FERNSEHEN: «Viktor, mit was duschst du?»

Heute Abend läuft die letzte Folge der Schweizer Satire-Sendung «Giacobbo/Müller». Auch für den Zuger Komiker Michael Elsener geht damit eine Ära zu Ende.

Zoe Gwerder
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Michael Elsener in seinen Rollen als Moritz Leuenberger, Roger Federer, Ueli Schmezer und ungeschminkt (von oben nach unten), gemeinsam mit Mike Müller als Frank A. Meyer (oben) und Victor Giacobbo als Debbie Mötteli (unten). Bilder: PD/SRF

Michael Elsener in seinen Rollen als Moritz Leuenberger, Roger Federer, Ueli Schmezer und ungeschminkt (von oben nach unten), gemeinsam mit Mike Müller als Frank A. Meyer (oben) und Victor Giacobbo als Debbie Mötteli (unten). Bilder: PD/SRF

Wenn Roger Federer, Moritz Leuenberger oder Kurt Aeschbacher gefragt waren, dann klingelte bei ihm das Telefon: Michael Elsener. Der 31-jährige Hünenberger war seit der ersten Sendung «Giacobbo/Müller» vor neun Jahren immer wieder mit dabei. Anfangs vor allem unsichtbar, als Pointenschreiber für die beiden Moderatoren Viktor Giacobbo und Mike Müller. Dies war trockene Schreibtischarbeit in seinem Büro – in Zeitungen und online die Nachrichten der Woche durchackern. Immer ohne zu wissen, ob die Pointe dann auch verwendet wird.

«Wenn man die Nachricht aber mit Viktors Ohren oder Mikes Körperfülle in Verbindung bringen konnte, brachten sie diese meistens», sagt Elsener und lacht. Ins Schwärmen kommt er, wenn er vom anderen Teil seiner Zeit mit «Giacobbo/Müller» erzählt. Von dem Teil, bei dem er in einem Einspieler mitspielte oder gar eigene Ideen als Einspieler umsetzen durfte. Um zu solchen Einsätzen zu kommen, mussten mehrere Voraussetzungen gegeben sein, wie er erklärt: «Es benötigte ein aktuelles Ereignis, zusammen mit einer passenden Figur, die ich spiele, und dazu noch eine Idee für den Sketch.» Wenn diese Voraussetzungen erfüllt waren, klingelte das Telefon. Sein Engagement sei stets sehr spontan gewesen, erzählt Elsener. «Meistens erhielt ich am Mittwoch den Anruf, ob ich am Freitag beim Dreh mitmachen könnte» – für die Sendung am Sonntag.

Die Maske dauerte rund zwei Stunden

Doch «Giacobbo/Müller» war für Michael Elsener auch noch mehr. Dank der Sendung konnte er ein Jahr nach Sendestart als Komödiant durchstarten. Viktor Giacobbo entdeckte ihn. «Damals haben sie noch nicht realisiert, dass ich der Michael Elsener bin, der seit dem Start der Sendung Pointen schrieb.» Elsener trat in einer Weihnachtsshow auf, wo er einer von mehreren Künstlern war. Die Premiere war am Donnerstag. «Am Ende der Show kam Viktor Giacobbo auf mich zu und fragte mich, ob ich am Sonntag zu ihm in die Sendung komme», erzählt Elsener. «Als ich am Tag darauf zusagte, es war der Freitag vor der Sendung, ging alles unglaublich schnell.» Am Sonntag war er mit einem Song aus seinem Programm in der Sendung. «Am Tag danach ging die Post ab», erinnert sich Elsener. Von da an hätten ihn die immer wiederkehrenden Auftritte in der Sendung weitergebracht. Nicht nur weil er damit beim Publikum präsent blieb. Auch von der Zusammenarbeit mit Giacobbo und Müller habe er sehr viel profitiert, bei den Drehs vor Ort. «Viktor sagte sehr wenig, aber was er sagte, war extrem treffend.» Dieser direkte Austausch werde ihm fehlen. «Zudem war es eine Art geschützter Rahmen», beschreibt Michael Elsener die Bedingungen, unter denen er und die anderen jungen Künstler arbeiten durften. «Wir konnten viel ausprobieren, ohne direkt im Rampenlicht zu stehen. Wenn ein Gag nicht funktionierte, haftete dies mehr an ‹Giacobbo/Müller› und weniger an uns.»

Diese Umgebung, aber auch die Bühne, auf der er seine eigenen Programme vorstellen konnte, werden ihm nun fehlen, wie er sagt. Und nicht nur ihm: Dies fehle nun der ganzen Szene – insbesondere jenen, die beim breiten Publikum noch nicht bekannt sind. «Für viele junge Künstler war dies die Plattform – mit Betonung auf ‹die›.»

Weniger fehlen wird ihm hingegen wohl die Maske – zumindest das Erstellen und Entfernen derselben. Die Umwandlung als solche habe ihn aber immer fasziniert. Diese dauerte rund zwei Stunden. «Unter anderem, weil meine Locken so schwierig zu bändigen sind.» Wenn er danach, scheinbar um Jahre gealtert, als alt Bundesrat Moritz Leuenberger wieder in den Spiegel geschaut habe, habe er oft gedacht «Jesses Gott» und sich selber fast nicht mehr erkannt. Der Dreh danach war dann auch mal nach wenigen Minuten zu Ende. Das Anstrengendste stand dann aber noch bevor: Die Paste, mit der die Haare an den Kopf geklebt worden waren, musste unter der Dusche weg – eine Herausforderung. «Viktor, mit was duschst du», frage er deshalb nach mehreren missglückten Versuchen seinen erfahrenen Kollegen. Es brauche ganz viel Shampoo, habe dieser Elsener geraten. Elsener meint: «Ich würde sogar sagen: ganz, ganz, ganz viel Shampoo.» Zumindest diesen Teil seiner Einsätze scheint der Hünenberger nicht zu vermissen.

Mit der «Tscha-Mü-Familie» Abschied feiern

Etwas emotional wird er beim Gedanken an die letzte Sendung von heute. Er werde vor Ort im «Kaufleuten» in Zürich sein, um mit der «Tscha-Mü-Familie» – wie sich die Crew nannte – gemeinsam Abschied zu feiern. Michael Elsener hofft, dass auch nach «Giacobbo/Müller» bald wieder eine Satire-Sendung im Fernsehprogramm von SRF laufen wird. «Es braucht eine Fernsehsendung, die das Geschehen durch die satirische Brille anschaut. Denn gerade im Moment finde ich das, was beispielsweise in den USA oder in Italien passiert, ohne Pointe fast nicht aushaltbar.»

Zoe Gwerderzoe.gwerder@zugerzeitung.ch