Fifa muss Korruptions-Deal offen legen

Das Obergericht des Kantons Zug gibt dem Beobachter recht und will offen legen, weshalb das Strafverfahren gegen die Fifa und zwei weltbekannte Fifa-Funktionäre eingestellt wurde, nachdem diese 5,5 Millionen gezahlt hatten.

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Blick in einen Gerichtssaal des Zuger Obergerichts. (Bild: Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Blick in einen Gerichtssaal des Zuger Obergerichts. (Bild: Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Es gibt ein Dokument, das Licht in die Korruption beim Weltfussballverband Fifa bringen kann, schreibt die Konsumentenzeitschrift Beobachter in einer Mitteilung vom Dienstag. Im Mai 2010 verfügte die Zuger Staatsanwaltschaft die Einstellung eines Strafverfahren gegen die Fifa und zwei «weltweit anerkannten Personen des öffentlichen Lebens» wegen Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsbesorgung – weil die Beschuldigten 5,5 Millionen Franken Wiedergutmachung zahlten. Sie hatten zugegeben, von der einst in Zug und Luzern domizilierten Marketingfirma ISL Bestechungsgelder für die Vergabe von TV- und Vermarktungsrechte erhalten zu haben.

«Gewichtiges öffentliches Interesse»

Der Beobachter verlangte Einsicht in die Einstellungsverfügung, um zu prüfen, ob Prominente von der Justiz bevorzugt behandelt wurden. Die Zuger Staatsanwaltschaft wollte Transparenz schaffen – unter Angabe der Beträge und der Namen. Doch die Fifa und die beiden Mitbeschuldigten reichten dagegen Beschwerde beim Zuger Obergericht ein. Auch die Oberrichter haben sich nun für Transparenz entschieden: Es bestehe ein «gewichtiges öffentliches (und weltweites) Interesse an den Umständen, die zur Einstellung des Strafverfahrens im Fall Fifa führten», schreiben sie in ihrem Entscheid vom 22. Dezember, der dem Beobachter vorliegt.

Es müsse von der Öffentlichkeit kontrolliert werden können, «wie sich die Wiedergutmachungssumme von 5,5 Millionen Franken zusammensetzt und wer sich in welcher Höhe daran beteiligt hat». Bis heute sei es nicht möglich zu prüfen, ob die Fifa und die beiden beteiligten Exekutiv-Mitglieder «in irgendeiner Weise bevorzugt behandelt wurde» oder ob die Einstellung der Strafuntersuchung in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht korrekt erfolgte». Deshalb wollen auch die Zuger Oberrichter dem Beobachter die Einstellungsverfügung herausgeben.

Blatter hat Ankündigung nicht eingehalten

Die Fifa und die beiden Mitbeteiligten haben nun 30 Tage Zeit, um gegen den Entscheid Beschwerde beim Bundesgericht einzulegen. Fifa-Chef Sepp Blatter hatte vor zwei Monaten angekündigt, die Einstellungsverfügung Mitte Dezember öffentlich zu machen. Doch geschehen ist nichts.

pd/zim