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FRANKENSTÄRKE: V-Zug erhöht die Arbeitszeit

Die Zuger Industriefirma reagiert: Alle Angestellten arbeiten ab März vier Stunden mehr pro Woche. Die Währungsproblematik hat aber auch finanzielle Folgen für das oberste Management.
Bei dem Zuger Industrieunternehmen V-Zug - hier ein Bild aus der Produktion - müssen die Mitarbeiter ab März länger arbeiten. (Bild Stefan Kaiser)

Bei dem Zuger Industrieunternehmen V-Zug - hier ein Bild aus der Produktion - müssen die Mitarbeiter ab März länger arbeiten. (Bild Stefan Kaiser)

Ernst Meier

Seit die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar den Mindestkurs aufgehoben hat, geht das Zittern in der hiesigen Industrie um. Denn viele Unternehmen, die in der Schweiz produzieren, liefern direkt in den Euroraum, andere sind als Zulieferer indirekt von der aktuellen Währungsproblematik betroffen.

Auch bei der Firma V-Zug liefen die Abklärungen seit dem SNB-Entscheid hinter verschlossenen Türen auf Hochtouren. Nun reagiert der Hersteller von Haushaltgeräten und erhöht die Arbeitszeit per 1. März von 40 auf 44 Stunden pro Woche. Ob in der Produktion, im Servicegeschäft, in der Entwicklung oder im Marketing – alle 1400 V-Zug-Mitarbeiter müssen ab dem nächsten Monat 4 Stunden pro Woche länger arbeiten – und das zu den bis anhin geltenden Lohnkonditionen.

Massnahme gilt für 15 Monate

Gestern Morgen ist die gesamte V-Zug-Belegschaft per E-Mail über diese besondere Massnahme informiert worden. «Am Nachmittag fanden in den einzelnen Abteilungen Informationsveranstaltungen statt», sagt dazu Adrian Enzler, Vertreter der Arbeitnehmerkommission von V-Zug. Dabei habe man den Entscheid genauer erläutert. «Die höhere Arbeitszeit gilt für 15 Monate, also bis Ende Mai 2016», erklärt Adrian Enzler weiter. Für die Mitarbeiter sei dies die beste Lösung, nachdem die Verschlechterung der Währungssituation den Druck auf die Profitabilität von V-Zug verstärkt habe, ist er überzeugt.

V-Zug produziert ihre Küchengeräte und Waschmaschinen praktisch ausschliesslich in der Stadt Zug. Diese werden zwar zu über 90 Prozent in der Schweiz verkauft – der Auslandanteil beträgt aus diesem Grund lediglich 7 Prozent –, auf dem hiesigen Markt stehen V-Zug jedoch grosse ausländische Mitbewerber wie Miele, Elektrolux oder Bauknecht gegenüber. Diese produzieren mehrheitlich in Euroländern oder in Asien.

Gute Auftragslage

«Nach der Aufhebung des Mindestkurses war klar, dass es zu Anpassungen bei uns kommen wird», sagt Adrian Enzler. Bereits am 19. Januar sei man in der Arbeitnehmerkommission mit CEO Dirk Hoffmann zusammengesessen, verrät Enzler. «Es fand ein erster Gedankenaustausch statt. Darauf folgten mehrere Sitzungen.» Die Erhöhung der Arbeitszeit sei aufgrund der guten Auftragslage für V-Zug sinnvoll. «Dieser Überzeugung sind beide Verhandlungsparteien», sagt Adrian Enzler. Lohnkürzungen oder ein Stellenabbau sei nicht in Frage gekommen. «Durch die Erhöhung der Arbeitszeit kann das Produktionsvolumen erhöht werden», sagt der Arbeitnehmervertreter von V-Zug. Durch die beschlossene Massnahme würden alle Bereiche in der Entwicklung, im Marketing oder in der Administration gestützt.

Neue Ziele für Management

Auf Stufe Geschäftsleitung gilt keine maximale Arbeitszeit. Es sei aber klar gewesen, dass auch das Management seinen Beitrag zur Profitabilitätssteigerung leisten will, sagt Urs Wälchli. Der Direktor Recht und Personal bei V-Zug ist gleichzeitig Mitglied der Geschäftsleitung. «Alle fünf Geschäftsleitungsmitglieder verzichten ab 1. März auf 10 Prozent des Fixlohnes im Sinne eines freiwilligen Beitrages», erklärt Urs Wälchli. Die Summe bleibe im Unternehmen. «Eine Auszahlung ist später möglich, aber nur, wenn V-Zug die vorgegebenen Ziele zur Verbesserung von Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit erreicht», sagt Wälchli. Die Bedingungen seien klar festgelegt worden. Durch die Massnahme erhöht V-Zug also die leistungsabhängige Lohnkomponente des Managements auf Kosten des fest zugesicherten Basislohns.

22 Firmen haben bereits gehandelt

Die Möglichkeit, die Arbeitszeit temporär zu erhöhen, ist im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie Swissmem festgelegt. Gemäss Artikel  57 des GAVs können Geschäftsleitung und Arbeitnehmervertretung zusammen die Wochenarbeitszeit auf bis zu 45 Stunden erhöhen (Maximalzeit gemäss Obligationenrecht). Die Massnahme darf höchstens für 15 Monate gelten. Falls die höhere Arbeitszeit noch länger bestehen soll (maximal 30 Monate), muss dies zwischen Geschäftsleitung und Sozialpartner verhandelt werden. Seit dem 15. Januar haben 22 Swissmem-Firmen die Arbeitszeit erhöht – dazu zählen die Industrieunternehmen Georg Fischer, Feintool, Bühler oder Bucher Municipal (Standort Niederwenigen ZH).

Weitere Firmen könnten folgen

Von Zentralschweizer Industriefirmen hat es bisher keine offiziellen Meldungen zu Arbeitszeitanpassungen wegen der Frankenstärke gegeben. Die Unternehmen sind nicht verpflichtet, entsprechende Entscheidungen den Behörden zu melden und öffentlich zu machen. V-Zug scheint der erste Produktionsbetrieb zu sein, der diesen Weg wählt. Der Gewerkschaft Unia, Sektion Zentralschweiz, war bis gestern denn auch keine hiesige Unternehmung mit Arbeitszeiterhöhung bekannt.

Auf Anfrage unserer Zeitung heisst es bei verschiedenen Industriekonzernen, dass man aktuell eine Erhöhung der Soll-Arbeitszeit in Erwägung ziehe – dazu gehören unter anderen der Lifthersteller Schindler in Ebikon und der Verbindungstechniker Bossard in Zug. «Wir prüfen eine Arbeitszeiterhöhung als eine mögliche Variante in den nächsten Wochen», erklärt David Dean, CEO von Bossard.

Etliche Industrieunternehmen lassen sich seit dem 15. Januar verstärkt von Swissmem beraten, wie es beim Verband heisst. Swissmem gehören 1050 Unternehmen an, rund 560 davon sind dem Gesamtarbeitsvertrag unterstellt.

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