Leserbrief

Freie Fahrt für Velofahrerinnen und Velofahrer?

Zur Situation im Zuger Strassenverkehr

Drucken
Teilen

In letzter Zeit wurde in dieser Zeitung viel über Hindernisse auf Velorouten geschrieben. Aber auch als Fussgängerin oder Fussgänger hat man es nicht leicht. Immer öfter werden wir mit gefährlichen Zwischenfällen konfrontiert.

Einmal wollte ich hinter einem Senior aus dem Bus steigen. Mit einem Fuss stand er schon auf dem Trottoir, als er plötzlich zurückschreckte – weil eine Velofahrerin direkt vor der Türe vorbeifuhr. Ein anderes Mal schaute ich auf den heranfahrenden Bus, ging dann Richtung Türe – und lief beinahe in eine Velofahrerin, die von hinten kommend in letzter Sekunde zwischen Bus und mir vorbeifahren wolle.

Wenn bei Haltestellen Leute auf den Bus warten – und vor allem, wenn Fahrgäste ein- und aussteigen – ist es ein absolutes No-Go, mit dem Velo weiterzufahren. Man sollte denken, das sei selbstverständlich, ist es aber keineswegs.

In der Bahnhofhalle in Zug traf ich eine Bekannte. Wir blieben stehen und plauderten. Obwohl sich viele Leute in der Halle aufhielten, fuhren zwei Jugendliche hindurch. Eine der Velofahrerinnen hielt vor uns an und schimpfte: «Ihr versperrt mir den Weg!» Echt – genau das hat sie zu uns gesagt. Als ich das Fahrverbot erwähnte, stieg sie wortlos aufs Velo und fuhr davon. Ein Einzelfall, was das Anschnauzen betrifft, aber sonst typisch für die heutige Zeit. Fast überall wird mit dem Velo gefahren: auf Trottoirs und schmalen Wanderwegen, der Seepromenade entlang – und durch Bahnhofhallen. Und mit dem E-Bike geht ja alles noch viel zackiger.

In einem Naturschutzgebiet wanderte ich auf einem schmalen Wanderweg bergauf. Als ich vor einem grossen Felsblock kurz stehen blieb, kam plötzlich ein Mountainbiker in flottem Tempo hinter diesem hervor. Direkt vor mir konnte er noch anhalten und rief dann nach hinten in den Wald: «Passt auf, da steht eine im Wege!»

Und nun folgt der eigentliche Grund, weshalb ich diesen Leserbrief schreibe: Ende August stieg ich nachmittags aus einem Bus der Zugerland-­Verkehrsbetriebe, zum Glück als Einzige. Ich stand bereits mitten auf dem Trottoir, als sich plötzlich ein Velofahrer in rasantem Tempo näherte; nur ganz knapp konnte er mir ausweichen.

Der zweite Fahrer war so schnell unterwegs, dass er auf dem Trottoir weder ausweichen noch anhalten konnte – er fuhr den nahen Rasen hinunter, haarscharf an einem Baum vorbei. Der dritte Velofahrer stoppte und stellte sich hinter den Bus, der vierte fuhr wieder rassig an mir vorbei. Wie konnte es nur zu dieser, für alle äusserst gefährlichen Situation kommen? Ich vermute so: Der erste Velofahrer realisierte, dass er den Bus links nicht überholen konnte, er sah aber den Fussgängerstreifen hinter dem Bus; auf dem kann man ja ohne Hindernis auf das Trottoir fahren – also nichts wie los hinauf und rechts am Bus vorbei.

Liebe Velofahrerinnen und Velofahrer, denkt bitte daran: Hinter jedem Felsblock können Wanderer (im Wege) stehen und aus jedem Bus kann jemand aussteigen: Kinder, Erwachsene, Leute mit Kinderwagen oder Rollator.

Monika Waser, Zug