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FILM: «Michaela sagte mir, sie wäre gerne normal»

Johanna Kannewischer begleitet eine Verwandte mit der Kamera bei der Lehrstellensuche. Sie dokumentiert den Kampf gegen ein Handicap.
Leandra Nef
«Michaela sagte mir, sie wäre gerne normal» (Bild Stefan Kaiser)

«Michaela sagte mir, sie wäre gerne normal» (Bild Stefan Kaiser)

Vor Michaela hatte Johanna als Kind oft Angst. Die Cousine zweiten Grades verhielt sich wegen ihrer geistigen Behinderung nicht so, wie man es sich gewohnt ist. Dann aber trafen sich die Familien der beiden im letzten Jahr zu einem gemeinsamen Nachtessen, und Johanna lernte einen neuen Umgang kennen: «Es berührte mich, wie offen und ehrlich Michaela und ihre Familie mit der Behinderung umgehen.»

Besonders fasziniert war die Gymnasiastin von Michaelas Wunsch nach Selbstständigkeit. Welches waren die Bedürfnisse einer geistig behinderten Gleichaltrigen? Mit welchen Ängsten und Schwierigkeiten hatte Michaela zu kämpfen und wie sah ihr Alltag aus? Um das herauszufinden, hat Johanna ihre Verwandte monatelang mit der Kamera begleitet. Entstanden ist der zwanzigminütige Dokumentarfilm «Ich probiers au», der nun sogar als beste Maturaarbeit nominiert ist.

Kleine Schwierigkeiten

Die 17-jährige Kantischülerin Johanna Kannewischer ist praktisch veranlagt. Daher war ihr, obwohl sie mehrmals vor einem so umfangreichen Projekt gewarnt wurde, schnell klar, dass sie einen Film drehen und nicht bloss eine Matura-Arbeit schreiben möchte. Sie begann vor einem Jahr damit, sich mit Filmtechniken auseinanderzusetzen. Die Kamera sollte im Dokumentarfilm «Ich probiers au» die Rolle eines unbeteiligten Beobachters einnehmen. Dies war aber nicht immer möglich, da die Antworten des geistig behinderten Mädchens oft nur im Zusammenhang mit Johannas Fragen einen Sinn ergaben.

Die Entstehung des Films hat Johanna als «sehr schöne Zeit» in Erinnerung. Michaela und die gesamte Familie Weiss sind ihr ans Herz gewachsen. «Einmal sagte mir Michaela, wie gerne sie normal wäre. Das hat mich sehr berührt», so Johanna. Oft befürchtete Johanna, jemanden mit ihren kritischen und sehr privaten Fragen vor den Kopf zu stossen: «Ich wollte Michaela mit meinen Fragen und den Antworten ihrer Eltern und Geschwister nicht verletzen, aber trotzdem einen authentischen Film drehen. Die Familie machte mir nichts vor. Es ist ein sehr ehrlicher Film entstanden.» Tatsächlich waren alle Beteiligten zutiefst gerührt, als sie den Film zum ersten Mal sahen.

Hollywood muss warten

Johanna gelang es aufzuzeigen, dass Behinderte zu mehr im Stande sind, als wir glauben. Sie ist «extrem froh», diesen Film gedreht zu haben. Das Projekt habe sie auch menschlich weitergebracht. Das Filmen wird aber nicht ihr zentrales Hobby werden – da hat sie schon eins: «Ich konzentriere mich nach der Kanti erst einmal auf die Schweizer Meisterschaft im Hürdenlauf», so die erfolgreiche Zuger Hürdenläuferin.

Maturaarbeit: «Ich probiers au» – Dokumentarfilm über die Lehrstellensuche einer jungen Frau mit geistiger Behinderung.

Johanna Kannewischer befasste sich mit der Lehrstellensuche von Michaela Weiss – einer Gleichaltrigen mit geistiger Behinderung.

Fragestellung: Was sind Menschen mit Handicap im Stande zu tun? Gibt es wirklich eine Möglichkeit für Michaela, eine Lehre zu machen? Und wenn ja, wie fühlt sie sich dabei? Was sind ihre Ziele im Leben? Wovon träumt sie?

Resultat: Entstanden ist ein zwanzigminütiger Dokumentarfilm, der aufzeigt, wie ein behindertes Mädchen seine Träume verwirklicht – aber auch von den vielen Hürden, die sich Michaela und ihrer Familie in den Weg stellen.

Übrigens: Michaela Weiss hat einen Ausbildungsplatz gefunden. Sie macht eine Ausbildung zur Praktikerin Industrie, Fachrichtung Montage, bei der Zuwebe.

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