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Ausstellung: Wo sich die Kunst mit der Wissenschaft vermischt

Ein Blick in die Tiefe unseres Organismus und eine «Haut ohne Schmerz»: Bernadett Madörin und Veronika Stockmann stellen in Zug aus.
Monika Wegmann
Bernadett Madörin (links) und Veronika Stockmann bespielen derzeit mit ihren neuen Werken das Foyer des Verwaltungszentrums an der Aabachstrasse. (Bild: Maria Schmid, Zug, 17. September 2019)

Bernadett Madörin (links) und Veronika Stockmann bespielen derzeit mit ihren neuen Werken das Foyer des Verwaltungszentrums an der Aabachstrasse. (Bild: Maria Schmid, Zug, 17. September 2019)

Die Ausstellungsfläche ist hier zwar nicht so gross wie in einer Galerie, dennoch wird sie von den Künschaffenden der Region geschätzt. So wie von Bernadett Madörin aus Zug und Veronika Stockmann aus Mettmenstetten, welche derzeit zusammen die zwei Räume im Eingangsbereich des Verwaltungsgebäudes bespielen. Die neue Ausstellung wurde am Dienstag mit einer gut besuchten Vernissage eröffnet.

Obwohl nur wenige Exponate zu sehen sind, lohnt sich ein Besuch: Bernadett Madörin zeigt unter dem Titel «Flüssiges Gewebe» neue, faszinierende Arbeiten. Das 12-teilige Werk im Foyer, das auf schwarzem Hintergrund mit fluoreszierenden Farben gemalte, faustgrosse Wesen zeigt, erscheint auf den ersten Blick wie eine geheimnisvolle Unterwasserwelt. Bernadett Madörin: «Das ist alles organisch, es sind Blutzellen, tausendfach von mir vergrössert.» Sie verweist auf ein sechsteiliges Werk in Nebenraum. «Das ist der Vorreiter dieser Motive.»

Früher hat sie sich mit Pflanzen intensiv befasst und ist ihnen mit dem Mikroskop näher gerückt. Auch die neuen Arbeiten begründet sie mit ihrer Liebe zur Natur. Die Idee sei ihr durch einen Fernsehbericht gekommen, der Bilder von körperlichem Gewebe zeigte. «Ich war fasziniert von den unglaublichen Farben und Formen und machte sofort Aufnahmen mit dem Handy. Im Internet fand ich weitere Bilder, die ich tausendfach vergrösserte und ohne zu verfremden frei abmalte.» Die Farben setze sie je nach Stimmung ein. Und sie zeige gerne, welche Wunderwelt in unserem Körper steckt, indem sie kleine Details zu grossen, ästhetischen Motiven auf die Leinwand bannt. Eine nächste Serie sei schon geplant. Schon als Kind sei sie fasziniert gewesen von dem, was es alles im Garten zu entdecken gab. Darum ist das Mikroskop seither ihr Begleiter, der sie anrege, weiterhin in der Natur zu forschen.

Experimentieren mit Papier

Veronika Stockmann hat schon mit verschiedenen Materialien gearbeitet. Der Kick aber, Papier als Werkstoff zu benutzen, sei vor rund drei Jahren gekommen. «Ich bekam eine grosse Rolle transparentes Architekturpapier geschenkt und habe dann begonnen, damit zu experimentieren.» Daraus sind ihre farbenfreudigen «Bildpapiere» entstanden, von denen jetzt eine Auswahl zu sehen ist. Die quadratischen, dünnen Werke mit den abstrakten Motiven sind nicht an der Wand befestigt, sondern hängen leicht schwebend auf dünnen Stangen. Der mehrschichtige Aufbau führt zu einer verwirrenden Oberflächenstruktur sowie einer dreidimensionalen Form, und das transparente Material verstärkt die Tiefenwirkung. Die Künstlerin verdeutlicht: «Beim Aufbau der verschiedenen Schichten verbinde ich die Farben mit Pigmenten. Die Nässe des Kleisters bewirkt als Reaktion die Schrumpfung und den hautartigen Effekt. Manchmal ziehe ich zusätzlich Fäden oder andere Papiere ein. Manche Bilder plane ich mehr, andere weniger. Wichtig ist für mich das Experimentieren.» Und sie fügt an: Ein Stück weit habe ich diese Technik erfunden.»

Eine erweiterte Traumwelt

An der Vernissage – musikalisch umrahmt durch Christof Zurbuchen an der Bassklarinette – begrüssten der Kantonsbaumeister Urs Kamber und die Zuger Schmuckdesignerin Brigitte Moser die zahlreichen Gäste. Alexander Obretenov, Künstler und Naturwissenschaftler, sagte bei der Einführung: «Das Auge des Künstlers erobert die Welt anders, es sieht sogar das Grau differenzierter an. Durch die Kunst erscheint alles im grauen Alltag bunter.» In den Bildern der beiden Künstlerinnen verbinde sich die Kunst mit der Wissenschaft. Bernadett Madörin schaffe mit ihren Bildern eine erweiterte Traumwelt. Flüssiges Gewebe und Blut hätten schon in früheren Kulturen zu magischen Ritualen geführt. Die Künstlerin entfremde es aus dem wissenschaftlichen Kontext.

Und die Arbeiten von Verena Stockmann erscheinen dem Redner wie eine «poetisch dargestellte Haut ohne Schmerz». Sie habe mit ihrer aussergewöhnlichen Technik grosse kreative Möglichkeiten erreicht für ihre eigenständigen Kunstwerke.

Beide Künstlerinnen haben bereits ein umfangreiches Oeuvre geschaffen und an zahlreichen Ausstellungen teilgenommen. Bernadett Madörin ist zudem durch diverse Publikationen, Preise und Ankäufe durch den Kanton Zug bekannt geworden. Diese Ausstellung ist organisiert worden von der Direktion für Bildung und Kultur, der Baudirektion des Kantons Zug sowie von Brigitte Moser, Schmuck Zug. Weitere «Bildpapiere» von Veronika Stockmann sind gleichzeitig im Schaufenster an der Baarerstrasse 80, Zug, zu sehen.

Hinweis
Die Ausstellung mit Bildern von Bernadett Madörin und Veronika Stockmann läuft bis 29. Oktober im Verwaltungszentrum an der Aabachstrasse 5, Zug. Sie ist zu den Bürozeiten geöffnet.

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