FREIZEIT: Die Zuger zieht es in die Fitnesscenter

Hanteln stemmen und Laufband-Training sind in. Seit diesem Monat hat der Kanton zwei grosse Trainingscenter mehr. Diese sind bereits sehr beliebt.

Ernst Meier
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Die Fläche an Fitnesscentern im Kanton Zug hat sich innert wenigen Jahren verdoppelt. Im One-Trainingscenter in Rotkreuz (Bild) zählt man wenige Tage nach Eröffnung bereits 700 Mitglieder. (Bild Stefan Kaiser)

Die Fläche an Fitnesscentern im Kanton Zug hat sich innert wenigen Jahren verdoppelt. Im One-Trainingscenter in Rotkreuz (Bild) zählt man wenige Tage nach Eröffnung bereits 700 Mitglieder. (Bild Stefan Kaiser)

Immer mehr Zugerinnen und Zuger schwitzen sich fit. Diesen Monat haben gleich zwei neue grosse Fitnesscenter ihre Tore geöffnet. Seit Anfang Oktober gibt es beim Bürokomplex 4 Towers in Steinhausen das Bodyworx. Es ist mit 3000 Quadratmetern Trainingsfläche das grösste Fitnesscenter der Zentralschweiz. Und seit dieser Woche gibt es in Rotkreuz eine weitere Möglichkeit, seine Ausdauer und Muskulatur zu trainieren. Das One-Training-Center (One) auf dem Suurstoffi-Areal bietet Ergometer, Crosstrainer, Hanteln, Kraftmaschinen und weiteres schweisstreibendes Equipment auf 1600 Quadratmetern.

Um 50 Prozent zugenommen

Bis 2008 zählte der Kanton Zug acht registrierte Fitness- und Gymnastikcenter. Diese beschäftigten laut der kantonalen Fachstelle für Statistik 154 Angestellte. Neuere Zahlen von offizieller Seite gibt es keine. Ebenfalls keine Infos gibt es zur Zahl der Fitnesscenter-Abonnenten. Wie unsere Abklärungen ergaben, zählt Zug heute aber zwölf Fitnesscenter. Damit sind die Trainingsmöglichkeiten für Gesundheitsbewusste im Kanton in den letzten fünf Jahren um 50 Prozent gewachsen. Zugenommen hat die Kapazität der Trainingsräume jedoch um mehr als die Hälfte, denn zwei der vier neuen Fitnesscenter (One, Bodyworx) zählen, wie schon erwähnt, zu den grössten im Kanton. Laut der Migros Luzern, zu der neben den beiden One-Trainingscentern (Rotkreuz, Baar) auch der Fitnesspark Eichstätte (Zug) gehört, geht man von 9570 Mitgliedern aus. 5800 Trainings-Abos registriert das Center Eichstätte, 3070 das One in Baar, und das neue One in Rotkreuz verkaufte bereits 700 Mitgliedschaften.

Mit dem Zuwachs liegt Zug im Trend mit den städtischen Regionen der Schweiz, wo der Markt an Fitnessmöglichkeiten seit einigen Jahren stark steigt, wie Roland Steiner, Vizepräsident des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter-Verbandes (SFGV), sagt: «Schweizweit sind heute 830 000 Personen Mitglied in einem Fitnesscenter, das heisst, jeder Zehnte nutzt die Trainingsmöglichkeiten.» Laut Steiner waren Fitnesscenter anfänglich vor allem von Sportinteressierten besucht: «Bodybuilder, Ausdauersportler und Ästheten traf man fast ausschliesslich in den Centern an den Geräten, oder sie besuchten Aerobic-, Pump- und Spinning-Kurse.»

Ärzte schicken Patienten ins Training

Heute würden immer mehr Menschen aus anderen Gründen im Center schwitzen. «Die Zahl der Schweizer, die an einer Lebensstilerkrankung leiden, hat in den letzten 15 Jahren zugenommen», sagt Steiner. Zu den Krankheiten gehören Leiden wie Übergewicht, Herz-Kreislaufprobleme, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen. «Schuld sind mangelnde Bewegung und falsche Ernährung.»

