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Zuger FDP-Präsidentin im Interview: Frauenquote auf Zeit könnte Türen öffnen

Carina Brüngger-Ebinger (54) ist die erste Präsidentin der FDP Zug. Im Interview erzählt sie, wie es dazu kam.
Interview: Andrea Muff
Carina Brüngger-Ebinger am Steinhauser Waldsee. (Bild: Stefan Kaiser, 11. Juli 2019)

Carina Brüngger-Ebinger am Steinhauser Waldsee. (Bild: Stefan Kaiser, 11. Juli 2019)

Warum haben Sie sich als Interviewort den Steinhauser Waldsee ausgesucht?

Carina Brüngger-Ebinger: Ganz klar, weil er mich an meine Zeit in der Pfadi erinnert. Ich bin zwar in Rotkreuz aufgewachsen, aber dort gab es damals nur Jungwacht und Blauring. Weil ich aber unbedingt in die Pfadi wollte, kam ich hierher nach Steinhausen. Als Jugendliche habe ich viel Zeit in diesem Wald verbracht.

Und wie ist es heute?

Ich komme oft hierher, gehe mit dem Hund spazieren, und es ist auch ein guter Ort, um den Kopf zu durchlüften.

Seit April sind Sie Präsidentin der Kantonalen FDP. Was bedeutet es Ihnen die erste Frau auf diesem Posten zu sein?

Ehrlich gesagt, habe ich mir das anfangs gar nicht überlegt. Es war mir gar nicht bewusst. Ich hoffe aber, dass meine Wahl auch eine gewisse Ausstrahlung hat. Denn in der Politik braucht es beide Geschlechter, Frauen und Männer. Es hat aber definitiv zu wenig Frauen.

Woran könnte das liegen?

Das ist schwierig zu sagen. Aber ich glaube, Frauen zweifeln mehr und hinterfragen sich öfters, als es Männer tun. Frauen wollen beispielsweise von mir wissen, was denn an einer Gemeinderatssitzung genau zu tun ist. Männer wissen das an der ersten Sitzung zwar genauso wenig, aber sie zweifeln deshalb nicht daran, ob sie der Aufgabe gewachsen sind.

Haben Sie am Frauenstreik im Juni teilgenommen?

Nein, demonstrieren und streiken entspricht mir nicht. Ich unterstütze aber viele der Anliegen.

Was halten Sie von einer Frauenquote?

Gegenüber einer festgeschriebenen Quote habe ich ein sehr ambivalentes Verhältnis. Denn einerseits wäre es für Frauen wichtig, ein Netzwerk aufzubauen, an das sie nur kommen, wenn sie eine gewisse Position haben. Andererseits bin ich gegen Regelungen und Gesetze. Aber eine befristete Quote für Verwaltungsräte von börsenkotierten Firmen würde Frauen eine Türe öffnen. Das Ziel ist, dass es irgendwann kein Thema mehr ist, ob Mann oder Frau.

Was raten Sie Frauen, die in die Politik wollen?

Probiert es einfach aus, man kann alles lernen.

Wie wurden Sie politisiert?

Bei uns zu Hause wurden viele politische Diskussionen geführt und mein Bruder hat sich politisch sehr engagiert. Engagieren war für mich in jungen Jahren kein Thema. Erst als ich vor 20 Jahren für die Schulkommission angefragt worden bin, trat ich der FDP bei. Nun bin ich seit neun Jahren Gemeinderätin von Steinhausen.

War die FDP Ihre erste Wahl?

Ja, definitiv. Das Liberale der FDP entspricht meinem Denken und meinen Werten am meisten. Es gibt doch aber für niemanden die perfekte Partei.

Wie war es für Sie als Sie vor gut einem Jahr von Ihrer Partei nicht als Regierungsratskandidatin nominiert worden sind?

Ich war anfangs enttäuscht, das gebe ich zu. Denn für die FDP ist es eine verpasste Chance, eine Frau nicht nominiert zu haben. Bei der Wahl haben mir lediglich zwei Stimmen zur Nomination gefehlt, das ist eigentlich schon Zufall. Aber es sind Wahlen, da kann man immer auch verlieren. Mir ist ein Grundoptimismus in die Wiege gelegt worden, wenn sich also eine Tür schliesst, geht irgendwo eine andere auf.

Und das ist ja dann passiert.

Ja, und ich bin als Präsidentin sehr wohlwollend empfangen worden und werde unterstützt. Ich habe auch viel Post bekommen. Die Reaktionen waren sehr positiv. Viele waren auch überrascht, dass ich mich nach der Nicht-Nomination nicht einfach zurückgezogen hatte. Aber für mich hat die Regierungsratskandidatur nichts mit dem Präsidium zu tun.

Sie sind ja neben des FDP-Präsidiums, auch Gemeinderätin in Steinhausen und Geschäftsführerin der Spitex Zug. Wie meistern Sie die Mehrfachbelastung?

Irgendwie wird diese Frage nur immer Frauen gestellt (lacht). Es ist so, dass ich immer gearbeitet habe. Mein Mann arbeitet in Schichten im Pflegebereich. Wir verbringen daher unsere gemeinsame Zeit qualitativ und nicht quantitativ. Das heisst viele Abende und Wochenenden bin ich alleine, weil unsere zwei Kinder auch schon erwachsen sind. Ich kann nicht rumsitzen, dafür ist meine Neugier viel zu stark. Und Politik ist mein Hobby.

Was sind Ihre Aufgaben als Parteipräsidentin?

Ich repräsentiere die Partei nach aussen, bespreche zusammen mit den Kantonsräten die Vernehmlassungen, leite Sitzungen und unterstütze den Wahlkampfleiter und so weiter. Die Aufgaben sind sehr vielfältig.

Was wird sich mit Ihnen 
als Präsidentin in der 
Partei ändern?

Den Führungsstil. Jede Person führt anders, das heisst nicht, dass meiner besser oder schlechter ist. Aber ich komme aus der Exekutive und da müssen die Akteure so gut wie möglich mit einbezogen werden. Daher möchte zum Beispiel ich enger mit den Sektionen arbeiten. Sie sind die Basis.

Was haben Sie sonst 
noch für Ziele?

Die FDP gewinnt zwar viele Abstimmungen, aber bei den Wahlen hapert es. Wir müssen zeigen, was die FDP alles leistet. Daher ist mein Ziel, bei den diesjährigen Wahlen an Wähleranteil zuzulegen und dies dann in drei Jahren bei der Kantonsratswahl und Gemeinderatswahlen wiederholen. Wir arbeiten auch daran, eine dritte Nationalratsliste zu präsentieren.

Und wo sehen Sie sich 
in zehn Jahren?

In der Politik ist es vor allem so, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Daher denke ich gar nicht so weit.

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