Feierstunde mit Johann Sebastian Bach

Das Zuger Kammerensemble gestaltete mit der Sopranistin Kathrin Hottiger zwei weltliche Bach-Kantaten.

Jürg Röthlisberger
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Kathrin Hottiger und das Zuger Kammerensemble.

Kathrin Hottiger und das Zuger Kammerensemble.

Bild: Patrick Hürlimann (Baar, 10. September 2020)

Johann Sebastian Bach ist der Nachwelt vor allem durch seine geistliche Musik bekannt. Mit gleichen Prinzipien komponierte er aber auch weltliche Kantaten. Zwei davon bildeten den Hauptteil des Programms in der reformierten Kirche Baar vom Donnerstag: BWV 202, «Weichet nur, betrübte Schatten», so wie BWV 209 «Non sa che sia dolore». Obwohl sie aus unterschiedlichen Schaffensperioden stammten – BWV 202 ca. 1717-21, BWV 209 höchstwahrscheinlich 1747 – zeigten sie zahlreiche Parallelen, welche den Ausführenden sichtlich entgegenkamen.

Beide Male ist der ganze Vokalpart einer einzigen Solo-Stimme in Sopran-Lage anvertraut. Das Zuger Kammerensemble verfügte mit 10 Streichern über einen Klangkörper in der zu Bachs Zeit ungefähr üblichen Grösse. Auffallend erschienen die häufigen Bezüge zur griechischen Mythologie – dies obwohl Bach selber als gläubiger und streng praktizierender Protestant dazu sicher keine echte emotionale Beziehung hatte. Im Gegensatz zur barocken Aufführungspraxis erklangen jedoch beide Kantaten ohne Unterbruch; durch kurze Überleitungen mit der Theorbe (Emanuele Forni) wurde dies sogar noch zusätzlich betont.

Nicht optimal wirkte die Akustik in der nach Coronarestriktionen praktisch «voll besetzten» Kirche. Trotz prägnanter Artikulation war die Sprachverständlichkeit der Sopranistin deutlich beeinträchtigt. Wenig schadete dies bei der zweiten Kantate: Ein fürchterlich fehlerhaftes Italienisch des anonymen Texters, wohl der Versuch, einen für andere Zwecke geschriebenen Text in den Abschiedsgruss für einen prominenten Arbeitgeber (wahrscheinlich Albrecht Beck, 1723-1765) umzuformen.

Stilsichere und lebendige Interpretation

Die vokalen Qualitäten der jungen Stimme Kathrin Hottigers kamen aber voll zur Geltung: Zur tadellosen Intonation gesellte sich eine stilsichere und lebendige Gestaltung der barocken Figurationen, welche auch einen Schwerpunkt in der noch nicht weit zurückliegenden Ausbildung gesetzt hatte. Mit verschiedenen absolvierten und kurz bevorstehenden Engagements im Ausland steht Kathrin Hottiger offensichtlich am Beginn einer vielversprechenden Karriere. Auch in Baar erhielt sie einen offensichtlich auf sie zugeschnittenen Extra-Applaus, der noch mit einer Zugabe verdankt wurde.

Das Programm komplettierte die Triosonate in d-Moll, BWV 1036. Die interessante Stellung der Bachschen Triosonaten zwischen Generalbass und freier Form im Übergang zur Klassik hat ihnen einen festen Platz in der Weltliteratur gesichert. Die von Bach selber kaum je definitiv festgelegte Instrumentierung erfolgte in der Besetzung Flöte (Franziska Kannewischer), Oboe (Marita Kohler) und Basso continuo (Natalia Chybak und Werner Weiss). Die oft tiefer als die Oboe gesetzte Flötenstimme erhielt dank der klangvollen Spieltechnik auch in den unteren Lagen genügend Volumen. Vereinzelte Ungenauigkeiten im Zusammenspiel (etwa ganz am Schluss des zweiten Satzes) beeinträchtigten den abgerundeten Gesamteindruck kaum. Beide Bläserstimmen leisteten zudem einen virtuosen Ergänzungspart in den Arien der Kantaten.

Obwohl die Mittelstimmen der Streicher aus «coronatechnischen» Gründen weit hinten zu spielen hatten, wirkte das Ensemble in sich ausgeglichen, und es gelang ein homogenes Zusammenspiel. Deutlich bevorzugt durch die Akustik wurde aber die Oboe, welche vor allem in der ersten Arie die Singstimme manchmal übertönte. Ein Spezial-Kompliment verdiente die Cellistin Natalia Chybak, die neben pausenlosem Einsatz am Continuo die technisch sehr anspruchsvolle Begleitstimme der zweiten Arie in BWV 202 souverän gestaltete.

Das Konzert wird mit gleichem Programm wiederholt: Montag, 14. September, 20 Uhr, in der reformierten Kirche Zug.