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FROSTSCHÄDEN: Die schlimmsten Schäden seit 60 Jahren

Die Frostnächte der vergangenen Woche machen den Obst- und Gemüsebauern sowie den Winzern schwer zu schaffen. Von Totalausfällen bei der Ernte ist die Rede. Die weiteren Wetteraussichten verheissen wenig Gutes.
Samantha Taylor
Ferdi Lötscher (links) und Konrad Bucher von der Rebbaugenossenschaft Steinhausen kontrollieren die Reben. Der Grossteil der Triebe ist erfroren (kleines Bild). (Bild: Werner Schelbert (Steinhausen, 24. April 2017))

Ferdi Lötscher (links) und Konrad Bucher von der Rebbaugenossenschaft Steinhausen kontrollieren die Reben. Der Grossteil der Triebe ist erfroren (kleines Bild). (Bild: Werner Schelbert (Steinhausen, 24. April 2017))

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

«Frustrierend und schockierend»: Mit diesen Worten beschreibt Louis Suter, Obstbauverantwortlicher des Kantons Zug, die Folgen der Frostnächte der letzten Woche. «Die kalten Temperaturen und der Wind haben flächendeckend verheerende Schäden angerichtet. Schäden, wie wir sie seit 1957 nicht mehr hatten.» Bei den Äpfeln, Birnen, Chriesi und Zwetschgen müsse man mit einem Totalausfall rechnen. «Wir können das Ausmass zwar noch nicht ganz abschätzen. Aber vermutlich gibt es in diesem Jahr höchstens 10 bis 15 Prozent des normalen Ernteertrags.»

Der Kälteeinbruch von Ende letzter Woche und die drei Frostnächte zwischen Mittwoch und Samstag haben den Kulturen laut Suter aus mehreren Gründen zugesetzt. Zum einen habe der Wind beinahe jegliche Heizbemühungen zunichte gemacht. «Die starke Bise hat dafür gesorgt, dass die warme Luft, die etwa beim Heizen auf den Feldern mit Paraffinkerzen entsteht, weggeblasen wurde.» Der Heizeffekt sei praktisch ausgeblieben. Zum anderen sei es zu lange kalt gewesen. «Die Temperaturen bewegten sich teilweise bis 8.30 Uhr um den Gefrierpunkt. Die Kerzen sind irgendwann ausgelöscht.» Und schliesslich seien drei Frostnächte hintereinander einfach zu viel gewesen. «Das konnten die Betriebe mit Schutzmassnahmen unmöglich durchhalten. Denn das Heizen ist auch teuer», betont Suter.

Bereits drei Mitarbeiter entlassen

Ein Betrieb, den es besonders schwer getroffen hat, ist der Hof der Familie Hotz in Deinikon Baar. «Es ist eine Katastrophe, ein Desaster», sagt Hermann Hotz mit belegter Stimme. Er führt den Betrieb, der vor allem vom Obstbau lebt. «Wir haben riesige Schäden an praktisch allen Kulturen. 95 Prozent ist kaputt. So etwas habe ich noch nie erlebt.» Und dies, obwohl die Familie und ihre Angestellten in der letzten Woche Nacht für Nacht auf den Feldern unterwegs waren und alle möglichen Massnahmen ergriffen haben, wie Hotz erzählt. «Wir konnten einzig die Beerenernte schützen. Alles andere hat nichts genützt», bedauert er. Eine Versicherung gegen Frost gebe es nicht. Das heisst: «Wir müssen irgendwie mit diesen riesigen Einbussen leben.» Die ersten Konsequenzen musste die Familie Hotz bereits ziehen. «Wir mussten drei unserer Vollzeitangestellten entlassen», sagt Hermann Hotz. Auf dem Betrieb arbeiten normalerweise acht Vollzeit- und acht bis zehn Teilzeitangestellte. «Wenn es so weitergeht, müssen wir noch mehr Leute entlassen und Kurzarbeit einführen», so Hotz.

Den Schaden noch nicht genau abschätzen kann die Familie Boog, die ihren Betrieb in Hünenberg hat. Auch, weil sie die Heidelbeeren und Aprikosen mittels Frostwässerung geschützt hat. Dabei werden die Pflanzen mit feinen Wassertröpfchen besprüht. Wenn dieses gefriert, bildet es eine Schutzhülle um die Frucht oder Blüte. «Es dauert noch etwas, bis wir das Ausmass sehen», sagt Jonas Boog. Klar ist: «Wir haben bei den Spargeln einen Totalausfall. Das ist aber nicht ganz so schlimm, weil die in rund 10 Tagen noch mal wachsen», sagt Jonas Boog. Auch bei den Beeren – vor allem bei den Erdbeeren und vermutlich auch bei den Himbeeren – werde man wohl einen weit geringeren Ertrag haben als in anderen Jahren. «Da kommt es aber auch noch auf die nächsten Tage und Wochen an. Es ist noch einiges möglich.»

Rebbau lebt von der Hoffnung

«Schrecklich» ist die Lage auch in den Zuger Rebbergen, wie Konrad Burch, Präsident der Rebbaugenossenschaft Steinhausen, sagt. «Etwa 90 Prozent sind kaputt.» Das Weinbaugebiet, das sich in der Nähe des Steinhauser Friedhofs befindet, verfügt über rund 1000 Rebstöcke. «Gegen einen solchen Kälteeinbruch konnten wir nichts tun. Wir hatten auch nicht die Mittel, um Massnahmen zu ergreifen», sagt Burch. Er hoffe, dass die Stöcke zumindest teilweise noch mal austreiben. «Sollte es erneut so kalt werden, dann ist wohl alles kaputt. Wir leben derzeit von der Hoffnung.»

Diese könnte jedoch schon bald zerstört werden. Denn die Wetterprognosen für die nächsten Tage verheissen nichts Gutes. Schon am Mittwoch sinkt die Schneefallgrenze teilweise auf bis 500 Meter über Meer, und die Temperaturen liegen nahe dem Gefrierpunkt. Für Hermann Hotz und wohl auch viele andere wären weitere Frostnächte das schlimmste mögliche Szenario: «Wenn es tatsächlich noch mal so kalt wird, dann erfrieren auch noch die letzten Blüten.»

Der Grossteil der Triebe ist erfroren. (Bild: Werner Schelbert (Zuger Zeitung) (Zuger Zeitung))

Der Grossteil der Triebe ist erfroren. (Bild: Werner Schelbert (Zuger Zeitung) (Zuger Zeitung))

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