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FIRMEN-RATING: «Zug hat viele gute Arbeitgeber»

Was macht einen guten Arbeitgeber aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Institut Great Place to Work. Mitinhaber Patrick Mollet erklärt, worauf Firmen achten sollten und welche Fehler Stellensuchende oft machen.
Livio Brandenberg
Setzt sich mit der Zufriedenheit von Angestellten auseinander: der Zuger Unternehmer Patrick Mollet. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 20. Januar 2017))

Setzt sich mit der Zufriedenheit von Angestellten auseinander: der Zuger Unternehmer Patrick Mollet. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 20. Januar 2017))

Interview: Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Patrick Mollet, gehen Sie gerne arbeiten?

Ja! Ich muss dazu sagen, dass meine Situation wohl ein wenig speziell ist, ich bin seit dem Studium selbstständiger Unternehmer. Es wäre also gar nicht gut, wenn ich unzufrieden wäre.

Sie sind Mitinhaber einer Firma, die andere Unternehmen beurteilt. Ketzerisch gefragt: Wie gut können Sie als Selbstständiger die Firmen denn überhaupt einschätzen?

Ich beurteile die Firmen ja nicht alleine. Die Firma Great Place to Work, die ich in der Schweiz mit aufgebaut habe, besteht aus einem speziell ausgebildeten Team. Dieses arbeitet mit einer eigenen, standardisierten Methodik – vor allem Mitarbeiterbefragungen –, damit möglichst unabhängig und fair beurteilt werden kann, ob ein Unternehmen ein guter Arbeitgeber ist. Die Rückmeldung der Mitarbeitenden ist hier entscheidend. Das macht man nicht einfach nach Bauchgefühl.

Was macht denn einen guten Arbeitgeber aus?

Es sind hauptsächlich drei Punkte. Der wichtigste ist das Vertrauen der Angestellten ins Management. Das Management muss glaubwürdig sein, aber auch fair und respektvoll gegenüber den Arbeitnehmenden. Konkret heisst das: offen kommunizieren, nach innen wie nach aussen, die Mitarbeiter fördern, sie ernst nehmen und angemessen vergüten. Der zweite Punkt ist der Teamgeist, also der Umgang mit den Arbeitskollegen. Eine gute Atmosphäre ist wichtig. Das Gefühl, am gleichen Strang zu ziehen ist zentral. Und der dritte Punkt: Die Angestellten müssen einen Sinn sehen in dem was sie, ihr Team und das Unternehmen machen. Dies weckt einen Stolz auf die eigene Arbeit.

Sind dies also auch die wichtigsten Kriterien für Angestellte beziehungsweise für Stellensuchende? Ist nicht der Lohn das Hauptkriterium?

In der Schweiz sieht man, dass der Lohn bei den Kriterien nicht mehr an oberster Stelle steht. Der Lohn ist eine Art Hygienefaktor: Er muss sicher stimmen und darf nicht unter einen gewissen Grad fallen. Aber er ist nicht mehr der Faktor, der alleine einen Mitarbeiter motiviert. Mindestens gleich wichtig sind die Arbeitsatmosphäre wie auch die Bedingungen, die ein Unternehmen sonst bietet: Kann ich zeitlich und örtlich flexibel arbeiten? Habe ich ein kreatives Umfeld und Entwicklungsmöglichkeiten? Heute bewerben sich die Leute nicht mehr mit einem Horizont von zehn, zwanzig Jahren, sondern noch mit einem von vier Jahren. Nach dieser Zeit will man etwas Frisches machen oder weitergekommen sein.

Wie wichtig ist es denn für eine Firma, als guter Arbeitgeber zu gelten?

Es ist definitiv wichtiger geworden. Wir sehen einen sogenannten «war for talent», die Firmen wollen die besten Leute für sich gewinnen. Man hat erkannt, dass die Mitarbeitenden der entscheidende Erfolgsfaktor für das Unternehmen sind. Und da wir in der Schweiz heute einen Arbeitnehmermarkt haben, wo die Arbeitnehmer vergleichen können und oft mehrere Optionen haben, müssen sich die Unternehmen mehr anstrengen. Zusätzlich ist eine Auszeichnung auch für die Bewerber ein wichtiger Anhaltspunkt. Sonst habe ich als Suchender ja keinen Einblick in die Firma, ich sehe nur das Inserat und die Website.

