FREIWILLIGENARBEIT: Gegen die Isolation im Alter

Ab heute sind im ganzen Kanton Zug wieder die Plakate der Kampagne «Alter hat Potenzial» zu sehen. Das aktuelle Schwerpunktthema ist das unentgeltliche Engagement. Anfang April findet dazu ein Forum statt.

Christopher Gilb
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nutzlos (Bild: zvg)

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Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Eine ältere gebrechliche Frau, deren einziger Kontakt zur Aussenwelt die Angestellte der Spitex ist. Eine junge alleinerziehende Mutter, die finanziell am Existenzminimum lebt und deshalb keine soziale Teilhabe hat. Dies seien zwei Beispiele für Personen, die von der Unterstützung durch Freiwillige profitieren könnten, sagt Urs Brütsch, Leiter Kampagne «Alter hat Potenzial». «Und wenn es nur jemand ist, der einem jeden Herbst die Blumenkisten reinträgt.»

Letzten September fand im Rahmen der zweijährigen Kampagne «Alter hat Potenzial» ein Forum zum Thema «Haben Arbeitnehmende ein Verfalldatum?» statt. Im April steht nun das nächste Forum an, dieses steht im Zeichen der Freiwilligenarbeit von älteren Menschen und trägt den Titel «Freiwilligenarbeit – sinnstiftende Tätigkeit im Trend». Wieder läuft dem Forum voraus eine Plakatkampagne.

Ein ehemaliger CEO, der Jugendliche coacht

Während zweier Wochen werden ab heute wieder 60 Plakate mit den verschiedenen Sujets zur Kampagne im Kanton Zug hängen. Die Sujets beziehen sich auf verschiedene Bereiche der Kampagne, etwa die Erwerbsarbeit oder eben die Freiwilligenarbeit im Alter. Zu jedem Bereich gibt es vier verschiedene Sujets. «Dieses Mal werden passend zum aktuellen Schwerpunkt etwas mehr Sujets zum Thema Freiwilligenarbeit aufgehängt», sagt Brütsch. Darauf zu sehen ist unter anderem das Foto eines ehemaligen CEO, der sich jetzt als Coach für Jugendliche engagiert. Auf einem anderen Plakat ist eine Frau abgebildet. Der Text auf dem Plakat lautet: «Als meine Kinder auszogen, fühlte ich mich isoliert, als Tixi-Fahrerin bin ich wieder mittendrin.» Natürlich könnte man jetzt sagen, Freiwilligenarbeit ge­be es ja schon, sagt Urs Brütsch. «Wir haben aber im Laufe der Kampagne festgestellt, dass gerade in zwei Bereichen noch Nachholbedarf herrscht.»

Diese zwei Bereiche seien die soziale Integration und die Alltagsbewältigung. «Bei sozialer Integration denken viele zuerst an Flüchtlinge, aber auch ältere Menschen sind sozial oft isoliert und würden sich wieder über einen Kontakt zur Aussenwelt freuen», sagt Brütsch. Bei der Alltagsbewältigung ginge es darum, einem Nachbarn, der beispielsweise an Krücken geht, zu helfen. «Das Problem ist eben, das manche Menschen teils Hemmungen haben zu fragen, ob der Nachbar wirklich Hilfe braucht. Aus Angst, ihm damit das Gefühl zu geben, ihn zu entmündigen.» Dagegen könnte beispielsweise die Schaffung einer Plattform helfen, wo der Betroffene seinen Unterstützungswunsch kundtun könne. «Es ist wichtig, Anbieter und Nachfrager zu vernetzen», sagt Brütsch. Auf Gemeindeebene gebe es schon einige Angebote in diesem Bereich. «Es könnte aber noch mehr geben, wofür aber auch eine gewisse Finanzierungsbereitschaft der Politik nötig ist.»

Andere Kantone wollen Kampagne übernehmen

Wer konkrete Ideen hat oder sich an der Umsetzung von Ideen gerne beteiligen möchte, könne sich dann nebst der Veranstaltung am 4. April (siehe Box) auch am geplanten runden Tisch zum Thema am 2. Mai einbringen. Es sei nun etwa Halbzeit der Kampagne erreicht, sagt Brütsch. Zwei Foren haben schon stattgefunden, zwei stehen noch an. Der Leiter der Kampagne ist auch mit der öffentlichen Wahrnehmung der Kampagne zufrieden. «Die Zuger Wirtschaftskammer hat beispielsweise aufgrund der Kampagne das Thema 50 plus in ihre Arbeitsgruppe zum Thema Personal aufgenommen und plant auch eine eigene Veranstaltung.» Auch in andere Kantone strahle die Kampagne aus. So seien Genf und St. Gallen interessiert, Teile der Kampagne zu übernehmen oder etwas Eigenes in diesem Stil ins Leben zu rufen.

Hinweis www.alter-hat-potenzial.ch

von gestern (Bild: zvg)

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isoliert (Bild: zvg)

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erledigt (Bild: zvg)

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überholt (Bild: zvg)

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ausrangiert (Bild: zvg)

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ausgedient (Bild: zvg)

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abgebaut (Bild: zvg)

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