Freiämter bauten Qualitäts-E-Trottinett

Mit dem Scooter «Trivanti» will die Freiämter Antrimon Group AG einen Beitrag zur nachhaltigen Mobilität leisten. Das Fabrikat ist teurer als die ausländische Konkurrenz, aber auch qualitativ hochstehender.

Eddy Schambron
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Ursula Vogt baut die E-Scooter in Muri zusammen, CEO Stefan Schimon freut sich über das innovative Produkt. (Bild: Eddy Schambron)

Ursula Vogt baut die E-Scooter in Muri zusammen, CEO Stefan Schimon freut sich über das innovative Produkt. (Bild: Eddy Schambron)

Sie sind schwer im Trend, sie verändern das Stadtbild und die Kurzstreckenmobilität – und sind ziemlich wackelige und unsichere Gefährte: E-Trottinetts für die letzten paar hundert Meter vom Bahnhof zum Arbeitsplatz oder schnell zum Döner-Stand, zum Coiffeur, an den See. In Muri werden auch welche produziert. Sie heben sich allerdings markant von den chinesischen Billig-Gefährten ab und werden gerade deshalb einen wichtigen Platz in der zukünftigen Nahmobilität einnehmen.

Davon jedenfalls ist Stefan Schimon, CEO der Antrimon Group AG, überzeugt:

«Es wird künftig nicht genügen, einfach Hunderte von E-Trottinetts in den Städten zur Verfügung zu stellen. Es braucht ein umfassendes Konzept, und da sind wir den anderen voraus.»

Trivanti heisst das E-Trottinett, das in Muri entwickelt wurde, noch bevor der Trend dafür wirklich einsetzte. Es wird auch heute in Muri im Komplex Gotthard 3 zusammengebaut und gewartet. «Wir waren der Zeit voraus», stellt Schimon fest. Ein wirtschaftlicher Erfolg ist der Scooter bislang nicht geworden, einfach deshalb, weil er im Vergleich zu Fernost-Produkten deutlich teurer ist. Das hat seine Gründe: «Die Qualität ist wesentlich besser, wir gewichten die Sicherheit und die Nachhaltigkeit sehr hoch: gute Bremsen mit Bremskraftverteilung, breite Standfläche für den Fahrer, hochwertige Komponenten und stete Verfügbarkeit aller Ersatzteile.»

Der «Trivanti»

Der Elektro-Tretroller Trivanti befördert eine Person und fährt maximal 20 Stundenkilometer schnell. Er hat eine Reichweite von 35 Kilometer pro Ladung, mit einem zweiten Akku sind optional bis 70 Kilometer möglich. Das Laden kann entweder am Fahrzeug direkt erfolgen oder dank herausnehmbarem Akku in der Wohnung. Der Scooter ist mit Akku 17 Kilo schwer, die Bremskraft wird über einen Bremskraftverteiler auf beide Räder übertragen. Der Preis: ab 2600 Franken. In der Schweiz ist kein Nummernschild gefordert.

Und jetzt erhält der urbane Elektro-Tretroller eine Aufnahmebasis, die ihn beim Parkieren gleichzeitig abschliesst und auflädt. Diese Vorrichtung wird es auch in Zusammenhang mit entsprechenden Schliessfächern geben. Diese Entwicklungen dürften den Durchbruch bringen, so Schimon: «Das teure Aufsammeln und Aufladen der Akkus durch mobile Teams entfällt, Vandalismus wird verringert und die Langlebigkeit des Produkts wird die Kosten so weit senken, dass wir zu Importprodukten konkurrenzfähig sein werden.»

Abgesehen davon würden höhere Stückzahlen den Anschaffungspreis des E-Trottinetts weiter senken. Vor allem in Deutschland sieht Schimon ein grosses Potenzial, nachdem dort eine neue Elektro-Kleinstfahrzeug-Verordnung gilt. «Diese eröffnet uns ungeahnte Chancen, weil unsere Fahrzeuge nicht nur die schweizerischen Typenprüfung, sondern auch europäische Zulassungsnormen erfüllen.»

Bisher waren es vereinzelt private Nutzer

Bisher hat die Gotthard 3 Mechatronic Solutions AG, welche unter der Leitung von Peter Kupferschmid die Eigenprodukte der Antrimon Group AG verkauft, die Scooter vor allem im Tourismusbereich, für die Nahmobilität in Spitälern oder Unternehmen sowie vereinzelt an private Nutzer, etwa Wohnmobilbesitzer, ausgeliefert. Mit ihrer IV-Anerkennung können sie zudem eine Erleichterung für Menschen mit Gehbehinderungen sein. Aber sie sind auch Türöffner für andere Zweige des Gruppe: «Die von uns entwickelten Komponenten können in anderen Bereichen der Elektromobilität Anwendung finden», erklärt Schimon.

Oder sie machen Unternehmer auf das Entwicklungs-Know-how der Antrimon Group AG aufmerksam, was zu entsprechenden Aufträgen führen kann. Der Trivanti ist für Schimon auch deshalb wichtig, weil er mit seinen Unternehmen bei der Entwicklung im Bereich E-Mobilität mit vorne dabei zu sein will. «Die Mobilität wird sich in naher Zukunft wesentlich verändern», sagt Schimon. Er ist auch im Projekt digitales Gesamtlogistiksystem Cargo sous terrain (CST) engagiert, das ab 2030 die grossen Zentren der Schweiz unterirdisch mit Gütern beliefern und so Schiene und Strasse entlasten soll. «Die mit unserem Trivanti gemachten Erfahrungen sind die Basis für weitere Entwicklungen.» So können in diesem Zusammenhang entwickelte Komponenten unter Umständen auch in Logistiksystemen von Grossverteilern zum Einsatz kommen. «Wir stehen am Anfang eines neuen Mobilitätsverständnisses in verschiedenen Bereichen, mit einer jungen Generation, die offen dafür ist.»

Mit dieser Meinung ist er nicht allein: Mikromobilität, sind weitere Fachleute überzeugt, wird als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr einen grossen Aufschwung erleben, kleine, leichte elektrische Fahrzeuge, die für die erste und letzte Meile ihre Anwendung finden.