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Zug: Finma greift bei mutmasslicher Betrügerfirma ein

Die Piccor AG soll Teil eines Anlegerbetrugs im grossen Stil gewesen sein. Nun hat die Finanzmarktaufsicht eine Untersuchungsbeauftragte als Verwaltungsrätin eingesetzt. Es geht um den Schutz der Anlegergelder.
Christopher Gilb

Die Finanzmarktaufsicht (Finma) hat die Kontrolle über die Baarer Piccor AG übernommen und eine Rechtsanwältin als Untersuchungsbeauftragte eingesetzt. Habe die Finma Anhaltspunkte für die Vorwürfe gegen die Piccor AG, komme dieser Schritt wenig überraschend, sagt Bankenrechtsexperte André Terlinden, Autor der Dissertation «Der Untersuchungsbeauftragte der Finma als Instrument des Finanzmarktenforcements» dazu. «Diese Massnahme dient vor allem dem Gläubigerschutz.»

Happige Vorwürfe

Und die Vorwürfe, die gegen die Piccor im Raum stehen, sind happig. Es begann im Februar 2018, da durchsuchten die Zuger Strafverfolgungsbehörden im Rahmen der Rechtshilfe die Geschäftsräume eines Baarer Treuhänders. Er fungierte als einziger Verwaltungsrat der Piccor AG, die Teil eines Schneeballsystems gewesen sein soll, über welches Gelder in Höhe von über 80 Millionen Euro veruntreut worden sein sollen. Geschädigt sind 2300 hauptsächlich deutsche Anleger, die immer noch im Rahmen diverser Verfahren um ihr Geld kämpfen.

Ihnen gegenüber wurde behauptet, die Gelder zu investieren und Renditen im zweistelligen Bereich zu erwirtschaften. Die Piccor soll als Abrechnungsstelle des deutschen Investmentverbunds fungiert haben. Nachdem der Treuhänder anfänglich alle Schuld von sich gewiesen und sich und seine Partner in Schutz genommen hatte, sagte er dann im Spätjahr, dass er Grund zur Annahme habe, dass Unrechtmässiges mit der Firma betrieben worden sei. Sein Vertrauen in die Eigentümerschaft habe gelitten. Ins Visier der Ermittler geriet zunehmend der Vertriebschef des Systems, ein Berliner.

Positiv für die Gläubiger

Auslöser für die Massnahme der Finma sei nun der begründete Verdacht auf Verletzung des Aufsichtsrechts, so Rechtsanwalt André Terlinden. «Da wohl Kundengelder entgegengenommen wurden, ohne dass eine Banklizenz vorlag.» Für die «geprellten» Anleger sei dieser Schritt grundsätzlich positiv. «Da Sicherungsmassnahmen ergriffen wurden und eine mögliche weitere Zweckentfremdung ihrer Geldern verhindert wurde.» Grundsätzlich habe die Untersuchungsbeauftragte die Aufgabe, den Sachverhalt aufzuklären. Dabei habe sie Kompetenzen wie ein Verwaltungsrat und könne über die Bankkonten der Piccor AG verfügen und Zahlungen machen.

Falls sich der Verdacht bewahrheite, dass eine illegale Tätigkeit vorliege, werde die Finma die Liquidation veranlassen, oder falls die Firma überschuldet sei, den Konkurs. «In einem solchen Fall fungiert die Finma als Konkursbehörde», so Terlinden. Gelder würden dann in die Schweiz zurückgeholt. Bekanntlich hat die Piccor AG ein Konto bei der Berliner Volksbank. Bei, dem die deutschen Behörden schon Sicherstellungen vorgenommen haben. Möglich würden solche Repatriierungen aber nur, so Terlinden, falls die Konten nicht gesperrt seien. «Gelder werden von der Finma dann grundsätzlich gleichberechtigt auf die Gläubiger aufgeteilt.»

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