Finanzhilfen

Ein Zuger Unternehmensberater ist überzeugt: Hilfskredite sind nicht die einzige Lösung

Mathias Dick erarbeitet mit seiner Zuger Firma Lösungsansätze für Unternehmen in der Coronakrise.

Tijana Nikolic
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Mit seinem in Zug stationierten Unternehmen todai Gmbh, das er 2015 gründete, wirkt Mathias Dick als Businesslotse und navigiert KMU, Organisationen und Persönlichkeiten. Seine Überzeugung ist, dass es nebst den Hilfskrediten auch noch andere Lösungen aus der Krise gibt, wenn man nur offen für Innovation ist. «Die erste Tranche an Krediten ist bei weitem nicht aufgebraucht worden. Nur eine Minderheit der Firmen in der Schweiz haben einen Kredit beantragt. Einige Firmen haben den erhaltenen Kredit bis heute gar nicht genutzt», sagt er. Es scheine für ihn nicht an den fehlenden Finanzen zu liegen, dass die Wirtschaft in einer Krise stecke. Ebenfalls könnten sich die Firmen immer noch auf Kurzarbeit stützen.

«Kredite helfen, wenn überhaupt, nur durch die Krisenzeit per se. Wenn diese Krise überstanden ist, geht die Wirtschaft nicht einfach zurück in den Normalmodus», so der promovierte Biochemiker weiter. Vieles werde sich verändern: Der sogenannte Normalbetrieb nach der Krise werde mit demjenigen vor der Krise nur wenig zu tun haben. All die Unternehmen, die auf die Normalität nach der Krise warten würden, würden feststellen, dass sie wertvolle Zeit verschenkt hätten. «Viele Firmen sind nicht mehr da, haben sich neu ausgerichtet, brauchen Zeit, bis sie wieder in die Gänge kommen oder können nicht mehr liefern oder abnehmen. Deshalb muss die Zukunft neu gedacht werden und zwar jetzt», ruft Dick auf. Nur so seien die Unternehmen nach der Krise mit ihren Partnern bereit für die neue Zukunft.

«Finanzhilfen funktionieren nur in kurzen Krisen»

Die meisten Unternehmen in der Schweiz sind in eine Wertschöpfungskette von Lieferanten, Kunden und beeinflussenden Drittpartnern eingebunden. «In einer Krise ziehen sich die Firmen reflexartig zurück und sichern das eigene Überleben. Dies vor allem durch Finanzhilfen», erklärt Dick. Das funktioniere für relativ kurze Krisen. Dauern diese jedoch länger, seien Finanzmittel allein nicht ausreichend. Das betroffene Unternehmen müsse sich bewegen:

«Es muss mit der neuen, mit der aktuellen Situation fertig werden und sich anhand der neuen Gegebenheiten ausrichten. Das Unternehmen braucht Perspektiven.»

Jedoch nütze es nichts, wenn man sich als Firma allein neu ausrichte. Man muss die Fühler zu seinen Lieferanten und Kunden ausstrecken. Es geht dabei darum, die Befindlichkeit und Bedürfnisse der Partner entlang der Wertschöpfungskette zu ergründen. «Als ‹Schicksalsgemeinschaft› kann man so gemeinsam Lösungen erarbeiten und sich als starker Partner in der Wertschöpfungskette positionieren», erläutert Dick weiter seinen Standpunkt.

Sein Unternehmen hätte mehreren Firmen geholfen, mit den Unternehmen in ihrer spezifischen Wertschöpfungskette Kontakt aufzunehmen. Es ginge hauptsächlich darum, die richtigen Fragen zu stellen, die Antworten zielführend zu interpretieren und daraus mit den Partnerfirmen gemeinsame Ziele zu definieren.

«Als Experten für Strategie mit einer Kompetenz für Innovation sind wir in der Lage, mit den Firmen einen agilen Prozess zu durchlaufen. Indem alle beteiligten Firmen sich offen über Probleme und Bedürfnisse äussern und quasi einen Schritt zurück machen, werden die Zusammenhänge klarer», weiss Dick. Die Bereitschaft Dinge, Abläufe, Zusammenhänge neu zu denken, ermögliche so weiterführende Lösungen in nützlicher Zeit. Die damit verbundene Positionierung als zuverlässiger, vorausschauender Partner in der eigenen Wertschöpfungskette sei «unbezahlbar».

Als KMU die Chance des plötzlichen Stillstands nutzen

Dieses Jahr hätte todai Gmbh zwischen August und Oktober eine Umfrage bei KMU durchgeführt. Das Ziel war, herauszufinden, wie die Firmen strategisch mit der Krise umgehen. «Eine Erkenntnis ist, dass viele Firmen zwar über eine Strategie verfügen, diese jedoch auch in Krisenzeiten nicht verfolgen, obwohl sie Lösungen beinhalten würde», führt Dick aus. Eine andere Erkenntnis sei die Tatsache, dass für die meisten Firmen eine Strategie einen statischen Plan darstelle. Demnach werde die Anpassung der Strategie nur sehr zögerlich an die Hand genommen. «Die meisten Firmen beschäftigen sich hauptsächlich mit der Bewältigung des Tagesgeschäfts und lassen strategische Überlegungen links liegen.»

Sei der wirtschaftliche und innovative Druck bei Schweizer KMU nicht gross genug, so werde keine übergreifende Dynamik ausgelöst. Generell orientiert sich das Schweizer Unternehmen an der Konkurrenz. «Oft sind die Unternehmer schon zufrieden, wenn sie mit den Mitbewerbern mithalten können», weiss Dick. Eine agile Strategie jedoch würde ermöglichen, sich von der Konkurrenz zu lösen und sein Unternehmen für die Zukunft nachhaltig fit zu machen.

Zur Person

Mathias Dick - Businesslotse für KMU und Stratege
Bild:PD

Mathias Dick - Businesslotse für KMU und Stratege

Dr. Mathias Dick ist Businesslotse für KMU, ausgewiesener Stratege, Innovation Practitioner, Coach & Mentor in seiner 2015 gegründeten Firma todai Gmbh, mit Sitz in Zug. Das vielseitige Team berät und betreut Kunden aus den Branchen des Industrie- und Dienstleistungssektors. Der promovierte Biochemiker hat über 17 Jahre Erfahrung in Führungs- und frontorientierten Funktionen. Das Umfeld der Pharmaindustrie hat ihn geprägt. Seit 2007 ist er aktives Mitglied im Militärstrategischen Stab des Chefs der Armee (CdA), dem Think Tank der Armee. In dieser Funktion erarbeitet er mehrmals jährlich diverse strategische Themen und Fragestellungen für den CdA zuhanden des Bundesrats.