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FREIZEIT: Andere Nationalitäten sind willkommen

Expats und ausländische Zuzüger sind oft Mitglieder in Vereinen und engagieren sich im Dorfleben. Dies ist aber nicht nur darauf zurückzuführen, dass sie sich generell mehr integrieren möchten.
Andrea Muff
Am Fasnachtsumzug Walchwil beteiligte sich 2016 die Frauengemeinschaft mit einer Gruppe von 50 Frauen aus 21 verschiedenen Nationen. (Bild: Roger Zbinden)

Am Fasnachtsumzug Walchwil beteiligte sich 2016 die Frauengemeinschaft mit einer Gruppe von 50 Frauen aus 21 verschiedenen Nationen. (Bild: Roger Zbinden)

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Zug ist der Kanton der Expats. Dies, weil viele internationale Firmen ihren Standort im Kanton haben. Expats und ausländische Zuzüger schicken ihre Sprösslinge oft an Privatschulen. Nun ist aber eine Stagnation der Schülerzahlen im Bereich der Privatschulen auszumachen – «Privatschulen: Das Wachstum ist gebremst» titelte deshalb unsere Zeitung am 11. Januar. Der zuständige Regierungsrat Stephan Schleiss (SVP), Bildungsdirektor, nannte verschiedene Gründe, unter anderem auch finanzielle. Der Walchwiler Bildungsvorsteher Stefan Hermann (CVP) und der Unterägerer Schulvorsteher Beat Iten (SP) führten ins Feld, dass möglicherweise der Wille zur Integration stärker vorhanden sei. «Die Kinder und Jugendlichen beteiligen sich oft generell stärker am gesellschaftlichen Leben, etwa in Sport- oder Musikvereinen», liess sich Iten damals zitieren.

Verzeichnen die Vereine nun einen Zuwachs dank Expats? In Walchwil, wo der Anteil der Privatschüler von 2012 bis 2016 um 7,7 Prozent abgenommen hat, haben sich ein paar Vereine zu diesem Thema geäussert. Im Blauring etwa sind von 21 Mädchen 6 Expats: «Das sind einige mehr als vor ein paar Jahren», sagt Petra Hürlimann, Scharleiterin. Die Veränderung stehe mit der Schule in Verbindung, vermutet Hürlimann. «Wir werben nach wie vor eigentlich nur an der Schule», erklärt sie weiter, und dort gebe es heute mehr Expats als früher.

Helfen an der Fasnacht

Dass auch das Dorfleben und gewisse Brauchtümer von den ausländischen Zuzügern oder Expats profitieren können, erzählt Brigitte van Dulmen, Präsidentin der Frauengemeinschaft Walchwil. Ihre Anekdote dreht sich um die Fasnacht 2016, wo die Gemeinschaft mit einer Gruppe von 50 Frauen aus 21 verschiedenen Nationen am Umzug mitmacht. «Wir haben bewusst viele Ausländerinnen gesucht», so van Dulmen. Die Frauengemeinschaft hatte in besagtem Jahr auch die Bewirtung im Gemeindesaal übernommen. Heuer hätten sich auch wieder ausländische Zuzüger angemeldet, um an der Fasnacht zu helfen. Brigitte van Dulmen erklärt: «Ausländische Zuzüger, die länger bleiben, sind sehr interessiert, sich zu integrieren, sie wissen aber manchmal nicht, wie.» Die Frauengemeinschaft sei deshalb aktiv auf diese Gruppe zugegangen, was gut funktioniert habe.

Von den 54 Mitgliedern im Kirchenchor Walchwil sind 19 Expats respektive ausländische Zuzüger. Josef Traxler, Co-Präsident, ist sich sicher: «Dann braucht es nur noch den flexiblen, geduldigen und auch sprachgewandten Dirigenten. Diesbezüglich hatten wir das richtige Gespür bei der Personenwahl.» Sereina Rust von der Trachtentanzgruppe Walchwil findet es schön, wenn ihr Verein etwas zur Integration beisteuern könne – vor allem bei der Kindergruppe, wo von den 18 Kindern fünf keine Schweizer sind. «Die Eltern schätzen es, wenn die Kinder die Kultur und das Brauchtum des Dorfes kennen lernen.»

Auch im sportlichen Bereich gibt es Zuwachs: Michael Hirt, Präsident des FC Walchwil, sieht für die seit längerem hohe Anzahl der Expats im Fussballverein nicht den «veränderten Integrationswillen», vielmehr würden die Expats längere Arbeitsengagements eingehen und «sich daher auch im Dorf zu Hause fühlen». Barbara Sutter-Widmer, Präsidentin des SVKT- Frauensportvereins, spricht daher auch nicht von «klassischen Expats». Ungefähr 10 Prozent der Vereinsmitglieder hätten eine andere Nationalität und seien «schon seit Jahrzehnten Mitglied».

Stärkster Zuwachs auf der Wolfsstufe

Eine Statistik über die Herkunft der Mitglieder führt die Frauengemeinschaft Unterägeri nicht. «Unter unseren Mitgliedern sind aber auch Frauen ohne Schweizer Pass, die sich sehr engagieren. Im Vorstand sind das zwei von acht», gibt Präsidentin Tanja Kneringer Auskunft. Der Männerchor Unterägeri kann scheinbar nicht vom Zuwachs der Expats profitieren: «Wir sind ein Verein, der mangels Mitglieder langsam ‹ausstirbt›. Wir leiden an Überalterung», gibt der Vereinsverantwortliche Ruedi Egloff zu.

Oskar Arnold, Abteilungsleiter der Pfadi Morgarten, kann zwar auch keine exakten Zahlen nennen, hält aber fest, dass die Pfadi in den letzten Jahren vermehrt ausländische Zuzüger aufgenommen habe. «Dieser Zuwachs von Expats ist am stärksten auf der Wolfsstufe, da sind die Teilnehmer, die zwischen sieben und elf Jahre alt sind, zu sehen», so Oskar Arnold.

Die Mitgliederzahlen hätten sich generell von Jahr zu Jahr stetig vergrössert. Oskar Arnold fasst zusammen: «Meine Vermutung ist, dass die Zunahme an Expats in unserem Verein mit der Zunahme an Expats in der Gesamtbevölkerung im Ägerital korreliert. Oft ist zu sehen, dass Kinder, deren Eltern in ihrem Heimatland die Pfadi bereits kannten, vermehrt bei uns aktiv sind.»

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