Finanzen
Baar: Im Budget 2022 resultiert ein Plus von 1,9 Millionen Franken, doch die Gemeinde verliert an Steuerkraft

Wegzüge und Fusionen wirken sich auf die Gemeindefinanzen aus. Zudem stehen rekordhohe Investitionen an. Gemäss den Prognosen wird die Gemeinde ihre liquiden Mittel bis 2026 aufgebraucht haben.

Rahel Hug
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Die Steuereinträge bei den juristischen Personen brechen ein.

Die Steuereinträge bei den juristischen Personen brechen ein.

Bild: Stefan Kaiser (Baar, 19. August 2021)

Heiter mit ein paar Wolken am Horizont: Mit diesen Worten beschreibt die Gemeinde Baar in einer Medienmitteilung ihr Budget für das kommende Jahr. Heiter, weil Finanzvorsteher Pirmin Andermatt einen Ertragsüberschuss von 1,9 Millionen Franken budgetieren kann. Wolkig, weil in den nächsten Jahren rekordhohe Investitionen anstehen, die den Finanzhaushalt belasten werden. Der Voranschlag rechnet mit einem Aufwand von 138,8 Millionen Franken und einem Ertrag von 140,7 Millionen Franken.

Pirmin Andermatt.

Pirmin Andermatt.

Bild: Jakob Ineichen

Grund zur Zuversicht geben die Steuererträge der natürlichen Personen. Pirmin Andermatt sagt: «Wir dürfen feststellen, dass die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler mit hohem Steuersubstrat in Baar von den Covid-19-Auswirkungen nicht betroffen sind.» Die Steuererträge der natürlichen Personen sind im Budget 2022 mit 57,1 Millionen Franken veranschlagt. Das sind 6,7 Millionen mehr als im Vorjahresbudget. Gemäss der aktuellen Prognose sind diese Erträge für das laufende Jahr aber um einiges höher, nämlich rund 69,5 Millionen Franken. Das sei hauptsächlich einem Sondereffekt zu verdanken. Entsprechend wird die Jahresrechnung 2021 voraussichtlich statt mit einem budgetierten Minus von 3 Millionen mit einem Überschuss von 13 Millionen Franken abschliessen.

Erträge werden sich nur zögerlich erholen

Die Steuererträge der juristischen Personen wiederum bewegen sich im Rahmen der Prognosen. Diese sahen bereits letztes Jahr nicht so rosig aus. Infolge von Wegzügen und Fusionen verlor die Gemeinde Baar Steuererträge in der Höhe von weit über 10 Millionen Franken. Für 2022 werden Einnahmen von 34,8 Millionen Franken budgetiert. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 beliefen sich die Steuererträge juristischer Personen noch auf 61,4 Millionen Franken. Und auch in den Folgejahren erholen sich diese Erträge nur zögerlich: Der Finanzplan rechnet ab 2023 zwar mit einem leichten jährlichen Anstieg. Die Zahlen von 2018 und 2019 werden aber für längere Zeit nicht mehr erreicht werden können.

Pirmin Andermatt sagt dazu: «Diese Entwicklung hat sich abgezeichnet. Weil in Baar die Steuereinnahmen der juristischen Personen ungefähr die Hälfte ausmachen, sind wir stärker abhängig von den hier ansässigen Unternehmen als andere Gemeinden.» Die Thematik der globalen Mindeststeuer bereitet Andermatt zurzeit noch wenig Sorgen: «Es gilt abzuwarten und dann die Rahmenbedingungen weiterhin attraktiv zu gestalten.»

Die sinkenden Steuererträge bei den juristischen Personen zeigen, dass die Gemeinde Baar im Vergleich zu anderen Zuger Gemeinden an Steuerkraft verliert. Das wirkt sich auf die Transferzahlungen in den Finanzausgleich aus. 2022 wird Baar 9 Millionen an den Nationalen Finanzausgleich bezahlen, 8,7 Millionen fliessen in den Zuger Ausgleichstopf.

Informatik wird reorganisiert

Im kommenden Jahr sind Mehrausgaben von 0,7 Millionen Franken für das Personal vorgesehen. Hier wirkt sich insbesondere das Wachstum bei den Schülerzahlen aus. Während die Schule wächst, sinkt die Stellenzahl in der Verwaltung. Dies ist in einer Neuorganisation der Informatik begründet. Die Gemeinde Baar bezieht ihre IT-Dienstleistungen künftig von der Stadt Zug.

Aufgrund der sich schnell verändernden IT-Anforderungen und der immer komplexer werdenden Aufgaben habe sich der Gemeinderat gegen einen Alleingang entschieden, heisst es in der Mitteilung. Die IT-Migration schlägt sich dafür im Sachaufwand nieder. Für 2022 werden 1,1 Millionen Franken zusätzlich budgetiert. «Bereits ab dem zweiten Betriebsjahr spart die Gemeinde Kosten ein», erklärt Andermatt.

Am Steuerfuss soll nicht geschraubt werden

Der Gemeinderat beantragt, den Steuerfuss bei 53 Prozent zu belassen. «Eine Steuerfusssenkung wäre angesichts der anstehenden hohen Investitionen ein falsches Signal», betont Pirmin Andermatt. Bereits bewilligt sind Ausgaben in der Höhe von rund 70 Millionen Franken für drei Bauvorhaben: ein Gebäude für die Schulergänzende Betreuung Sennweid, der Neubau der Dreifachturnhalle Sternmatt 2 sowie die Erweiterung und Sanierung der Schule Sternmatt 1. Am 28. November kommt zudem ein Kredit in der Höhe von 94,32 Millionen für den Neubau der Schule Wiesental an die Urne.

Gemäss Finanzplan stehen in den nächsten 10 bis 15 Jahren Investitionen von insgesamt 500 Millionen Franken an. Bei einem konstanten Steuerfuss von 53 Prozent wird die Gemeinde ihre liquiden Mittel bis im Jahr 2026 aufgebraucht haben und Fremdkapital aufnehmen müssen. «Noch nie standen so viele Infrastrukturprojekte auf dem Programm», sagt Andermatt. Er sei froh, dass Grossprojekte wie das Schulhaus Wiesental nun «endlich vorankommen». Ab 2030 rechne man mit einer gewissen Beruhigung bei den Infrastrukturausgaben. Dass die Gemeinde voraussichtlich in fünf Jahren Fremdkapital aufnehmen muss, bereitet dem Finanzchef keine Kopfschmerzen. «Das ist nichts Aussergewöhnliches.» Dennoch: Für Baar, das lange Zeit finanziell auf sehr fitten Beinen stand, wäre das eine eher ungewohnte Situation: Der letzte Kredit wurde 2015 zurückbezahlt.

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