FORUM: Baudirektor Hürlimann: «Wir sind auf einem guten Weg»

Der Zuger Baudirektor Urs Hürlimann nimmt Stellung zur Energiepolitik des Kantons und ruft alle zu konstruktiver Zusammenarbeit auf.

Martin Mühlebach
Merken
Drucken
Teilen
Baudirektor Urs Hürlimann sprach vor rund 80 Personen über die Energiestrategie. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 30. Januar 2017))

Baudirektor Urs Hürlimann sprach vor rund 80 Personen über die Energiestrategie. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 30. Januar 2017))

Martin Mühlebach

redaktion@zugerzeitung.ch

Wie packt der Kanton Zug energiepolitische Fragen und Entwicklungen an? Mit diesem Thema beschäftigten sich gegen 80 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gemeinden, Wirtschaft und Wissenschaft am Montagabend in der Aula der Kantonsschule Zug im Rahmen des Forums Energie des Kantons Zug. Die Gäste hörten sich zu diesen Themen die Überlegungen des Zuger Baudirektors Urs Hürlimann an. Er betonte gleich zu Beginn seiner Ausführungen: «Die Zuger Energiepolitik steht natürlich nicht isoliert da. Sie ist eingebettet in eine Vielzahl von Strategien und Vorgaben, sowohl von Seiten des Kantons selbst als auch von Seiten des Bundes.» Energiepolitik sei immer auch Klima- und Gebäudepolitik, die von wirtschaftlichen Faktoren, wie den derzeit tiefen Energiepreisen und ganz besonders der finanziellen Situation des Kantons Zug, beeinflusst werde. «Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel, zumal sich das energiepolitische Umfeld in den letzten Jahren stark verändert hat.»

Da die kantonale Energiepolitik wichtiger denn je sei, ermuntere der Zuger Regierungsrat zur Analyse der bisherigen Energiepolitik und allenfalls zur Neuausrichtung unter dem Einbezug der verschiedenen Interessengruppen. Um ein Erfolg versprechendes Konzept erstellen zu können, möchte der Zuger Regierungsrat Antworten auf einige Fragen: Welches sind die drei grössten Herausforderungen, welche die Energiepolitik des Kantons Zug in nächster Zukunft zu bewältigen hat? Welche konkreten Ziele für die kantonale Energiepolitik leiten sich daraus ab, und mit welchen Massnahmen können diese Ziele erreicht werden?

Es gibt noch einiges zu tun

Bezug nehmend auf das aus dem Jahr 2011 stammende Leitbild «Energie im Kanton Zug», sagt Urs Hürlimann: «Der Kanton Zug will auch mit seiner Energiepolitik die Balance halten zwischen Wachstum und Wahrung natürlicher Ressourcen. Er verlangt eine sichere Versorgung mit Elektrizität und einen deutlichen Anteil erneuerbarer Energien bei den Energieträgern.» Mit wirksamer eingesetzter Energie solle der Energiebedarf sinken. Die Regierung fordere die Gemeinden und die Versorger auf, diese Ziele partnerschaftlich zu unterstützen. Dabei zähle er auch auf die Unterstützung der gesamten Bevölkerung. Die Hauptstossrichtungen der vom Bund erlassenen Energiestrategie 2050, die von allen Kantonen mitgetragen würden, sähen eine Steigerung der Energieeffizienz, den Ausbau erneuerbarer Energien und den schrittweisen und koordinierten Atomausstieg vor.

Ein Blick auf den Bedarf an Wärmeenergie in den Wohnbauten des Kantons Zug zeigt auf, dass mehrheitlich fossil – hauptsächlich mit Heizöl (52 Prozent) – Wärme generiert wird. Erst rund 16 Prozent der Wärme für Heizen und Warmwasser stammen aus erneuerbaren Quellen. Auffallend ist, dass erneuerbare Wärmequellen erst gegen 2010 richtig Fuss gefasst haben. Dank eines kantonalen Förderprogramms in der Höhe von 16 Millionen Franken wurden danach 600 Wärmepumpen und thermische Solaranlagen in Betrieb genommen und 130 energetische Gesamtsanierungen durchgeführt. Da die finanziellen Mittel des Förderprogramms demnächst ausgeschöpft sein werden, wird das Programm eingestellt.

Derzeit wird in der Schweiz debattiert, wie die 2008 in Kraft getretenen Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich – Nahezu-null-Energie-Gebäude, Eigenstromerzeugung bei Neubauten, erneuerbare Energieeffizienz bei fossilem Heizungsersatz und die Sanierungspflicht für zentrale Elektroheizungen und Elektroboiler – im Jahr 2019 umgesetzt werden sollen. Urs Hürlimann rät, nicht vorzupreschen, sondern zu warten, was der Bund und die Kantone zu tun gedenken.

Mobilitätsverhalten soll überdacht werden

Mehr Effizienz ist auch in der Mobilität gefragt. Da der Kanton Zug mit 641 Personenwagen auf 1000 Einwohner Spitzenreiter im Treibstoffverbrauch ist, ruft Urs Hürlimann dazu auf, das Mobilitätsverhalten zu überdenken. Dass der Anteil Elektrofahrzeuge nur gerade in Zürich höher sei als im Kanton Zug, zeige erfreulicherweise, dass die Zugerinnen und Zuger offen seien für technische Innovationen.