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FISCHBRUT: Gott spielen für die Fischer

In der Anlage in Walchwil gedeihen die Jungfische. Ein Besuch bei den Geburts- und Überlebenshelfern.
Raphael Biermayr
Der Chefbrüter Felix Ammann (rechts) und der Zivildienstler Elias Häller schauen nach den jungen Hechten. (Bild Maria Schmid)

Der Chefbrüter Felix Ammann (rechts) und der Zivildienstler Elias Häller schauen nach den jungen Hechten. (Bild Maria Schmid)

Raphael Biermayr

Als Felix Ammann (58) im Jahr 1982 vom Kanton Zug angestellt wurde, stand in seinem Vertrag noch «Arbeitszeit ohne Limit». Das gilt für ihn und seine Kollegen vom Amt für Wald und Wild zeitweise auch in der Gegenwart. Von November bis Mai herrscht in der Fischbrutanstalt der Siebentagebetrieb. Das Aufwachsen von Fischen richtet sich schliesslich nicht nach Wochentagen. Wenngleich: Durch das Herunterkühlen eines Beckens kann man ein wenig Gott spielen, denn so verzögert man gemäss Ammann die Entwicklung der Jungfische.

Fische sind wählerische Esser

Die Fischbrutanlage in Walchwil ist also der Zweitwohnsitz des Baarers. Es gibt schlimmer gelegene. An den typischen Geruch im unteren Stock, wo die Fischbecken sind, gewöhnt man sich schnell, oben befinden sich das Büro und der Technikraum. Und vor dem Haus liegt das Boot bereit, mit dem Ammann und der Zivildienstler Elias Häller (19) an diesem Morgen zum Planktonfischen herausfahren. Die Schaltung ist kaputt, doch Ammann schafft es irgendwie, einen Gang einzulegen. Das Boot tuckert, er blickt unter der Mütze auf die engmaschigen Netze, die sich scheinbar mit Dreck füllen. Es handelt sich um Abermillionen von Kleinstlebewesen. Plankton ist das Hauptnahrungsmittel aller Fische – doch Plankton ist nicht gleich Plankton. Unter dem Binokular wird klar: Es gibt zahlreiche Arten. «Nicht alle Fische essen das gleiche Plankton, sie sind wählerisch», erklärt Ammann. Darüber hinaus frässen Hechte und Felchen nur lebendes Plankton: Sie reagieren auf den Bewegungsimpuls.

Felix Ammann fährt zum Planktonfischen. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Felix Ammann wirft einen prüfenden Blick auf die Planktonnetze. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Der Fachmann sieht alles. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Der Zivildienstler Elias Häller reinigt ein Planktonnetz. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Die Planktonnetze werden geleert. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Das Plankton unter dem Binokular. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Was Sie hier sehen ist kein Dreck, sondern Abermillionen von Plankton. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Es gibt zahlreiche verschiedene Planktonarten. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Felix Ammann im Technikraum der Fischbrutanlage. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
In der Fischbrutanlage in Walchwil hat es überall Netze und Gefässe. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Der bekannte Zuger Rötel im Jungstadium. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Felix Ammann füttert die jungen Hechte mit Plankton. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Junge Hechte. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Die jungen Rötel werden mit gefrorenem Plankton gefüttert. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Die Fische sammeln sich um das Futter. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Die Becken mit den Jungfischen werden mit Federn gereinigt. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
16 Bilder

Ein Blick in die Fischbrutanlage in Walchwil

Wider die Natur beim Rötel

Der grosse Stolz in der Fischbrutanlage ist der Zuger Rötel. Die lokale Besonderheit dieses Saiblings, der auch in anderen Seen vorkommt, seien seine intensive rötliche Färbung und der Geschmack, weiss Ammann, der auch Fischereiaufseher und Wildhüter ist. Die Natur hätte für den Rötel allerdings bereits das Ende vorhergesehen: Er würde im Zugersee aussterben, würde er nicht von Menschenhand aufgezogen. Gleiches gelte für die Felche, sagt Ammann. Der Grund dafür liegt auf dem Seegrund: Die Phosphatbelastung im Sediment infolge früherer Abwässer aus Haushalten und Landwirtschaft lässt die Fischeier absterben. Im Gegenzug sorgt das für eine hohe Planktondichte. Der Ägerisee sei sauberer, aber entsprechend weniger nährstoffhaltig, sagt er.

Der Zivildienstler braucht Geduld

Man merkt, dass er all das schon oft erzählt hat. Dennoch liegt Leidenschaft in seinen Worten und seinem Gebaren. Er redet ohne Punkt und Komma, hält an einem Becken an, um bereits zum nächsten aufzubrechen. Der Zivildienstler Häller, ein Landwirt, hat sich an die Zackigkeit gewöhnt und strahlt als Gegenpol Geduld aus. Diese Tugend ist vonnöten, muss der – jährlich wechselnde – Zivildienstler doch unter anderem die faulen Eier aus den Massen an Laich entfernen, die die gesunden Eier gefährden. So hat Häller in dieser Zuchtsaison 250 000 Eier ausgesondert – mittels einer Pipette.

Die erste Fischbrutanstalt wurde 1883 in der heutigen Seeliken in Zug in Betrieb genommen. Zwei Jahre später wurde sie in die nahgelegene Unteraltstadt verlegt, wo sich gegenwärtig die Schaubrüterei im Fischereimuseum befindet. Damals wurden total 2 Millionen Eier ausgebrütet. Heute sind es in der 1999 neueröffneten Anlage in Walchwil rund 11 Millionen. Die meisten Jungfische sind für den Zugersee sowie den Ägerisee vorgesehen. Darüber hinaus unterstützt die Anlage in Walchwil gemäss einem Konkordatsvertrag auch die Fischer im Vierwaldstädtersee mit der Aufzucht von Felchen. «Unsere Arbeit kommt vor allem den Berufs- und Hobbyfischern zugute, ist aber auch für den Arterhalt», erklärt Ammann.

Wie lang gönnt sich Zug das noch?

Das kann man als Luxus betrachten. Und die Anlage ist auch ein hochwertiges Objekt. Felix Ammann steht im erstaunlich geräumigen Technikraum. Er klopft mit einem Finger gegen ein Rohr und stellt fest: «Das Haus hier wurde zu einer Zeit gebaut, als man noch mehr Möglichkeiten hatte und auf Qualität setzen konnte.» Das wäre heute kaum mehr denkbar.

Hat der Chefbrüter in diesen angespannten Finanzzeiten keine Bedenken, dass die Anlage und damit seine Tätigkeit dereinst weggespart werden? Ammann wirkt für einmal entspannt und lächelt. Er erwähnt die sentimentale Bedeutung der Fischerei für den Kanton. Nicht zuletzt soll das Wort «Zug» ja von «Fischzug» stammen.

Fischbrutanlage: Mehr Impressionen finden Sie unter www.zugerzeitung/bilder

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