Auch in Zug französisches Sprachgut bewahren

Neu gibt es in Zug ein Bildungsangebot für Kinder mit frankofonem Hintergrund. Die Nachfrage war und ist gross.

Andreas Faessler
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Fachlehrerin Ismérie Glandy beim Unterricht an der Ecole Française am neuen Standort in Zug. (Bild: Maria Schmid, 18. September 2019)

Fachlehrerin Ismérie Glandy beim Unterricht an der Ecole Française am neuen Standort in Zug. (Bild: Maria Schmid, 18. September 2019)

Die internationale Ausrichtung Zugs schlägt sich alleine darin nieder, dass man hier allenthalben fremdsprachige Menschen antrifft, hauptsächlich Englischsprechende. Für die Kinder von Familien aus englischsprachigen Ländern existiert im Kanton Zug ein gutausgebautes Bildungsangebot. Weniger vorhanden bis kaum existent sind hingegen eigens für frankofone Kinder ausgerichtete Bildungseinrichtungen. Das ändert sich nun mit der Ecole Française, die Anfang September in Zug eine Niederlassung in Betrieb genommen hat. Gegründet worden ist die Schule 2008 in Luzern von Laura Chmelevsky, gebürtige Elsässerin. Dies mit dem Ziel, Kindern mit frankofonem Hintergrund einen Rahmen zu bieten, in dem sie das sprachliche Erbe erhalten und pflegen sowie die frankofone Identität bewahren können. «Die Erfahrung zeigt, dass Kinder mit einem fremdsprachigen Elternteil oft deren Sprache ungenügend beherrschen oder sich sogar weigern, sie zu sprechen», weiss Laura Chmelevsky aus Erfahrung.

Nach zehn erfolgreichen Jahren in Luzern war schliesslich die Entscheidung gefallen, nach Zug zu expandieren. Was war ausschlaggebend? «Wir haben festgestellt, dass es ein zunehmendes Interesse von französischsprachigen Familien aus Zug gab», erklärt Laura Chmelevsky rückblickend. Viele Zuger Eltern hätten ihre Kinder jede Woche nach Luzern zum Unterricht gebracht. «Als dann feststand, dass wir in Zug einen zweiten Standort eröffnen können, wurden wir von Anmeldungen förmlich überschwemmt», so die Schulleiterin.

Ein vergleichbares Angebot für französischsprachige Kinder habe in Zug bislang gefehlt. «Für Englischsprachige existieren beispielsweise Spielgruppen, und die Kurse ‹Heimatliche Sprache und Kultur› (HSK) für Primarschüler werden in vielen Sprachen angeboten – von Finnisch bis Portugiesisch. Aber Französisch hat bisher gefehlt.» Das ist nun endlich passé: Die Primarschulgruppe der Ecole Française Zoug ist vom Kanton als HSK-Angebot anerkannt.

Für Klein- wie auch Primarschulkinder

Die Schule ist in zwei Segmente eingeteilt: eine Spiel- und eine Schülergruppe. Die Spielgruppe richtet sich an Kinder im Alter von 18 Monaten bis maximal 6 Jahre. Drei Lehrerinnen sorgen für eine altersgerechte Begleitung der Kleinen. Auf kreative und sinnesorientierte Weise entdecken und vertiefen sie die französische Sprache. Die Schülergruppe ist für Kinder von der ersten bis zur sechsten Klasse vorgesehen. Ihr Ziel ist es, die französische Sprache mündlich und schriftlich zu beherrschen. Diese Kinder besuchen allesamt die normale Volksschule. «Sie erhalten bei uns aber wertvolle zusätzliche Impulse, insbesondere lernen sie, auf Französisch zu schreiben», führt die Schulleiterin weiter aus. Für viele Kinder sei die Ecole Française eine Ergänzung zur Volksschule.

Auf Vergrösserung vorbereitet

Aktuell werden in der neuen Niederlassung in Zug 18 Vorschulkinder und 15 Primarschülerinnen und -schüler unterrichtet. Das Lehrpersonal selbst kommt ebenfalls aus Zug – das sind derzeit zwei französischsprachige Frauen und eine PHZ-Studentin mit guten Französischkenntnissen. In Zug ist man angesichts der Nachfrage auf Vergrösserung eingestellt. Laura Chmelevsky: «Wir können problemlos neue Klassen bilden, sowohl im Vorschulbereich wie beim HSK-Angebot für Primarschüler. Eine neue Vorschulklasse ist im Januar 2020 geplant.» Für die Primarschulkinder gibt es zudem einen «Club Théâtre» am Mittwochnachmittag, an dem die Auseinandersetzung mit der französischen Sprache vorderhand über den kulturellen Weg erfolgt.

Mehr Infos gibt es hier.