Wie reagieren die Firmen auf die Rankings?

Wir machen die Erhebungen ja mit den Unternehmen zusammen. Diese kommen oft auf uns zu, und wir erhalten den Auftrag und das Okay, ihre Mitarbeiter zu befragen. Nur die guten Unternehmen mit überwiegend positiven Rückmeldungen erhalten eine Auszeichnung. Diejenigen, die ausgezeichnet werden, freuen sich jeweils und zeigen dies auch nach aussen. Eine Auszeichnung wirkt sich aber auch nach innen positiv aus: die Mitarbeiter sehen, dass sie für einen guten Arbeitgeber arbeiten.

Was passiert mit denen, die nicht ausgezeichnet werden?

Diese Firmen erhalten trotzdem eine Auswertung, damit sie sehen, in welchen Bereichen Nachholbedarf besteht. Daraus können sie dann Massnahmen ableiten, beispielsweise interne Workshops veranstalten. Wir versuchen, auch bei solchen Prozessen zu helfen und bieten etwa Beratungen an. Wir sehen viele Firmen, so können wir vergleichen mit anderen Firmen in der gleichen Branche. Zum Beispiel: Wie kommuniziert die Firma XY? Es geht immer darum, die Arbeitgeber besser zu machen.

Gehen Sie auch aktiv auf Firmen zu?

Ja, das tun wir auch. Viele kommen jedoch von sich aus, etwa, weil sie uns von ihrer Konkurrenz her kennen und sich vergleichen oder wissen wollen, wo bei den Arbeitnehmern der Schuh drückt.

Wie attraktiv ist der Standort Zug für Arbeitnehmer?

Zug ist ein sehr guter Standort. Dafür, wie klein Zug ist, gibt es hier überdurchschnittlich viele gute Arbeitgeber.

Warum ist das so?

Der erwähnte Kampf um Talente ist hier gross. Die Unternehmen versuchen also, sich gegenseitig zu überbieten. Beispiele dafür sind Firmen in der Pharmabranche, Medizinaltechnik oder die Finanzdienstleister. Sie alle zahlen gute Löhne, aber strengen sich auch wirklich an, für ihre Angestellten ein guter Arbeitgeber zu sein. Bei Tesaro schätzen die Mitarbeiter zum Beispiel die intensiven Bemühungen, wie neue Mitarbeiter ins Team eingearbeitet werden, und bei AbbVie wurden die Investitionen in die persönliche Weiterentwicklung positiv hervorgehoben. Und auch ein Verein wie GGZ@Work schafft es, ohne üppige Gehaltsmodelle eine motivierende Arbeitskultur zu gestalten.

Wie soll ein Stellensuchender am besten vorgehen? Welche Quellen sollte er nutzen?

Er sollte sich nicht nur Stellenbörsen anschauen, sondern möglichst sein persönliches Netzwerk nutzen, rumfragen, versuchen, an Leute zu kommen, die bei einer Firma arbeiten und die eine ehrliche Meinung äussern. Man sollte auch nachfragen, was nicht optimal läuft.

Welche Fehler machen Stellensuchende am meisten?

Ich würde es nicht gerade einen Fehler nennen, doch sie sollten sich nicht nur auf ausgeschriebene Stellen auf den grossen Portalen bewerben, sondern sich überlegen, «Für welches Unternehmen will ich arbeiten?» Ich muss als Stellensuchender also aktiver sein, um an meinen Traumjob zu gelangen. Konkret heisst das: Vor allem auch Firmenwebsites durchsuchen, im persönlichen Umfeld rumfragen, ob es offene Stellen gibt. Das persönliche Netzwerk wird heute immer noch zu wenig genutzt. Bei der Jobsuche ist es eigentlich dasselbe, wie wenn ich ein Hotel oder ein Restaurant suche: dann frage ich oft auch zuerst mal im Kollegenkreis nach einem Tipp.

Hinweis

Patrick Mollet (39) ist Mitinhaber von ­Great Place to Work, Präsident der FDP Stadt Zug und Unternehmer. Letztes Jahr wurde sein Recruiting-Start-up BuddyBroker vom Business-Netzwerk Xing gekauft, für welches er seither tätig ist.

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