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Kanton Zug: Feuerwehren kämpfen um Nachwuchs

Die Feuerwehrkorps in den Zuger Gemeinden sind ausreichend bis gut aufgestellt. Das zeigen die Zahlen zum Soll- und Ist-Bestand. Trotzdem bleibt das Rekrutieren die grosse Herausforderung.
Zoe Gwerder
Die Feuerwehr Risch übt den Ernstfall beim Tanklager. (Bild: Werner Schelbert (Rotkreuz, 29. Oktober 2016))

Die Feuerwehr Risch übt den Ernstfall beim Tanklager. (Bild: Werner Schelbert (Rotkreuz, 29. Oktober 2016))

Wie steht es um die Feuerwehr-Korps im Kanton Zug? Diese Frage stellt sich, nachdem bekannt geworden war, dass die Stadt Zug Massnahmen erarbeitet, um den Feuerschutz auch in Zukunft zu gewährleisten (Ausgabe vom 16. Dezember). Entsprechende Zahlen wurden erhoben, als das nationale Konzept «Feuerwehr 2015» die Korps und Gemeinden dazu aufforderte, ihren Soll-Bestand festzulegen. Das Zuger Feuerwehrinspektorat arbeitete daraufhin gemeinsam mit den Gemeindebehörden und Feuerwehren diesen anzustrebenden Mitgliederbestand aus (siehe Grafik). Das Soll variiert je nach Grösse, Topografie, Demografie, Aufgaben und anderen Faktoren der jeweiligen Gemeinde. Entsprechend sind die Soll-Bestände nur beschränkt vergleichbar.

Den höchsten Soll-Bestand hat die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Zug (FFZ) mit 140 Mitgliedern, da sie auch noch Aufgaben als Stützpunktfeuerwehr innehat. Diese unterstützt die gemeindlichen Feuerwehren wenn nötig mit speziellen Gerätschaften und Know-how. Zudem wird sie bei Personenrettungen immer aufgeboten. Die FFZ muss entsprechend mehrere Ereignisse gleichzeitig bewältigen können. Es besteht derzeit ein Unterbestand von 5 Personen.

Risch und Cham haben beide einen Soll-Bestand von 100. In Risch, das diesen auf den Punkt erfüllt, sei das Soll so hoch, weil die Gemeinde gänzlich auf Festanstellungen verzichtet, wie Feuerwehrkommandant Daniel Sidler erklärt. «Wir haben deshalb mehrere Personen, die eine Aufgabe teilen – wie beispielsweise jene des Materialdienstes.» Zudem übernimmt die Feuerwehr Risch zusätzliche Aufgaben. «Wir haben eine ‹First-Responder-Gruppe›, die bei Herznotfällen mit einem mobilen Defibrillator Erste Hilfe leistet, bis der Rettungsdienst da ist.» Zudem muss die Feuerwehr Risch auch einen Notfall beim örtlichen Tanklager beherrschen.

In Cham liegt der aktuelle Personalbestand 5 Mitglieder unter dem Soll. Der Chamer Feuerwehrkommandant und Präsident des kantonalen Feuerwehrverbandes, Urs Baggenstos, relativiert aber die Aussagekraft von diesem. «Viel wichtiger als die Grösse der Mannschaft ist die Anzahl Personen, die tagsüber ausrücken können.» In Cham seien dies 30 bis 35 Personen. «Wenn das nicht reicht, können wir weitere Feuerwehren zur Unterstützung aufbieten.»

Neuheim und Menzingen löschen gemeinsam

Den tiefsten Soll-Bestand, aber auch die grösste Differenz zum Ist, hat die Gemeinde Neuheim. Dort leisten derzeit 34 Frauen und Männer Feuerwehrdienst. Das sind 11 weniger als sich die Gemeinde und die Feuerwehr zum Ziel gesetzt haben. Kommandant Michael Panzer erklärt aber, dass das gesetzte Soll eher einem Wunschziel entspreche, das aber schwierig zu erreichen sei. «Wir hatten in den vergangenen Jahren nie mehr als jetzt.» Um insbesondere auch tagsüber im Brandfall genügend Leute aufbieten zu können, spannt die Feuerwehr Neuheim seit Jahren mit der Feuerwehr Menzingen zusammen – und zwar sehr eng. So betreiben die beiden Gemeinden einen gemeinsamen Pikett-Dienst, inklusive einem gemeinsamen Pikett-Fahrzeug. Bei kleinen Sachen, wie einem überfluteten Keller, rückt nur die Ortsfeuerwehr aus. Gibt es aber einen Brandalarm, werden automatisch zusätzliche Einheiten der Partnerfeuerwehr alarmiert.

In Sachen Soll-Bestand sieht es im Ägerital ganz anders aus. Die Feuerwehr Oberägeri hat ein Plus von 5 Mitgliedern und die von Unterägeri gar eines von 20. Der Unterägerer Kommandant, Marco Lüthold, durfte Anfang Jahr 8 neue Mitglieder begrüssen. «Sie sagten, sie seien durch den Umstand motiviert worden, dass nun die Feuerwehren im Ägerital wieder bei Einsätzen der Stützpunktfeuerwehr aufgeboten werden». Dies war nach dem tödlichen Ausgang eines Reitunfalls im vergangenen Jahr entsprechend angepasst worden (siehe Box). Und die diesjährigen Neuzugänge hätten noch weitere Vorzüge: «Sie arbeiten fast alle im Ägerital.» Unterägeri sei aber auch auf einen relativ hohen Mannschaftsstand angewiesen. «Viele Höfe stehen weit weg vom nächsten Hydranten. Da müssen oft lange Leitungen gelegt und Wasser aus Bächen oder dem See gepumpt werden. Das ist personalintensiv», so Lüthold.

Rekrutierung wird schwieriger

Bei allen Feuerwehrkorps des Kantons steht aber eine Herausforderung im Mittelpunkt: die Rekrutierung neuer Mitglieder. In mehreren Gemeinden ist das Ausscheiden starker Jahrgänge absehbar – mit 48 Jahren ist man nicht mehr zum Feuerwehrdienst verpflichtet. So will beispielsweise die Feuerwehr Cham ihre Bemühungen in Sachen Rekrutierung verstärken, wie Kommandant Baggenstos sagt. Und es sei Aufklärung angesagt: «Ich erlebe immer wieder, dass die Leute denken, wir machen das hauptberuflich. Doch wir haben alle einen Vollzeitjob und dienen der Feuerwehr in unserer Freizeit. Doch ich finde, es gibt kein vielseitigeres Hobby als die Feuerwehr.»

Hinweis

Am Wochenende des 30./31. August wird ein nationaler Tag der offenen Feuerwehren durchgeführt. Im Kanton Zug haben sich bisher die Korps von Zug, Baar, Steinhausen, Risch, Cham, Menzingen und Hünenberg gemeldet. Gemäss dem Schweizerischen Feuerwehrverband könnten noch weitere dazukommen.

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