Fehlalarme sind bei Zuger Feuerwehren fast alltäglich

Rund 20 Prozent der Notrufe bei der Feuerwehr erweisen sich als Fehlalarme. Wie die Feuerwehrleute damit umgehen, und wer in welchem Fall zur Kasse gebeten wird, schildert der Zuger Feuerwehrinspektor Roland Fässler.

Cornelia Bisch
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Feuerwehrübung der Feuerwehr Risch-Rotkreuz bei der Tankanlage des VBS. (Bild: Werner Schelbert, 29. Oktober 2016))

Feuerwehrübung der Feuerwehr Risch-Rotkreuz bei der Tankanlage des VBS. (Bild: Werner Schelbert, 29. Oktober 2016))

Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, wenn ein Alarm eingeht, lassen die Feuerwehrleute alles stehen und liegen, fassen ihre Ausrüstung und sind innert Minuten einsatzbereit. Auch mental machen sie sich darauf gefasst, alles zu geben. Gemeinsam treffen sie im Feuerwehrfahrzeug auf dem vermeintlichen Schauplatz ein und finden nichts als Stille vor. Alles vergebens. Fehlalarme gehören zum Alltag der Feuerwehrleute. Muss das sein? Welche Folgen haben solche Einsätze und wer trägt die Kosten dafür?

«Es gibt verschiedene Ursachen für Fehlalarme», erklärt Roland Fässler, Feuerwehrinspektor und Leiter der Abteilung Feuerwehr der Gebäudeversicherung Zug. «Dazu gehören beispielsweise technische Störungen bei Brandmelde- und Sprinkleranlagen, unsachgemässe Manipulationen an solchen Anlagen, mutwilliges Drücken von Handalarmtastern, Dampf- und Rauchentwicklung ohne Brandursache, missbräuchliche oder irrtümliche Alarmierungen.»

Hauptverantwortlich sind Brandmeldeanlagen

Missbräuche sind jedoch laut Fässler glücklicherweise selten. «Sie beschränken sich fast ausschliesslich auf das mutwillige Drücken von Handalarmtastern.» Dabei kann der Auslöser in der Regel nur eruiert werden, wenn er bei der Tat in flagranti ertappt oder beobachtet wurde. «Bei der missbräuchlichen Alarmierung der Feuerwehr über die Notrufnummer 118 besteht die Möglichkeit, dass die Zuger Polizei den Täter ermittelt.»

Hauptverantwortlich für Fehlalarme sind Brandmeldeanlagen, die eigentlich der Früherkennung von Brandentwicklungen und damit dem präventiven Personen- und Objektschutz dienen. «Es ist deshalb richtig, dass eine Brandmeldeanlage einen Alarm auslöst, wenn sie Lufttrübungen und/oder Hitze detektiert», betont Fässler. Je mehr Brandmeldeanlagen es in einer Gemeinde gibt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von Fehlalarmen. Deren Anzahl liegt in der Stadt Zug bei zwischen 70 und 80 jährlich (siehe Tabelle). Je nach Sachlage kann das für den Auslöser finanzielle Folgen haben.

Missbrauch wird strafrechtlich geahndet

«Eine irrtümliche Alarmierung bleibt für die meldende Person ohne Folgen, da diese Handlung aufgrund einer entsprechenden Wahrnehmung oder eines Verdachts berechtigt war», erläutert Fässler. Technische Störungen und unsachgemässe Manipulationen bei Brandmelde- und Sprinkleranlagen hingegen würden der betreffenden Liegenschaftsverwaltung in Rechnung gestellt. In der Stadt Zug kostet dies 1525 Franken pro Alarm.

«Missbräuchliche Alarmierung und mutwilliges Drücken eines Handalarmtasters werden der verursachenden Person in Rechnung gestellt, wenn sie ermittelt werden kann. Zudem wird ein strafrechtliches Verfahren eingeleitet», so Fässler.

Für die Feuerwehren sei jedoch jeder Alarm echt. «Sie rücken in jedem Fall zum Einsatzort aus und erkunden die Lage.» Fehlalarme sind zwar ärgerlich, aber laut Roland Fässler kaum zu vermeiden. «Ausser die Einsätze gemäss Gesetz über den Feuerschutz zu verrechnen, kann man nicht viel dagegen tun», stellt er fest.

Eine Häufung schlägt auf die Moral

Wenn sich die Fehlalarme, wie in den letzten Jahren, im Rahmen hielten (siehe Grafik), sei dies kein Problem. «Wenn sie sich jedoch häufen, kann beim Feuerwehrkorps schon eine gewisse Frustration aufkommen», berichtet Fässler. Vor allem, weil auch Arbeitgeber, Familie und Freunde involviert seien. «Wenn sich Fehlalarme bei ein und demselben Gebäude wiederholen, besteht die Gefahr, dass einzelne Feuerwehrleute versucht sind, gar nicht mehr auszurücken.» Eine zwar verständliche Reaktion, die es aber laut Feuerwehrinspektor unbedingt zu unterbinden gilt. In den letzten Jahren ist die Tendenz von Fehlalarmen jedoch rückläufig, was Fässler einerseits auf die Installation verbesserter, modernerer Brandmeldeanlagen zurückführt, andererseits aber auch auf besser geschultes Personal. Denn die Feuerwehr nimmt mit Liegenschaftsverwaltungen Kontakt auf, bei denen sich Fehlalarme wiederholen, und versucht, die Verantwortlichen für die Problematik zu sensibilisieren.

«Vielleicht spielt bei der Verbesserung der Zahlen aber auch der Zufall ein wenig mit», räumt Roland Fässler ein und betont: «Auf jeden Fall ist es wichtig und auch richtig, dass die Bürger potenzielle Ereignisse aufgrund ihrer Wahrnehmung oder eines Verdachts über die Notrufnummer 118 melden. Es ist uns lieber, wir rücken einmal unnötig aus, als dass wir zu spät kommen.»