FEST: Der Pionier wird 150 Jahre alt

Das Styger Rettungskorps ist der älteste Teil der Freiwilligen Feuerwehr Zug – und ihre Elite.

Susanne Holz
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Er hat sich über die Jahre eine Sammlung an Feuerwehrhelmen zugelegt: Paul Stadelmann, ehemaliges Mitglied des Styger Rettungskorps. (Bild Stefan Kaiser)

Er hat sich über die Jahre eine Sammlung an Feuerwehrhelmen zugelegt: Paul Stadelmann, ehemaliges Mitglied des Styger Rettungskorps. (Bild Stefan Kaiser)

Fragt man Mathias Keiser nach den prägnantesten Einsätzen der vergangenen Jahre, dann erinnert sich der Präsident des Styger Rettungskorps vor allem an den Swisspor-Brand im Mai 2007, an die vielen Einsätze während des Hochwassers im August 2005 sowie an den Brand des Bootshauses im Zuger Hafen am 19. April dieses Jahres. «Es gibt eigentlich keinen Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Zug (siehe Box), bei dem nicht ein Styger dabei wäre», sagt der 34-Jährige, der von Berufs wegen beim Tiefbauamt arbeitet. «Und bei Grossbränden sind stets alle sieben Korps der FFZ vertreten.» Das war nicht immer so. Denn die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Zug (FFZ) begann vor 150 Jahren allein und einzig mit dem Styger Rettungskorps: Nach einer Anfrage durch die Stadtbehörden beschlossen die Mitglieder des damaligen Männerturnvereins am 7. September 1863, die Aufgaben eines Rettungskorps in der Stadt Zug zu erfüllen. Das «Steiger Rettungskorps» galt in der Folge als eines der bestausgebildeten Korps dieser Art im ganzen Land.

Elitemannschaft

In den «Bubenerinnerungen» Albert Utingers, FFZ-Kommandant von 1886 bis 1890, ist zu lesen: «Es handelte sich um eine Elitemannschaft ..., ihre Übungen, die auf Rettung von Menschenleben in vom Brande ergriffenen Häusern abzielten, erregten Staunen und Bewunderung ... Stock-, Dach- und Firstleitern waren ihr Korpsmaterial.» Nachdem das Korps vom Feuerrat der Stadt den Auftrag erhalten hatte, auch den neugeschaffenen Hydrantendienst zu übernehmen, wurde am 22. Januar 1879 die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Zug gegründet. Bis in die 1970er-Jahre blieb der Rettungsdienst Schwerpunkt der Styger. Doch bald war der «Allroundfeuerwehrmann» geboren, und die Styger leisteten nun auch Schlauchdienst, Pionierdienst usw. Zur «FFZ-Elite» gehörten sie spätestens Ende der 70er- Jahre wieder, nachdem sie als zweites Atemschutzkorps ausgebildet und eingeteilt wurden.

Seefest, Fasnacht und Zuger Messe

Heute ist das Styger Rettungskorps als Atemschutzkorps auf Chemie- und Ölwehrereignisse spezialisiert – und in den «normalen Feuerwehrdienst» integriert. Es zählt 36 Aktivmitglieder und 29 Ehrengardisten im «Feuerwehrruhestand». Die Öffentlichkeit kennt die Styger vom Seefest, wo sie Risotto kochen, von der Zuger Messe und von der Fasnacht. Denn die Styger geben seit 1887 die Fasnachtspostille «Feuerhorn» heraus.

Präsident Mathias Keiser ist seit 13 Jahren bei den Stygern dabei – schon sein Vater hat dem Rettungskorps angehört. Der Familienvater schätzt die Freundschaft im Korps – man mag und hilft sich, feiert auch privat zusammen. Nach über einem Jahrzehnt Feuerwehrdienst, wie aufgeregt ist man da noch bei einem Einsatz? «Die Erfahrung macht ein bisschen gelassener», sagt Keiser, «aber der Puls geht immer noch hoch.»