«Fenster Talks»
Jugendarbeit Steinhausen sorgt bei Jugendlichen in Quarantäne für Abwechslung

Eine Quarantäne ist kein Zuckerschlecken – gerade Jugendlichen fehlen die sozialen Kontakte. Um Abhilfe zu schaffen, hat die Jugendarbeit Steinhausen die «Fenster Talks» ins Leben gerufen. Das Feedback ist durchgehend positiv.

Linda Leuenberger
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Dustin Maith und Simone Allenspach von der Jugendarbeit Steinhausen.

Dustin Maith und Simone Allenspach von der Jugendarbeit Steinhausen.

Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 13. April 2021)

Zehn Tage am Stück zu Hause, isoliert von der Aussenwelt, kein Schritt vor die Haustüre. Kreisende Gedanken. Langeweile. Ungewissheit. Und das ausgerechnet in der Zeit des Lebens, in der man Erlebnisse sammeln, mit Freunden zusammen sein, sich kennen lernen und neu erfinden will.

Dass die Quarantäne und die ganze Pandemiesituation den Jugendlichen zusetzen, haben Simone Allenspach und Dustin Maith von der Jugendarbeit in Steinhausen vor allem zu Beginn der Pandemie gemerkt. «Damals waren wir sehr plötzlich stark eingeschränkt», erinnert sich Maith. «Niemand wusste so genau, wie mit einer solchen Situation umzugehen war.» Fast zeitgleich mit dem ersten Lockdown wurde sie dann geboren, die Idee der Fenster Talks.

Abwechslung vom Quarantänealltag

Dustin Maith

Dustin Maith

«Viel ist es nicht», sagt Simone Allenspach bescheiden. Die Leiterin des Jugendtreffs Steinhausen erklärt: Die Jugendlichen können sich via Whatsapp, Instagram, Snapchat oder E-Mail bei der Jugendarbeit melden – dann macht sich jemand des vierköpfigen Teams zu Fuss oder per Velo auf den Weg. Bei den Jugendlichen zu Hause schauen diese zum Fenster raus – die Jugendarbeiterin bleibt unten auf der Strasse oder im Garten. Die Treffen dauern eine Viertel- bis eine halbe Stunde. Allenspach: «Wir wollen eine Abwechslung vom immer gleichen Quarantänealltag ermöglichen. Wir reden mit den Kids, spielen Spiele auf Distanz oder geben ihnen Rätsel auf.»

Simone Allenspach

Simone Allenspach

Das Bedürfnis nach solchen Kontakten sei vor allem im ersten Lockdown spürbar gewesen. «Mittlerweile kann man ja wieder gewisse Dinge unternehmen und sich freier bewegen», sagt Dustin Maith. «Auch die Jugi ist wieder offen.» Die Jugendlichen und ihre Familien scheinen Strategien entwickelt zu haben, mit der Situation umzugehen, ergänzt Simone Allenspach. Das sei ein gutes Zeichen: «Wenn wir nichts hören, gehen wir grundsätzlich davon aus, dass die Jugendlichen zurechtkommen.» Das Angebot bleibe aber bestehen, sagt Allenspach. «Es kostet uns nichts und die Wertschätzung der Jugendlichen ist herzerwärmend. Das Prinzip ist einfach: Sobald sich jemand meldet, ziehen wir los.» Der letzte Fenster Talk habe vor wenigen Wochen stattgefunden.

Die Jugendarbeit Steinhausen versuche mittels der Fenster Talks und ihrer Arbeit im Generellen, die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie stehen, ihnen zuzuhören und Verständnis zu zeigen. «Das ist immer auch Präventivarbeit», sagt Dustin Maith. «Wir versuchen, den Jugendlichen Möglichkeiten zu bieten, wie sie ihre Energie sinnvoll ummünzen können.» Für die Jugendarbeit Steinhausen sei indes denkbar, das Angebot auch nach Corona aufrechtzuerhalten. Etwa wenn ein Kind krank oder verletzt zu Hause bleiben müsse.

Im Austausch mit der Gemeinde

Das Feedback der Jugendlichen sei durchgehend positiv gewesen, sagt Dustin Maith. So auch von Seiten der Eltern. Die Jugendarbeit Steinhausen arbeite eng mit den Schulen und der Schulsozialarbeit zusammen, erklärt Simone Allenspach. «Wir sind in stetigem Austausch. Hier und auch von der Gemeinde Steinhausen wurde nur Wohlwollendes und Ermutigendes rückgemeldet.»

Auf Anfrage bestätigt Gemeinderätin Esther Rüttimann, die dem Departement für Soziales und Gesundheit vorsteht, diesen Eindruck: «Ich finde es schön und wichtig, dass man trotz erschwerter Umstände die Jugendlichen abholt. Es ist beruhigend zu wissen, dass die Jugendarbeit Steinhausen auch neue, unbekannte Probleme kreativ und gewissenhaft meistert.» Rüttimann würde sich zudem wünschen, dass sich die Fenster-Talks-Idee auch über die Gemeindegrenzen hinaus verbreitet. «Die Jugendlichen dürfen nicht vergessen werden – sie sind unsere Zukunft.»

Weitere Infos zum Angebot der Jugendarbeit sind auf der Website zu finden. Infos zu den Fenster Talks gibt es hier.