Auflagen, und bei den Bauarbeiten und beim Bauablauf bei Gewässern wird entsprechend auf die Bedürfnisse der einheimischen Arten Rücksicht genommen», sagt Priska Müller vom Amt für Wald und Wild. Denn: «Im Zugersee selber sind kaum mehr einheimische Krebse vorhanden.»

Der Kamberkrebs in einem Unterschlupf im Wasser unter einem Stein. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 18. April 2017))

Der Kamberkrebs in einem Unterschlupf im Wasser unter einem Stein. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 18. April 2017))

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