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FLÜCHTLINGE: Entsteht in Baar eine Containersiedlung?

Die Gerüchteküche brodelt: Bei der Obermühle soll ein Asylzentrum ­gebaut werden. Licht ins ­Dunkel könnte die Besitzer­familie bringen. Doch diese schweigt – wie andere auch.
Silvan Meier
Die temporäre Wohnsiedlung im Zürcher Leutschenbach – geplant NRS-Team.

Die temporäre Wohnsiedlung im Zürcher Leutschenbach – geplant NRS-Team.

Seit über zwei Wochen ist es in Baar das Gesprächsthema Nummer eins: Eine Bauanfrage an den Gemeinderat für eine Asylunterkunft auf einer Privatliegenschaft (wir berichteten). Eigentlich sind solche Bauanfragen – im Gegensatz zu Baugesuchen, die auf der Verwaltung aufgelegt und publiziert werden – nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Die Baarer SVP hat trotzdem von der Anfrage Kenntnis und weiss auch, wo besagtes Asylzentrum zu stehen kommen könnte. Auf der Wiese bei der Obermühle nämlich, wie unter anderem bereits in Leserbriefen zu erfahren war. SVP-Kantonalpräsident Thomas Aeschi, der mit einem Leserbrief und der von seiner Partei eingereichten Interpellation an den Baarer Gemeinderat den Stein ins Rollen gebracht hat, will sich dazu allerdings nicht äussern. Der Grund: Der Baarer Gemeinderat hat eine Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht und will auf diese Weise das vermutete Datenleck offenlegen (siehe Box). Aeschi geht davon aus, dass er in der Sache von der Zuger Polizei als Zeuge oder Auskunftsperson befragt werden wird. «Deshalb sage ich dazu derzeit nichts. Ich hoffe aber, dass der Gemeinderat an der Gemeindeversammlung vom 16. September als Antwort auf die Interpellation der SVP endlich die Bevölkerung über dieses Vorhaben informieren wird.»

Unterkünfte auf Zeit

Mitteilsamer ist Aeschis Vorstandskollege und SVP-Kantonsrat Beni Riedi. Er bestätigt, dass die Bauanfrage tatsächlich von der Hotz Obermühle AG stammt. Sie ist Besitzerin der rund 36 000 Quadratmeter grossen Wiese hin zur Langgasse. Im Verwaltungsrat sitzen mehrere Geschwister der Familie Hotz, die früher die Obermühle betrieben hat und der auch die ehemalige Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz angehört. Im Februar haben zwei der Geschwister, Verwaltungsratsmitglied Roman Hotz und dessen Schwester, die Architektin Rosmarie Müller-Hotz, einen Quartiergestaltungsplan für besagte Wiese vorgestellt. Rund 250 Wohnungen und 8000 Quadratmeter Gewerbefläche sollen dort entstehen. Allerdings, so sagte Roman Hotz damals, bestünden derzeit keine Bauabsichten. Nun sucht die Familie offenbar nach einer Zwischennutzung. Und hier kommt Rosmarie Müller-Hotz wieder ins Spiel. Denn ihr Architekturbüro NRS-Team ist spezialisiert auf temporäre, modulare Bauten und hat schon mehrere Asylunterkünfte erstellt – fast ausschliesslich als Zwischenlösungen auf Zeit. Wer einen Eindruck gewinnen will, wie Flüchtlinge in Baar dereinst wohnen könnten, kann in Zürich an der Leutschenbachstrasse 72 oder in Altstetten an der Aargauerstrasse 80 einen Augenschein nehmen. Dort stehen Asylunterkünfte aus dem Hause des NRS-Teams. Vereinfacht gesagt handelt es sich um geschickt übereinander gestapelte Container. Beide Siedlungen wurden 2010 eröffnet, sind Wohnort von je rund 140 Flüchtlingen und bestehen nur auf Zeit. Jene in Leutschenbach soll in ein bis zwei Jahren aufgehoben und an einen anderen Ort gezügelt werden, das Zentrum Altstetten wird gemäss Angaben der Betreiberin, der Asyl-Organisation Zürich (AOZ), noch rund 15 Jahre bestehen bleiben. Im Zihlacker in Zürich-Seebach wird ab Frühling 2016 eine dritte Siedlung für 120 Personen nach Plänen des Baarer Architekturbüros gebaut. Mit leichten Anpassungen: Waren die Siedlungen in Leutschenbach und an der Aargauerstrasse ursprünglich mit Wohneinheiten von acht bis zehn Personen geplant, werden diese nun auf vier bis sechs Bewohner verkleinert.

