FÖRDERPROGRAMM: Nachfrage nach Beiträgen sinkt

Seit einigen Jahren unterstützt die Stadt Zug nachhaltige Energieprojekte. Die Höhe der beantragten Beiträge nimmt aber ab. Dies ist auch in anderen Gemeinden der Fall.

Christopher Gilb
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Eine Möglichkeit, etwas zur Energiewende beizutragen, ist es, wie auf der Waldeggturnhalle in Rotkreuz, eine Solaranlage zu installieren. (Bild: Werner Schelbert (2. September 2016))

Eine Möglichkeit, etwas zur Energiewende beizutragen, ist es, wie auf der Waldeggturnhalle in Rotkreuz, eine Solaranlage zu installieren. (Bild: Werner Schelbert (2. September 2016))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Um irgendwann das Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft zu erreichen, hat die Stadt Zug jährlich ein Budget zur Förderung von nachhaltigen Energieprojekten zur Verfügung. Gefördert wird unter anderem der Bau von Fotovoltaikanlagen oder der Einbau von Wärmepumpen oder Holzheizungen. Die Förderbeiträge richten sich hauptsächlich an Private, aber auch an das Gewerbe.

Im Jahr 2012 bewilligte die Stadt noch Anträge in Höhe von 533 000 Franken, im Jahr 2015 waren es noch 458 000 Franken im Jahr, 2016 aber nur noch 346 000 Franken, zum Erstaunen vom zuständigen Stadtrat Urs Raschle. «Eigentlich hätten wir letztes Jahr für 400 000 Franken Projekte fördern können, schlussendlich haben wir aber noch rund 50000 Franken vom Budget übrig.» Es seien jedoch keine bestimmten Förderbereiche, die weniger gefragt seien. «In einem Jahr gibt es mehr Anfragen für Sonnenenergie, in einem anderen wiederum für Haushaltsgeräte. Allgemein kann aber gesagt werden, dass die Nachfrage nach den Fördergeldern abgenommen hat.»

Noch nicht den einen Grund gefunden

Was der Grund dafür sei, könne er nicht mit Sicherheit sagen. «Möglicherweise ist der Nachhaltigkeitsboom im Energiebereich etwas vorbei oder alle, die von dem Programm profitieren könnten, haben dies bereits gemacht.» Raschle verweist auch darauf, dass viele Leute, die zur Miete wohnen, darauf angewiesen seien, dass die Hauseigentümerschaft ein Interesse an der nachhaltigen Energienutzung habe. «Vielleicht hängt es aber auch mit dem kantonalen Förderprogramm zusammen», sagt Raschle. Denn auch der Kanton förderte in den letzten Jahren nachhaltige Energieprojekte. Die Konditionen seien dort vereinzelt attraktiver als beim städtischen Förderprogramm.

Das kantonale Förderprogramm wird aber im Laufe dieses Jahres auslaufen. «Der Rahmenkredit von 10 Millionen Franken ist nächstens aufgebraucht», bestätigt Marco Iten, Präsident vom Energienetz Zug, das die kantonale Energieberatungsstelle betreibt. Deshalb sei die Zahl der Gesuchsanfragen Anfang des Jahres noch einmal gestiegen. Das Auslaufen des kantonalen Förderprogramms ist auch der Grund, wieso Raschle es für verfrüht hält, das Budget für das städtische Programm zu reduzieren. «Vielleicht steigt die Nachfrage ja wieder», sagt er.

Politische Grosswetterlage als mögliche Ursache

Dass der Energieboom vorbei ist, denkt Jules Pikali, Geschäftsführer der OekoWatt GmbH in Rotkreuz und Sekretär der Energiefachstellenkonferenz der Zentralschweiz, nicht. «Ich kann mir vorstellen, dass die gesunkene Nachfrage mit anderen Gründen zusammenhängt.» Einer dieser Gründe sei wahrscheinlich die politische Grosswetterlage: So stehe etwa diesen Mai die Abstimmung zur Energiestrategie 2050 an. Da aus diesem Grund verschiedene Fragen im Bezug auf die Förderung und die gesetzliche Vorgaben noch offen seien, würden viele Interessierte einfach abwarten. «Es herrscht gerade die Ruhe vor dem Sturm», sagt Pikali. Gleichzeitig verweist er auf die verschiedenen anderen Förderprogramme. «Das Gebäudeprogramm der Kantone schlägt beispielsweise richtig ein.»

