Serie

Schönste Spaziergänge im Kanton Zug:
Flirt zwischen Zug und dem Freiamt

Der Lieblingsspazierweg der Autorin ist gleichzeitig ihr Arbeitsweg. Er führt hügelauf, hügelab und verbindet die Reuss mit dem Zugersee.

Cornelia Bisch
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Taucht man aus dem Wald Totenhalden auf, so zeigt sich das eindrückliche Bild des Weilers St. Wolfgang.

Taucht man aus dem Wald Totenhalden auf, so zeigt sich das eindrückliche Bild des Weilers St. Wolfgang.

Bild: Stefan Kaiser (16. Juli 2020)

Auf der Suche nach Abwechslung zur täglichen Veloroute von meiner Heimatgemeinde Sins über Lindencham und Cham zur Redaktion im Herzen der Stadt Zug habe ich einen wunderschönen Wanderweg entdeckt, der zu jeder Jahreszeit neue Reize bietet. Inzwischen ist mir die Strecke, die sich auch gut fürs Lauftraining eignet, lieb und vertraut geworden.

Wenn der Tag gerade mal eben erwacht, schnüre ich meine Schuhe und zottle los. Den Sinser Bahnhof lasse ich hinter mir, überquere auf der Zollbrücke die Reuss und damit die natürliche Grenze zwischen den Kantonen Aargau und Zug. Das Restaurant Zollhaus, in dem man gutbürgerlich und währschaft speist, liegt noch in tiefem Schlummer.

St. Wolfgang, das erste Gipfelziel

Ich überquere die Sinserstrasse und biege auf die Drälikerstrasse ein. Hier muss ich ein kurzes Stück des Wegs mit den Velofahrern teilen, und es braust der motorisierte Verkehr an mir vorbei. Doch schon bei der nächsten Rechtskurve zweige ich links in den Naturweg ab, der dem Waldstück Ischlag folgt. Nun habe ich den Weiler St. Wolfgang mit seiner spätgotischen Kirche auf der Spitze des Hügels im Blick.

Je nach Wetterlage wird die Gebäudegruppe von der aufgehenden Sonne vergoldet, vom Schnee gepudert, von mystischem Nebel umrahmt, oder es guckt bloss die Turmspitze keck aus Letzterem hervor.

Der Weg taucht ganz in den Wald ein und eröffnet dem Wanderer kurze Zeit später eine spektakuläre Fernsicht Richtung Süden über die Reusseben zur Rigi hin. Den attraktiven Vordergrund bieten die stattlichen Gebäude des Riedhofs. Den steilen Hügelanstieg lege ich im Schatten des Waldes Totenhalden zurück. In der Unberührtheit des frühen Morgens ist der Duft betörend.

Mein Blick bleibt am Haus einer Weinbergschnecke hängen. Ein schönes Mitbringsel für meinen kleinen, entdeckungsfreudigen Freund Carlo, denke ich bei mir und bücke mich danach. Der ursprüngliche Besitzer ist ausgezogen, die Zwischennutzer lassen sich leicht aus dem zierlich gewundene Gebäude schütteln. Auf dem Hügel angelangt, taucht die Kirche St. Wolfgang noch einmal vor mir auf, näher diesmal, von Wiese und Himmel umgeben, der Bildausschnitt flankiert von den letzten Waldbäumen.

Eine Belohnung für den Magen gefällig?

Ich befinde mich nun bereits auf dem Grundstück des Restaurants Wart, dessen Betreiber die Spaziergänger freundlicherweise passieren lassen. Der eine oder andere wird sich wohl an einem der hübschen Gartentische oder drinnen in der schmucken Stube niederlassen, um seinen Durst zu löschen, sich ein Dessert zu gönnen oder sich gar vom Gault-Millau-gekrönten Koch Sebastian Rabe mit einer besonderen Spezialität verwöhnen zu lassen.

Am Schützenhaus Wart vorbei ein kurzes Stück die Wartstrasse entlang, biege ich bei deren erster scharfer Rechtskurve links wiederum in einen Waldweg ein, passiere eine freundliche kleine Schrebergartenanlage und das Biomasse-Heizkraftwerk Bieag. Überraschend selten weist dieses mit entsprechender Duftnote auf seine Tätigkeit hin. Hingegen lässt die Geräuschkulisse keinen Zweifel an der Verkehrsdichte auf der nahen Autobahn, unter welcher der Weg hindurchführt.

Noch einmal gehts kurz aufwärts, bevor sich mir die Gemeinde Cham mit dem markanten Kirchturm der barocken Pfarrkirche St. Jakob buchstäblich zu Füssen legt.

Flotten Schritts marschiere ich den Hügel hinab und kaufe in einem der stilvoll dekorierten Hofläden am Weg etwas Hausgemachtes aus Eigenanbau fürs Mittagessen ein. Beim Bahnhof Cham horche ich in mich hinein und konsultiere die Bahnhofsuhr. «Habe ich noch Kraft und Zeit für die Fortsetzung?» Wenn nicht, besteige ich die S-Bahn. Geben Zifferblatt und Beine jedoch ihr Ok, nehme ich den zweiten Teil des Wegs unter die Füsse an der Villette vorbei, dem Seeweg entlang nach Zug.

Nach der Einsamkeit ist Gesellschaft willkommen

Dabei gerate ich ins Revier von Kollegin Varisco, deren liebste Spazierstrecke bekanntlich rund um den Zugersee führt. Mittlerweile ist der Tag erwacht, und es herrscht geschäftiges Treiben auf sämtlichen Verkehrswegen. Die Gesellschaft von Velofahrern, Joggern und Hundehaltern stört mich nicht. Die nötige Portion Einsamkeit durfte ich bereits geniessen. Sie hilft mir, mit den Strapazen des Tages zurechtzukommen und sämtliche Buchstaben ordentlich zu sortieren. Abends lasse ich mich dann bequem von der Bahn nach Hause chauffieren.

In dieser Serie stellen unsere Autoren ihren Lieblingsweg im Kanton Zug vor.

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