Flüchtlinge
Konflikte in Asylzentren: So sieht es im Kanton Zug aus

Wo Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenleben, kann es zu Auseinandersetzungen kommen. Ausschreitungen, die in Gewalt gipfeln, gibt es auch im Kanton Zug, aber selten.

Vanessa Varisco
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Erster Anlaufpunkt für Flüchtlinge im Kanton Zug ist die Durchgangsstation in Steinhausen.

Erster Anlaufpunkt für Flüchtlinge im Kanton Zug ist die Durchgangsstation in Steinhausen.

Bild: Maria Schmid
(12. Juni 2017)

Asylsuchende sollen besser vor Gewalt geschützt werden. Das schrieb die nationale Kommission zur Verhütung von Folter kürzlich in einem Bericht. Hintergrund dazu: Bei Kontrollbesuchen in einem Bundesasylzentrum hat die Kommission festgestellt, dass Auseinandersetzungen zum Alltag gehören und zuweilen bis zu gewalttätigen Auseinandersetzungen eskalieren.

Auch im Kanton Zug werden Flüchtlinge beherbergt. Erster Anlaufpunkt hier ist die Durchgangsstation Steinhausen, wo sie vertraut gemacht werden mit den schweizerischen Lebensverhältnissen. Nach spätestens einem Jahr werden die Flüchtlinge in die kantonalen Unterkünfte und Wohnungen in den Gemeinden verteilt. Auch in dieser zweiten Phase werden sie weiter durch den Kanton betreut und finanziert. Wie sieht es in Zug aus? Kennt man die Problematik von Konflikten?

Jris Bischof, Leiterin des Sozialamts, bejaht:

«Wo Menschen mit unterschiedlicher Kultur, Religion, Bildung und Sozialisation auf engem Raum zusammenleben, ist es normal, dass es auch zu Konflikten kommt.»

Besonders deshalb, weil die Wohnform nicht frei gewählt ist und die Menschen teilweise psychisch sehr stark belastet sind aufgrund der Ereignisse in ihrem Herkunftsland oder Erfahrungen auf der Flucht. Die Zuger Polizei bestätigt, dass sie Einsätze in Asylzentren hat – auch, um zu intervenieren. Wie häufig das vorkommt, kann nicht genannt werden, da gemäss Mediensprecher Frank Kleiner dazu keine Statistik geführt wird.

Dank Austausch mit Mitarbeitern bleibt man im Bild

Die Gründe, weshalb es zu Auseinandersetzungen kommt, sind denn auch menschlich, führt die Leiterin des Sozialamts aus: Unterschiedliche Werte und Vorstellungen von Reinlichkeit, Ordnung und Verhalten sind Anlass der Konflikte. Sie ergänzt:

«Manchmal gibt es auch Auseinandersetzungen, weil jemand betrunken ist, Streit sucht, die Stelle verloren hat oder Stress hat.»

Ausserdem gibt es Menschen, die mit dem Leben im fremden Land schlicht überfordert sind.

Auf die Missstände oder Auseinandersetzungen aufmerksam werden die Führungsverantwortlichen des Sozialamts, weil sie in engem Kontakt mit den Mitarbeitern in den Unterkünften stehen. «Sie wissen, wo es Konflikte und Probleme geben könnte», erklärt Jris Bischof. Auch der Kontakt mit freiwilligen Helfern, der Austausch mit der Zuger Polizei, Ärzteschaft und Arbeitgebern hilft. «So sind wir im Bilde über die Situation und können gezielt intervenieren, wenn es nötig ist.»

Langweile soll vermieden werden

In Zug ist man bestrebt, die Konfliktrate möglichst tief zu halten. Essenziell dafür ist die schnelle Einbindung der Bewohner in eine Tagesstruktur. Langweile sei nicht förderlich fürs Klima, weiss Bischof. Weshalb die Asylsuchenden schnell angewiesen werden, ihre Aufgaben und Ämtchen zu erfüllen.

Respekt, Wertschätzung und Interesse am Gegenüber, Gleichstellung von Mann und Frau sowie die Schweizer Kultur seien Werte, deren Vermittlung in der Arbeit mit Flüchtlingen zentral sei. «Wobei damit nicht gesagt werden soll, dass diese Werte generell von geflüchteten Menschen nicht gelebt und geteilt werden», präzisiert Bischof.

Neben der Integration in einen geregelten Tagesablauf und Einbindung in die schweizerische Lebensweise haben die Mitarbeiter einen Einfluss auf die Vermeidung von Konflikten. Sie müssen sensibel sein, lernen und sich weiterentwickeln, laut Bischof. Sollte sich jemand fehlbar verhalten, sei die direkte Konfrontation wichtig: Die betroffene Person müsse merken, dass dieses Verhalten nicht toleriert werde und Konsequenzen habe. Bischof betont, wie wichtig kompetente Mitarbeiter in Asylzentren seien:

«Zentral ist, dass die Aufsichtspersonen in den Asylunterkünften nicht einfach als ‹Hilfssheriffs und Brandschutzwächter› gesehen werden, sondern als kompetente Partner von Behörden und Verwaltung.»

Die Arbeit in einem Asylzentrum sei intensiv und anspruchsvoll. Da sie unter Umständen auch sehr belastend sein könne, sei der Austausch untereinander umso wichtiger, gleichermassen wie die Inter- und Supervision, welche den Mitarbeitern angeboten werde.

Die kantonale Lage ist nicht prekär

Weitere Massnahmen zu ergreifen, wie sie die Kommission zur Verhütung von Folter vorsieht, sind gemäss Bischof im Kanton Zug nicht nötig. Die Konflikte halten sich in Grenzen. Wenn es nicht bei Konflikten bleibt, sondern tatsächlich zu gewalttätigen Handlungen kommt, greift die Polizei ein, allenfalls erfolgt auch eine Meldung ans Amt für Migration zur Prüfung ausländerrechtlicher Massnahmen.