Auch in Luzern und Bern

Anklang findet das Baarer Modell auch in Luzern: Ab nächstem Jahr wird gemäss der Dienststelle Immobilien des Kantons Luzern beim Grosshof in Kriens ein Zentrum für 120 Asylbewerber gebaut. Federführend ist wiederum das NRS-Team. Möglich zudem, dass das Büro auch beim geplanten Bundesasylzentrum auf dem Duttweiler-Areal in Zürich zum Zug kommt. Dort soll Platz für 360 Asylsuchende geschaffen werden, zeitlich begrenzt für vorerst 15 Jahre. Ein Planungsbüro sei noch nicht bestimmt, sagt Isabelle Wenzinger, stellvertretende Leiterin der Kommunikationsstelle im Sozialdepartement. Sicher aber ist, dass das Zentrum ein modularer Bau sein wird. Zumindest im Gespräch waren die modularen und temporären Unterkünfte des Baarer Architekturbüros auch in Bern. Franziska Teuscher, Stadtberner Gemeinderätin und Direktorin für Bildung, Soziales und Sport, hat vor einem Jahr den Bau einer temporären Unterkunft auf dem Kasernenareal vorgeschlagen. Modulbauten seien «eine gute und unkomplizierte Lösung», so Teuscher. Der Kanton, der für die Finanzierung zuständig ist, habe sie aber aus Kostengründen abgelehnt. Tatsächlich sind die temporären Siedlungen nicht günstiger als ein normales Gebäude.

Die beiden Unterkünfte in Leutschenbach und Altstetten haben zusammen etwas über 8 Millionen Franken gekostet. Für das Asylzentrum Grosshof in Kriens rechnet der Kanton mit Baukosten von rund 6 Millionen Franken. Die Container-Siedlungen haben aber den grossen Vorteil, dass sie mit vergleichsweise geringen Kosten auf ein anderes Grundstück gezügelt werden können.

«Wir sagen nichts»

Das Architekturbüro NRS-Team verfügt also über viel Erfahrung, was den Bau von Asylunterkünften angeht – und es hätte in Baar Land praktisch vor der Bürotür zur Verfügung. Doch ob aus der Bauanfrage mehr wird als nur eine Idee, könnte nur die Besitzerfamilie Hotz beantworten. Und diese gibt sich wortkarg. «Wir sagen zum Projekt nichts», erklärt Roman Hotz. «Und das werden sie auch von all meinen anderen Geschwistern hören.»

Silvan Meier

Anzeige eingereicht

Baar van. Bauanfragen sind nicht für die Öffentlichkeit gedacht und unterliegen dem Amtsgeheimnis. Trotzdem hat die SVP von der Anfrage der Hotz Obermühle AG Wind bekommen. Da nicht davon auszugehen ist, dass die Information von der Besitzerfamilie Hotz stammt, muss das Datenleck in der Gemeindeverwaltung sein. Der Gemeinderat hat darauf reagiert und eine Strafanzeige wegen Amtsgeheimnisverletzung gegen unbekannt eingereicht, wie Gemeindeschreiber Walter Lipp bestätigt. «Falls ein Verdacht auf ein Leck besteht, müssen wir eingreifen», so Lipp. Weiter will sich der Gemeinderat nicht äussern. Denn das Amtsgeheimnis gelte nach wie vor.

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