Freundschaftlich im Boden vereint

HINGESCHAUT: Ein unauffälliges Kunstwerk am Bootshafen symbolisiert die Städtepartnerschaft zwischen Zug und Kalesija.

Andreas Faessler
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«Kalesija – Zug» von MathiaDie Gravur weist auf die Bedeutung des Kunstwerkes hin.s Walther.  (Bilder: Andreas Faessler, Zug, 2. August 2019)

«Kalesija – Zug» von MathiaDie Gravur weist auf die Bedeutung des Kunstwerkes hin.s Walther.  (Bilder: Andreas Faessler, Zug, 2. August 2019)

In den frühen 1980er-Jahren trug es sich zu, dass Zuger Baufirmen eine grosse Zahl an Arbeitern aus der bosnisch-herzegowinischen Stadt Kalesija nach Zug holten. Knapp zwei Jahrzehnte später lebten rund 1000 Kalesijanerinnen und Kalesijaner in Zug, von denen rund die Hälfte bereits eingebürgert war. Es war eine Episode vorbildlicher Integration. Angesichts der Gesamteinwohnerzahl der Stadt auf dem Balkan von knapp 37000 ist der Anteil Kalesijaner, die in Zug leben, beträchtlich. Für die Stadt Zug war dieser Umstand Anlass, aktiv einen Kontakt und Austausch mit Kalesija aufzubauen. Der ehemalige Stadtpräsident Dolfi Müller und Ueli Straub, damals noch Stadtrat, reisten gemeinsam in die bosnische Stadt, welche noch immer unter den Folgen des Balkankrieges litt, um sich ein Bild zu machen.

Bald trafen in Kalesija Güter aus Zug ein, die für den dortigen Schulunterricht und auch für den Unterhalt der städtischen Infrastruktur nützlich und nötig waren. Es entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung zwischen Zug und Kalesija, und es folgten gegenseitige Besuche – bereits im März 2008 wurde der damalige Bürgermeister von Kalesija, Rasim Omerovic, in Zug empfangen. Im Mai 2010 stieg in Zug ein grosses, von beiden Städten gemeinsam organisiertes Fest mit vielen kulturellen Beiträgen.

Die Gravur weist auf die Bedeutung des Kunstwerkes hin.

Die Gravur weist auf die Bedeutung des Kunstwerkes hin.

Im Jahr 2012 schliesslich erhielt die freundschaftliche Beziehung Zugs zur ostbosnischen Stadt eine Art «Gütesiegel» in Form eines künstlerischen Objektes im öffentlichen Raum. Unauffällig und leicht übersehbar zwar, aber nicht minder symbolträchtig erinnert es an diese bestehende Beziehung. Wir finden es auf dem Kiesplatz am Bootshafen Siehbach, wenige Meter vom Gebäude des See-Clubs Zug neben dem ersten Baum der dortigen Baumreihe. Es präsentiert sich als schlichtes Quadrat aus feinen Metallleisten von je 60 Zentimetern Länge. Die Metallkanten ragen kaum weiter aus dem Boden, als die Kieselsteine dort hoch sind. Auf einer der Kanten ist klein und nur aus der Nähe erkennbar «Kalesija – Zug» eingraviert. Urheber dieses kleinen Kunstwerkes ist Mathias Walther. 1979 in Bern geboren, lebt und arbeitet er heute in Luzern als freischaffender Fotograf und Künstler.

Ein Eimer voll Erde aus Bosnien

Mathias Walther selbst reiste seinerzeit nach Kalesija, um von der Stadt Eindrücke zu sammeln. Vor seiner Rückkehr erhielt er einen Eimer voll heimischer Erde und eine Schenkungsurkunde überreicht. Zurück in Zug liess Walther mit Hilfe von Migranten aus Kalesija den Raum innerhalb seines Eisenrahmens mit der Erde aus Bosnien verfüllen. Der Boden Kalesijas verschmolz mit demjenigen Zugs – die Freundschaft der beiden Städte hat somit beim am Ufer des Zugersees ein starkes, wenn heute auch unauffälliges Siegel erhalten.

Hinweis
Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.