Busse für Zuger Streik-Veranstalter: Sie drehen den Spiess um

Weil der Demonstrationszug zum Frauenstreiktag kurz auf die Strasse ausgewichen ist, wurden die Organisatoren gebüsst. Sie wehren sich.

Cornelia Bisch 
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Die Demonstration anlässlich des Frauenstreiktags in Zug wich für kurze Zeit auf die Strasse aus. (Bild: Stefan Kaiser, 14. Juni 2019)

Die Demonstration anlässlich des Frauenstreiktags in Zug wich für kurze Zeit auf die Strasse aus. (Bild: Stefan Kaiser, 14. Juni 2019)

«Wir waren alle empört über die unverhältnismässig hohe Busse von 650 Franken, die wir nach der Demonstration vom 14. Juni erhielten», erzählt Julia Küng vom Organisationskomitee des Zuger Frauenstreiks. «Angesichts der grossen politischen Bedeutung des nationalen Frauenstreiks empfinden wir das als unangemessen.» Kurzerhand drehten die Veranstalter den Spiess um und ersuchten den Zuger Regierungsrat in einem offenen Brief, die Aktivitäten des 14. Juni mit einem Beitrag von 650 Franken zu unterstützen.

Mehr als 700 Streikende hatten am Zuger Demonstrationszug teilgenommen. Dieser führte vom Hirschgehege am See zum Landsgemeindeplatz. Im Gebiet Vorstadt wichen einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Trottoir auf die Strasse aus. Das entsprach nicht den Auflagen der Bewilligung zur Demonstration. Diese besagen unter anderem, dass der Verkehr nicht behindert werden darf. «Da der Verkehr sowieso stockte, wie an jedem Arbeitstag um diese Zeit, wurde er durch die Demonstrierenden gar nicht behindert», argumentiert Küng. «Ausserdem war das Ganze in nur zehn Minuten vorbei.» Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug sah das offensichtlich anders, denn sie belegte die Organisatoren der hohen Busse.

Vom Ansturm überrascht

 Die Veranstalter seien selbst überrascht gewesen vom grossen Aufmarsch der Leute, stellt Küng fest. «Es war uns bewusst, dass der Demonstrationszug die Vorschriften geringfügig übertrat, als einige der Streikenden auf die Strasse auswichen.» Aber die Masse habe sich in diesem Moment nicht mehr bremsen lassen. «Deshalb unterstützten wir nach Möglichkeit die anwesenden Personen der Polizei und des Verkehrsdienstes.»

Die Demonstrierenden seien sehr ruhig und friedlich durch die Stadt gezogen. «Der Frauenstreik war schweizweit eine sehr bedeutende Aktion, die grösste seit dem Generalstreik von 1918», betont Küng. In anderen Schweizer Städten sei es erlaubt, während Demonstrationszügen auf die Strasse zu treten. «Nur hier in Zug ist das verboten.» Es gehöre doch aber zum Demonstrationsrecht, richtig auf sich aufmerksam zu machen.

Eine Chance, die «Überreaktion» zu revidieren

«Die Regierung schafft es ja nicht, die Gleichstellung zu gewährleisten. Also demonstrierten wir.» Im offenen Brief an die Regierung weisen die Organisatoren darauf hin, dass eine grosse Anzahl von Frauen und Männern mit unentgeltlicher Arbeit die Durchführung dieses Anlasses gewährleisteten. «Wir haben das alle gern gemacht», stellt Küng klar. «Aber es wäre wirklich schade, wenn all jene Leute, die so viel Energie in diese Aktion gesteckt haben, nun auch noch für eine Busse aufkommen müssten. Ausserdem hat der Kanton Zug wirklich genug Geld.»

Obwohl die Organisatoren der Zuger Regierung mit ihrem Gesuch die Chance geben wollen, ihre «Überreaktion» zu revidieren, rechnen sie nicht wirklich mit einer positiven Reaktion. «Deshalb haben wir für den 12. Dezember einen Festanlass in der Industrie 45 in Zug organisiert, mit dessen Erlös die Kosten gedeckt werden können.» Darüber hinaus sei dies ein guter Anlass, sich an den Streiktag zu erinnern, sich auszutauschen und neue Pläne zu schmieden. 

Frauenstreik Bar am Donnerstag, 12. Dezember ab 19 Uhr in der Industrie 45 in Zug.

Zuger Frauen rufen zum Streik auf

Nicht nur national, sondern auch in Zug finden am kommenden Freitag Aktionen zum Frauenstreiktag statt. Im Kanton Zug werde die Gleichstellung teilweise hart beschnitten, findet die Initiantin des Zuger Streikkomitees Virginia Köpfli.
Laura Sibold

Ein Zeichen setzen

Auch die Mitarbeiterinnen der «Zuger Zeitung» haben am Frauenstreik teilgenommen. Warum? Weil es viele gute Gründe dafür gebe, schreiben sie.
Die Mitarbeiterinnen der Zuger Zeitung