Film-Spektakel in der Natur

Ist Kino unter freiem Himmel ein Genuss oder eher ein Graus?

Andrea Muff und Harry Ziegler
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Redaktorin Andrea Muff

Redaktorin Andrea Muff

Eine kühle Sommerbrise streift über das Gesicht, ein paar Regentropfen fliessen über die Wangen – ein Donnergrollen und am Horizont blitzt es. «Ice Age» flimmert über die Leinwand. Das Adrenalin steigt. Das ist dem Wetter geschuldet, nicht etwa der Filmgeschichte. Obwohl: Wie das Eichhörnchen Scrat immer wieder diese Haselnuss verliert, lässt den Puls auch in die Höhe schiessen. Derweil wird es auf den Zuschauerrängen kälter – einer Eiszeit ähnlich – ein Geraschel zieht durch die Reihen: Die Regenjacken werden hervor gekramt. Plötzlich. Platzregen. Innert Minuten ist jeder pflotschnass – und das Eichhörnchen sucht die Nuss immer noch.

Solche fast schon 4-D-Momente beschert einem nur ein Open-Air-Kino. Filme unter freiem Himmel zu geniessen, ist mehr als nur Kino. Es ist ein Erlebnis. Mit Wolldecke, Regenjacke und Sitzkissen wird es zum Abenteuer. Die bequemen Utensilien muss man allerdings selbst mitbringen. Ein Tipp von mir an Kollege Ziegler für den nächsten Open-Air-Kino-Besuch.

Die neusten Streifen unter einem Dach und ohne frische Luft schauen, das mach ich dann wieder die restlichen elf Monate. Jetzt aber freue ich mich auf das Abenteuer unter freiem Himmel.


Chefredaktor Harry Ziegler

Chefredaktor Harry Ziegler

Grundsätzlich habe ich nichts gegen Veranstaltungen unter freiem Himmel. Solange ich sie nicht besuchen muss. Unter diese Kategorie fallen auch Open-Air-Kinos jeglicher Art. Nicht, weil ich Spektakel in der Natur ablehne, nein gar nicht. Der Grund, weshalb ich mich gegen den Besuch von Open-
Air-Veranstaltungen sperre ist ein einfacher.

Mangelnde Bequemlichkeit. Filme, ob bombastisch oder ruhig, lassen sich meines Erachtens nicht auf Plastikstühlen, sondern nur in flauschig-weichen, tiefen Kinosesseln richtig geniessen. Geschützt durch ein Dach und allenfalls sogar in einem klimatisierten Raum. Und die Absenz lästiger Insekten, die mit ihrem Sirren oder Brummen vom Film ablenken und die allenfalls wegen des kräftigen Wedelns zwecks Vertreibung zu unbeabsichtigten Verletzungen des Sitznachbarn führen können, ist ein weiterer Vorteil des gedeckten Kinosaals. Ganz zu schweigen vom unberechnbaren Wetter.

Nun will ich mich nicht der Kritik aussetzen, eine Spassbremse zu sein. Meine Familie hat mich überzeugt, wieder einmal eine solche Kinovorstellung im Grünen zu besuchen. Meinen sie. Dass ich diesen Besuch wage, ist einzig dem Umstand geschuldet, dass ein Film läuft, den ich im gedeckten Kino verpasst habe.