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Kritische Voten in Zug zum Thema Frauen in der Politik

Am Donnerstag tagte die Delegiertenversammlung des Schweizerischen Katholischen Frauenverbunds im Theater Casino. Im Fokus stand die Kraft von Frauennetzwerken – und die Misere auf der politischen Ebene.
Wolfgang Meyer
Manuela Weichelt-Picard, Lisia Bürgi, Claudia Sedioli, Simone Curau-Aepli und Regula Erazo (von links) diskutieren im Theatersaal. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 24. Mai 2018))

Manuela Weichelt-Picard, Lisia Bürgi, Claudia Sedioli, Simone Curau-Aepli und Regula Erazo (von links) diskutieren im Theatersaal. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 24. Mai 2018))

Ein Vaterunser raunt durch den alten Saal im Theater Casino, auf der Leinwand flimmern bolivianische Frauen mit Solarkochern in Schwarz und Bunt. Nach verschiedenen statuarischen Geschäften blickt man an der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Katholischen Frauenverbunds (SKF) stolz auf Projekte in der ganzen Welt.

Im bolivianischen Altiplano unterstützt das Elisabethenwerk des SKF eine örtliche Frauengruppe dabei, sich mit Solarkochern zu versorgen. Holz ist rar in diesem Gebiet und der Rauch schädigt die Atemwege. Mit der Unterstützung des Elisabethenwerks bauen sich die 300 Frauen für ihre Gemeinden Solarkocher und werden im Umgang mit den neuen Werkzeugen geschult. Im indischen Bundesstaat Odischa begleitete das Hilfswerk die ansässigen Frauen auf dem Weg zur gemeinsamen Spar- und Kreditgruppe, mit deren Hilfe bereits die ersten jungen Frauen auf neuen Bildungswegen aus der Armut treten.

Seit 60 Jahren unterstützt das Elisabethenwerk, in mittlerweile 2200 verwirklichten Projekten in Afrika, Asien und Lateinamerika Frauennetzwerke, die sich eigenverantwortlich neue Lebensgrundlagen schaffen. «In der Entwicklungszusammenarbeit liegt oft der Vorwurf anhaltender kolonialistischer Strukturen in der Luft», spricht Regula Erazo den wunden Punkt ihres Metiers an. Hilfsorganisationen oktroyieren indigenen Gesellschaften im globalen Süden Werte und Institutionen aus dem globalen Norden auf. Die kulturelle Deutungshoheit über Lebensqualität und Gesellschaftsstruktur bleibt trotz umgekehrten finanziellen Strömen bei den alten Kolonialmächten. «Deshalb unterstützen wir ausschliesslich Projekte, die direkt von den Einheimischen kommen», erklärt Erazo das Modell des Elisabethenwerks.

Nachholbedarf auch in Zug

Erazo ist eine von vier Gesprächspartnerinnen, die am Donnerstag an der Podiumsdiskussion der Delegiertentagung des SKF teilgenommen haben. Neben ihr unterhalten sich die Zuger Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard, die Berner Historikerin Lisia Bürgi und die Präsidentin des SKF, Simone Curau-Aepli, über das Thema «Netz. Werk. Frauen. Lokal, global, real, sozial». Ein sehr breit gefasster Titel, findet die Moderatorin des Gesprächs, Claudia Sedioli, zu Recht. Trotzdem kommen punktuell spannende Themen zur Sprache. Etwa die Frage nach der spezifischen Qualität von Entwicklungsarbeit in Frauennetzwerken gegenüber Projekten mit Männern. «Frauen haben stets das Wohl der Gemeinschaft im Blick. Die eigenen Kinder, die Grossfamilie, das Dorf, die Region.»

Erazo erzählt von ihren Erfahrungen aus verschiedenen Projekten in Lateinamerika. «Gerade hier ist die Männerdomäne noch stark zu spüren. In den Städten beginnt sich zaghaft ‹la nueva masculinidad› zu entwickeln.» Das heisst: Die neue Männlichkeit neben einem selbstbewusster werdenden Rollenverständnis der Frau. «Auf dem Land ist diese aber noch nicht zu spüren.» Doch auch in der Schweiz sind Frauennetzwerke weiterhin wichtig. «Als einzige Frau im Regierungsrat kämpfe ich oft mit Vorurteilen und Unverständnis», schildert Weichelt. «Unsere Arbeit wird wohl leider erst ernst genommen, wenn Frauen ebenso stark in den politischen Institutionen vertreten sind wie Männer.» Wenn also der Geschlechterschlüssel in der Politik jenem in der Gesellschaft entspricht. Den alten Spruch, dass Frauen nicht in diesen Positionen wirken wollen, glaubt Weichelt nicht mehr. «Ich kenne viele, die sich für diese Positionen engagieren, aber von ihren Parteikollegen systematisch übergangen werden.»

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