Der Fitnessmarkt verdankt gerade diesen Umständen seinen aktuellen Wachstumsschub, denn immer mehr Ärzte verordnen ihren Patienten betreute Kraft- und Ausdauerlektionen. Teilweise decken Krankenkassen über Zusatzversicherungen die Ausgaben dafür. Dazu Roland Steiner vom SFGV: «Im Gegensatz zu den Sportinteressierten brauchen Kunden mit einem gesundheitlichen Leiden mehr fachmännische Betreuung.» Dadurch seien die Betreiber der Fitnesscenter gefordert. Die Anforderungen an das Personal und die Serviceerwartungen seien gestiegen. Nicht alle Fitnesscenter würden über entsprechend ausgebildete Mitarbeiter sowie die nötigen Einrichtungen verfügen, sagt Steiner. Um den Kunden künftig bei der Wahl ihres Trainingscenters behilflich zu sein, hat man nun ein Qualifikationssystem geschaffen (siehe Box) – ähnlich der Bewertung von Hotelstandards.

Wie wird sich die neue Kapazität von 4600 Quadratmetern Fitnessfläche in Steinhausen und Rotkreuz auf die bisherigen Zuger Anbieter auswirken? «Erfahrungen aus anderen Regionen zeigen, dass neue Fitnesscenter zusätzliche Kunden generieren», weiss Roland Steiner. Es sei bei weitem nicht so, dass die Mitglieder der neuen Center von einem anderen kommen müssen. «Es kann am Anfang eine Verschiebung stattfinden.» Deshalb seien die etablierten Betreiber gefordert. Steiner: «Wenn sie ihren Job gut machen, haben sie weiter Chancen.»

Bisherige spezialisieren sich

Wie eine Umfrage unserer Zeitung bei den traditionellen Zuger Fitnesscentern zeigt, haben deren Betreiber keine Existenzängste wegen der neuen Konkurrenz. Jan Rijpstra, Sportlehrer, betreibt seit drei Jahren das Fitnesscenter «Fit for Life Swiss» in Rotkreuz – nur wenige Meter vom soeben eröffneten One entfernt. «Wir unterscheiden uns von anderen Fitnesscentern. Zu uns kommen viele Spitzensportler, aber auch ältere Kunden, die eine gezielte fachmännische Betreuung wollen», sagt er. Auch Schüler, die an Übergewicht leiden, zähle man zu den Kunden. «Anders ist bei uns auch die Atmosphäre. Es gibt keine Bildschirme und keine laute Musik.» Verena Benz, Inhaberin des Fitnesscenters Mrs. Sporty in Baar, nimmt die neue Konkurrenz gelassen zur Kenntnis. Sie hat sich auf eine Nische spezialisiert. Ihr Trainingstempel ist nur für Frauen geöffnet. «Es gibt viele Frauen, die bevorzugen es, unter sich und in einer ruhigen persönlichen Umgebung zu trainieren.»

Vier neue Fitnesscenter innert fünf Jahren in einem Kanton mit 115 000 Einwohnern – da bleibt die Frage: Wieso suchen so viele in Zug die körperliche Betätigung im Fitnesscenter? «Immer weniger Menschen arbeiten körperlich», sagt Jan Rijpstra. Wer täglich nur im Büro sitze, suche oftmals den Ausgleich im Fitnesscenter. «Wir haben viele Kunden, die kommen über Mittag oder nach Feierabend vorbei», meint Rijpstra. Entsprechend habe man auch viele Mitglieder aus anderen Kantonen. «Wenn in Zug immer weniger ‹Büezer› arbeiten und dafür mehr Büroangestellte tätig sind, wirkt sich das positiv auf die Besucherzahlen in den Fitnesscentern aus.»