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FERIENZEIT: Klischees und kristallblaues Wasser

Es gibt immer mehr Tagestouristen, die den Kanton Zug bereisen. Was wird ihnen zur Besichtigung empfohlen? Was empfehlen sie weiter? Wir haben es nachgeschlagen.
Amanda Amstad und Raphael Biermayr
Auf dem Zugersee: #surf#sup#love@switzerland#lake#zug (Bild: Kokazhki / Israel)

Auf dem Zugersee: #surf#sup#love@switzerland#lake#zug (Bild: Kokazhki / Israel)

Amanda Amstad und Raphael Biermayr

Was kauft sich wohl das schwedische Paar, das sich unlängst fotografierend durch die Zuger Altstadt bewegte, als Feriensouvenir? Wenn es sich über Reiseführer schlaugemacht hat, sollten es ein Briefkasten oder eine Steuererklärung sein. Die gängigen Klischees über den Kanton Zug werden in vielen Büchern breitgetreten. Bei «Polyglott» wirds dramatisch: «Symbolhaft erhebt sich der Glasturm der Marc Rich Group». Der «Lonely Planet» hälts mit einem Augenzwinkern: «Auf den ersten Blick sieht Zug aus wie jede andere Schweizer Stadt: Sie liegt am See und ist von Bergen umgeben. Doch sie ist die reichste Stadt in einem der reichsten Länder der Welt. Aber dies wird Sie wohl nicht interessieren, wenn Sie ein Stück Kirschtorte verschlingen.»

Am Zugersee: #ballet#dance#ballerina#dancer #zug#lake (Bild: julie_jura_dance / Russland)
Auf dem Zugersee: #surf#sup#love@switzerland#lake#zug (Bild: Kokazhki / Israel)
Auf dem Zugersee: A man and his best friend. Gliding through the sunset (Ein Mann und sein bester Freund gleiten durch den Sonnenuntergang) (Bild: belogradski / Serbien)
Only in Switzerland can cow bells wake you up at 6 am… (Nur in der Schweiz können dich Kuhglocke um 6:00 morgens aufwecken…) (Bild: marualvarezmorphy / Mexiko)
Auf dem Zugerberg: Hiking and bird watching on a mountain in Switzerland (Wandern und Vögel beobachten auf einem Berg in der Schweiz) (Bild: orp134 / Spanien)
¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿ (Hinter mir sind die Alpen) (Bild: Petergems / Thailand)
In Zug, Aussichtsplatz Guggi: #Zug#Switzerland (Bild: sayapina_d / Russland)
Bild: vikaligay / Russland
8 Bilder

Zuger Erlebnisse auf Instagram

Gefeierter Bahnhof

Überraschendes findet sich wenig in den Tipps zu Sehenswürdigkeiten, Unterkünften oder Lokalen. Dass die Grenzen des Kantons eng gesteckt sind und das Spektakelpotenzial für Auswärtige überschaubar ist, verdeutlicht die frenetische Haltung einiger Titel zum Bahnhof in Zug. Im Reiseführer von «Via Michelin» aus Frankreich gilt er als «unbedingt sehenswert». Bei Dunkelheit verwandle sich der Bahnhof mit seiner «riesigen Halle» in einen «Tempel» mit einem «Meer von warmen Farben». Der deutsche ADAC-Reiseführer lobt das 2003 eröffnete Bauwerk für seine «suggestiven Farben».

Stets empfohlen wird ein Spaziergang durch die Zuger Altstadt, die den Beschreibungen entsprechend grösser scheint, als sie letztlich ist. Die Verhältnisse sind ohnehin eher grosszügig bemessen. So rechnet der «Via Michelin» für Besucher einen Tag ein, um durch die Stadt und am Seeufer entlang zu spazieren. Dort blickt man gemäss der Homepage backpacker.ch auf «kristallblaues Wasser». Müden Touristen rät diese Internetseite, sich in einem der «zahllosen Cafés» in Zug hinzusetzen und den Sonnenuntergang zu geniessen. Das Umland des Kantonshauptorts kommt kaum vor in den Empfehlungen. Die Höllgrotten finden in wenigen Beiträgen Erwähnung, einer legt den Besuchern die Fahrt auf den Zugerberg ans Herz. Im einzigen Souvenirshop im Kanton, der «Wunderbox» in der Ober Altstadt, finden sich im Ansichtskartenständer auch wenige Hinweise auf andere Kantonsteile. Der Ägerisee ist abgebildet sowie der Chamer Villettepark mitsamt Kirchturm.