Über dieses erhält jeder, der sein Gebäude besser dämmt, seit diesem Jahr höhere Förderbeiträge. Hausbesitzer erhalten bei Investitionen in die Wärmedämmung jetzt das Doppelte pro Quadratmeter. Pikali verweist auch darauf, dass Fotovoltaikanlagen immer günstiger geworden seien, weshalb es zur Realisierung auch weniger Förderbeiträge brauche.

Das gleiche Phänomen wie in der Stadt Zug ist auch in der Gemeinde Cham festzustellen. Seit 2005 wird dort die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energie und der sparsame Einsatz nicht erneuerbarer Energien gefördert. Dafür stellte der Gemeinderat in den letzten Jahren eine Fördersumme zwischen 100 000 und 200 000 Franken zur Verfügung. «Die Nachfrage dafür nimmt seit 2013 ab», sagt Manuela Hotz, Projektleiterin Umwelt der Gemeinde. «Im Jahr 2013 wurden noch 174 208 Franken gesprochen, im Jahr 2016 noch 710 00 Franken.» Als Grund für den Rückgang sieht Hotz die veränderte Nachfrage an, denn die Anzahl Gesuche bleibe etwa gleich. «Es werden beispielsweise weniger grosse Fotovoltaikanlagen gebaut, jedoch vermehrt Beratungen beantragt.

Ausbezahlte Summe in Cham mehr als halbiert

Der Förderbeitrag der Gemeinde Cham berechne sich anhand der Spitzenleistung der Anlage und sei bei kleineren Anlagen tiefer. Grund für den Verzicht auf grössere Anlagen sei eine Verunsicherung im Hinblick auf die Zukunft der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV). Der Bund fördert mit dieser den Bau von Fotovoltaikanlagen. Zurzeit befinden sich jedoch über 35 000 Anlagen auf der Warteliste. Ob diese jemals Geld erhalten werden, ist unklar, denn die Unterstützungsbeträge sinken jährlich. «Wir stellen fest, dass vermehrt kleinere Anlagen für den Eigenverbrauch gebaut werden, welche nur den nicht selbst verbrauchten Strom ins Netz einspeisen. Die Leute würden dafür eine Einmalvergütung vom Bund erhalten, jedoch keine KEV», erklärt Hotz. «Nur wegen der Förderbeiträge der Gemeinde lässt niemand eine grosse Anlage bauen.» Meist würden sich diese auf etwa 4000 Franken belaufen. Cham beabsichtigt, aufgrund dieser Entwicklungen ihr Förderprogramm anzupassen. «Unser Förderprogramm ist in Revision. Wir werden dieses auf die Neuerungen auf nationaler und kantonaler Ebene abstimmen und voraussichtlich per Mai in Kraft setzen», sagt Hotz.

Zuletzt nur noch drei bis vier Fördergesuche in Baar

In Baar seien nur noch drei bis vier Fördergesuche im Jahr eingegangen, erinnert sich Urs Spillmann, Leiter Abteilung Planung/Bau der Gemeinde. Dies, weil Baar im Jahr 2014 die Förderung von Solarstromanlagen aus dem Programm gestrichen habe, da damals die Einmalvergütung vom Bund eingeführt worden sei, und nur noch Holzheizungen oder Minergiebauten gefördert habe. «Mit dem neuen Programm, welches seit dem 1. Januar 2017 in Kraft ist, möchte der Gemeinderat die Wirkung des selbigen wieder verstärken. Gefördert wird neu jeglicher Ersatz einer fossilen Heizung durch erneuerbare Energieträger sowie Solarwärmeanlagen und verschiedene erhöhte Baustandards», so Spillmann.