Finanzen
Baar: Grundstückgewinnsteuern retten die Jahresrechnung

Die Rechnung 2020 der Einwohnergemeinde Baar schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 13,7 Millionen Franken. Dies dank massiv höherer Einnahmen aus Grundstückgewinnsteuern. Die ordentlichen Steuererträge fielen nämlich deutlich tiefer aus als budgetiert.

Rahel Hug
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Die Gemeinde Baar kann ihr finanzielles Polster weiter aufstocken.

Die Gemeinde Baar kann ihr finanzielles Polster weiter aufstocken.

Bild: Stefan Kaiser (19. August 2020)

Das kam unerwartet: Um 20,7 Millionen Franken höher als budgetiert fallen in Baar die Grundstückgewinnsteuererträge für das Jahr 2020 aus. Diesen Erträgen ist es zu verdanken, dass die Gemeinde schwarze Zahlen schreibt. Denn die ordentlichen Steuererträge fielen deutlich tiefer aus als budgetiert. Bei einem Aufwand von 147,6 Millionen und einem Ertrag von 161,3 Millionen Franken resultiert in der Rechnung ein Plus von 13,7 Millionen Franken. Budgetiert war ein Ertragsüberschuss von 1,3 Millionen.

Beim Budgetieren der Grundstückgewinnsteuern können sich die Gemeinden bekanntlich nur auf Annahmen stützen. Den überraschend hohen Ertrag im Jahr 2020 führt der Baarer Finanzvorsteher Pirmin Andermatt unter anderem auf die Landpreissteigerungen in den vergangenen Jahren zurück. Und er präzisiert, dass vor allem der Verkauf eines einzigen Grundstückes den Ausschlag gegeben habe. «Die Grundeigentümer haben sich im vergangenen Jahr entschieden, das Grundstück zu verkaufen», so Andermatt. Einen Namen darf und will er nicht nennen.

Wegzüge, Fusionen, Liquidationen

Pirmin Andermatt

Pirmin Andermatt

Bild: Jakob Ineichen

Die Steuern der natürlichen und der juristischen Personen fielen um je rund 5,1 Millionen Franken tiefer aus als budgetiert. Gegenüber dem Vorjahr verlor die Gemeinde bei den juristischen Personen gar ein Steuersubstrat von zwölf Millionen Franken. «Teilweise zeichnete sich dieser Rückgang wegen Wegzügen, Fusionen und Liquidationen von Firmen frühzeitig ab», heisst es in der Medienmitteilung der Gemeinde Baar.

Da Baar einen vergleichsweise hohen Anteil an juristischen Personen hat (bei den Steuereinnahmen machen sie ungefähr die Hälfte aus), schlagen sich Mindererträge in diesem Bereich stärker in der Rechnung nieder als in anderen Gemeinden, die weniger Firmen beheimaten. «In den vergangenen Jahren konnten wir vom umgekehrten Effekt bei den Unternehmen profitieren. Ich habe immer gesagt, dass das Pendel irgendwann zurückschlagen wird», sagt der CVP-Gemeinderat Andermatt.

Corona wird sich erst später bemerkbar machen

Die Coronakrise hingegen hatte für die Steuererträge 2020 bei den natürlichen Personen einen noch unbedeutenden und bei den juristischen Personen gar keinen Einfluss. Sie wird sich, so führt Pirmin Andermatt aus, erst ab dem laufenden Jahr steuerlich bemerkbar machen. «Wir gehen zwar davon aus, dass sich die Steuereinnahmen in den nächsten Jahren erholen werden», sagt Andermatt.

«Doch wann und in welchem Ausmass dies der Fall sein wird, ist kaum abschätzbar.»

Zum guten Resultat in der Jahresrechnung hat auch der deutlich geringere Aufwand beigetragen. Dieser fiel mit 147,6 Millionen um gut drei Millionen Franken tiefer aus. Hier zeigen sich bereits Auswirkungen der Coronapandemie, denn wegen zahlreicher Absagen und Schliessungen konnten der Betriebsaufwand und der übrige Sachaufwand gesenkt werden. Die Nettoinvestitionen fielen mit knapp 12,9 Millionen Franken gegenüber den budgetierten 14,8 Millionen ebenfalls tiefer aus. Pro Einwohnerin und Einwohner weist die Gemeinde ein Vermögen von 7921 Franken aus.

Freies Eigenkapital von rund 83,6 Millionen Franken

Mit dem nun erzielten Überschuss will der Baarer Gemeinderat sein finanzielles Polster weiter aufstocken. Einerseits sollen vier Millionen für zusätzliche Abschreibungen des Verwaltungsvermögens und neun Millionen Franken für die Vorfinanzierung des Neubaus des Schulhauses Wiesental verwendet werden. Die restlichen Mittel sollen ins freie Eigenkapital (knapp 480'000 Franken) fliessen und für die In- und Auslandhilfe (200'000 Franken) verwendet werden.

Das freie Eigenkapital erreicht damit einen Wert von rund 83,6 Millionen Franken. Nach Einschätzung des Finanzvorstehers ist das eine gute Reserve. Er stellt fest:

«Wir wollen nicht jammern. Wir sind für die Zukunft gewappnet.»

Doch um die grossen Investitionen zu meistern, die in den kommenden Jahren anstehen, werde die Gemeinde nicht darum herumkommen, Fremdkapital aufzunehmen. «Dies jedoch im tragbaren Rahmen», so Andermatt.

Vor allem im Schulbereich wird es in den nächsten Jahren teuer werden. Für die Dreifachturnhalle Sternmatt 2, die Erweiterung und Sanierung der Schule Sternmatt 1 sowie den Neubau der Schule Wiesental und weitere Infrastrukturprojekte rechnet der Gemeinderat mit Ausgaben gegen 200 Millionen Franken. Entsprechend froh ist der Finanzchef über den überraschend höher ausgefallenen Überschuss in der Rechnung 2020. «So können wir für die nächste Generation vorsorgen.»