Freispruch für Hundeheim-Vizepräsident

Das Bezirksgericht Muri kommt zum Schluss, es sei kein Geld unterschlagen worden.

Eddy Schambron
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Der frühere Vizepräsident eines Vereins, der im Freiamt eine Auffangstation für Hunde betreibt, hat Spendengeld nicht unrechtmässig verwendet. Das Bezirksgericht Muri kam zu einem Freispruch, weil zu viele Unklarheiten geblieben sind, wie Gerichtsschreiber René Studer zum Urteil ausführt.

Die Präsidentin des Vereins beschuldigte den Mann, Spendengeld nicht vollständig an den Verein weitergeleitet zu haben. Er konnte 100000 Franken einer Spenderin für den Verein bei der Bank beziehen, 50000 Franken davon in bar. Dafür hatte er von ihr eine Vollmacht erhalten.

Diese 50000 Franken legte er nach seinen Aussagen in einem dicken Couvert auf den Tisch der Präsidentin, die diese Barauszahlung gewünscht habe. Doch diese erklärt, sie habe nur 13000 Franken erhalten und in den Tresor gelegt, 37000 Franken seien wohl in die Tasche des früheren Vizepräsidenten geflossen.

Eine Quittung über die Geldübergabe hat weder der Überbringer verlangt noch die Empfängerin von sich aus ausgestellt.

Zu viele Ungereimtheiten geblieben

Für das Bezirksgericht Muri unter Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner blieben nach den Einvernahmen viele Ungereimtheiten. Es sei beispielsweise relativ lange gegangen, bis der Beschuldigte auf die nach Ansicht der Anklägerin unkorrekte Geldübergabe überhaupt angesprochen worden sei, obwohl schon vorher reger Mailverkehr geherrscht habe. Die Spenderin, die befragt worden war, stützte die Aussage des Beschuldigten, dass die Präsidentin eine Barauszahlung des Spendengeldes gewünscht habe und nicht der Beschuldigte. Schliesslich sei auch nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschuldigte nachweislich das Geld in 1000-Franken- und 200-Franken-Noten von der Bank erhalten hat, es aber in 1000er- und 100er-Noten weitergegeben haben soll.

Es stand während der Verhandlung Aussage gegen Aussage. Die Anklägerin erklärte beispielsweise, das Geld der Spenderin sei immer über Bankkonten geflossen und nicht bar, jedenfalls so lange, bis der Angeschuldigte sich die Vollmacht geangelt habe. Dieser wiederum meinte, dass «dieses Couvert nicht das erste war, das so gelaufen ist.»

Der Verteidiger des Angeklagten legte seinen Finger auch auf die Buchhaltung des Vereins, die er ein «Gebastel» nannte mit «Fresszetteln» statt Belegen, nicht verbuchten Einkünften und Verbuchungen, die mit dem Zweck des Hundeheims nicht übereinstimmen konnten, sondern offensichtlich für private Bedürfnisse wie Restaurantbesuche, Lebensmittel oder Wein entstanden sind. Es gebe Anhaltspunkte, die zeigten, dass im vorliegenden Fall eher die Präsidentin als Täterin in Frage komme, sagte der Verteidiger. Gerichtsschreiber René Studer führt aus, dass das Urteil des Bezirksgerichts nicht besagt, dass die Anschuldigungen der Anklägerin falsch sind. «Wir können einfach nicht sagen, was wirklich gelaufen ist.»