Grosse Selbstbeweihräucherung

Auf der weltweit stark genutzten Bewertungsseite tripadvisor.com finden sich – Stand gestern Nachmittag – 8702 Kommentare zu Hotels, Aktivitäten und Restaurants im Kanton Zug oder Foreneinträge. Zum Vergleich: Luzern kommt auf über 74 000 Beiträge, Obwalden auf über 8000 und Uri auf über 4000. Die beliebtesten Sehenswürdigkeiten sind der Reihenfolge nach: der Zytturm, die Burg Zug, die Höllgrotten und die Zugerberg-Bahn. Dass auf Platz 5 die «Hoellgrotten Caves» folgen, könnte als Indiz für die vielen englischsprachigen Touristen gewertet werden. Wer dann allerdings durch die Kommentare blättert, wird sehr schnell eines Besseren belehrt: Der Grossteil der Beiträge hier stammen von Nutzern aus dem Kanton Zug selbst.

Darüber hinaus finden sich auf «Tripadvisor» Einträge von Menschen aus – mit Ausnahme von Antarktika – allen Kontinenten, die Ferien in Zug machten. Die überwiegenden Bewertungen des Übernachtungs-, Essens- und Freizeitangebots sind in den Kategorien «ausgezeichnet» oder «sehr gut» zu finden. Selbst der Italiener, der in Zug «keine Bar» fand und einen Kiosk, dessen Betreiberin «weder Englisch noch Deutsch sprach», bewertet seinen Aufenthalt mit der Höchstnote. Ebenfalls amüsant: Eine Touristin aus dem Jet-Set-Ort Saint-Tropez streicht den «für Schweizer Verhältnisse unglaublich niedrigen» Eintritt in die Höllgrotten heraus.

Fans und Kritiker von Zug finden sich im Forum von «Tripadvisor»: Auf die Frage eines Amerikaners, ob sich ein Besuch lohnt, antwortet eine Londonerin: «Es ist eine liebenswerte Stadt, die sehr reich ist – entsprechend sieht alles perfekt aus.» Ein Mann aus Spiez teilt diese Sicht, weist den Amerikaner aber darauf hin, dass der Rest «schrecklich langweilig» und «eine Hochburg von nicht integrierten Steuerflüchtlingen» sei.

Auffällig ist, dass sich fast alle Einträge auf Aufenthalte in den Sommermonaten beziehen. Im vergangenen Februar fand allerdings ein Mann aus Neu-Delhi den Weg nach Zug und empfiehlt auch den Winter als Reiseperiode. «Die meisten besuchen Luzern und die Rigi, aber der Zugerberg ist mit Sicherheit ein Muss», ist er überzeugt. Der Inder gerät ins Schwärmen, wenn er vom Ausblick erzählt – und wird poetisch: «Deine innere Stimme wird dir sagen, dass du dich glücklich schätzen kannst, an diesem Ort zu sein.»

Welche Zuger Sehenswürdigkeiten empfehlen Sie Touristen? Machen Sie mit bei unserer Umfrage.

Zug Tourismus plant einen neuen Rundgang

Reisen bier. Bei Zug Tourismus zählt man eine steigende Zahl an Tagestouristen, sagt die Geschäftsführerin Seraina Koller. Das betrifft offenbar nicht nur die Asiaten, die auf ihrer Schweiz-Reise den Kolinplatz besichtigen und die Bijouteriegeschäfte stürmen. «Der Kanton ist ein beliebtes Ausflugsziel, gerade auch die Region Ägerisee.» Der überwiegende Teil an Reisenden sei allerdings nicht ferienhalber, sondern geschäftlich in der Region. Weil deshalb werktags viele Hotels ausgebucht seien, werde der Fokus auf den Wochenendtourismus gelegt.

Keine App entwickelt
Zug Tourismus ist im Vergleich mit anderen Städten zurückhaltend,
was den Einsatz neuer Medien anbelangt. «Wir haben geprüft, eine App entwickeln zu lassen. Aber erfahrungsgemäss werden solche Dienste wenig genutzt, auch wegen der Gebühren für Roaming.»
Deshalb haben wir das auf Eis gelegt.» Ein Vorhaben, das weiterverfolgt wird, ist der «Designer-Rundgang». «Wegen der hohen Dichte an Designern, gerade in der Zuger Altstadt, könnte das interessant sein. Das trifft den Zeitgeist», sagt Koller.

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