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Landmaschinenmechaniker Christof Röllin misst sich mit den Besten der Welt

Am Freitag, 16. August reist der der 21-Jährige nach Russland. Dort nimmt er an den internationalen Berufsmeisterschaften teil.
Fabian Gubser
Die Leistung der Motoren, die Landmaschinenmechaniker Christof Röllin wartet, variiert stark: von fünf bis zu 400 PS. (Bild: Maria Schmid, Baar, 7. August 2019)

Die Leistung der Motoren, die Landmaschinenmechaniker Christof Röllin wartet, variiert stark: von fünf bis zu 400 PS. (Bild: Maria Schmid, Baar, 7. August 2019)

Die Leidenschaft für seinen Beruf äussert sich bei Christof Röllin eher subtil, etwa, wenn er auf eine grosse, grüne Maschine in der Garage seines Betriebs zeigt und sagt: «Das ist ein schöner Traktor, trotz seines Alters von 20 Jahren». Die Räder sind fast so gross wie er selbst. Röllin gehört zu den besten jungen Landmaschinenmechaniker der Schweiz. Am Freitag, 16. August steigt er ins Flugzeug, um an den internationalen Berufsmeisterschaften (siehe Box unten) in der russischen Stadt Kasan teilzunehmen. «Gasch emal, chasch ja nüt verlüüre, nur profitiere», sagt der 21-Jährige bei einem Gespräch im Büro neben der Werkstatt, in der hörbar gearbeitet wird. Angefangen habe alles mit einem Brief vor zwei Jahren, als er wegen seiner guten Noten der LAP für die nationalen Berufsmeisterschaften angefragt wurde. «Es ist noch gut herausgekommen», lautet der bescheidene Kommentar zu seiner Goldmedaille, die er später nach Hause brachte.

Die Erwartungen an sich selbst sind gross

Mit dieser und einem Bewerbungsgespräch qualifizierte er sich für die internationalen Wettkämpfe, die Ende August ausgetragen werden. «Die Erwartungen sind schon da», gesteht der bodenständige Mechaniker, und verweist auf seine Vorgänger: An der letzten Europa- und Weltmeisterschaft holte die Schweiz in seiner Disziplin jeweils Gold. Währen der Woche und am Wochenende trainieren Experten die 42 jungen Erwachsenen aus 40 Berufen, die für die Schweiz nach Russland reisen. Das Programm gehe von Mentaltraining über Sport bis zu Ernährung. «Deswegen muss ich leider bei meinen Hobbys momentan etwas zurückstecken.» Nach Feierabend spielt Röllin nämlich gerne Schwyzerörgeli bei den «Moränenörgler» oder werkelt zu Hause an seinen zwei VW Passat.

Die Aufgaben ähneln der Lehrabschlussprüfung

Bei dem Wettbewerb gehe es um die Diagnose bei defekten Maschinen und weniger um deren Reparatur. Christof Röllin muss – als banales Beispiel – in der Disziplin «Motoren» herausfinden, dass ein solcher nicht mehr die volle Leistung erbringt, weil der Dieselfilter verstopft ist. Je nach Fahrzeugtyp geschieht die Fehlersuche rein elektronisch per Laptop, der per Kabel mit dem Traktor verbunden wird. Die Schwierigkeit besteht darin, sich bei den verschiedenen Fahrzeugen möglichst rasch zurechtzufinden. Die Aufgaben seien ähnlich aufgebaut wie bei der LAP. Nur der Schwierigkeitsgrad ist höher, besonders mit dem Zeitdruck wird selektioniert: «Man kann gar nicht mit allem fertig werden», meint Christof Röllin. Zeitnot herrscht auch, wenn der Sohn einer Menzinger Bauernfamilie «draussen» unterwegs ist. So rückt er beispielsweise aus, wenn ein Heukran kaputt ist und der Bauer möglichst schnell seine Ernte ins Trockene bringen möchte. «Wenn ich nicht die richtigen Werkzeuge dabei habe, muss ich halt improvisieren.» Wartungen in der Garage hingegen sei nicht seine Lieblingsbeschäftigung, dies sei eher «0815-Arbeit»

Sein Chef René Wismer sagt, dass die Absenzen von zurzeit fast 50 Prozent von seinem Mitarbeiter für die Planung «schwierig» seien. Trotzdem unterstütze er Röllin – auch finanziell –, weil er sich für seinen Betrieb an der Sihlbruggstrasse in Baar neue Inputs erhofft. Er bemerke die gewachsene Expertise von seinem Mechaniker im Vergleich zu anderen Lehrabgängern. Auch Röllin selbst meint, dass er im vergangen Jahr viel dazugelernt habe. Zum bevorstehenden Wettkampf sagt er: «Ich bin zufrieden, wenn ich das, was ich im letzten Jahr gelernt habe, gut anwenden kann.»

Wettbewerb soll Emotionen ansprechen

(gub) Die Berufsmeisterschaften «SwissSkills» sind in der Schweiz relativ neu. 2014 fanden sie zum ersten Mal bei allen Berufen gleichzeitig statt. In gewissen Berufen gibt es sie jedoch schon länger – bei den Landmaschinenmechaniker beispielsweise seit 15 Jahren. Organisiert werden sie durch die gleichnamige Stiftung. Der Wettbewerb soll laut der Website der Stiftung die «Exzellenz» und das Image der Berufslehre fördern. Man möchte mit den Events «vor allem die Emotionen ansprechen». Partner sind unter anderem das eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung. Die Swiss Skills ermöglichen ausserdem jungen Berufsleuten die Teilnahme an internationalen Berufsmeisterschaften. So wie Christof Röllin.

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