Frühlingsgefühle im Kanton Zug: Jeder Baum braucht seinen Schnitt

Bald werden auch die Chamer Bäume in frischem Grün erstrahlen. Dafür ist besondere Pflege nötig.

Tijana Nikolic
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Markus Schuler überprüft eine Magnolie im Chamer Villettepark.

Markus Schuler überprüft eine Magnolie im Chamer Villettepark.

Bild: Matthias Jurt (19. März 2020)

«Städte, die für Bäume angenehmer zum Leben sind, die sind es auch für Menschen.» So lautet einer der Leitsprüche von Markus Schuler, Bereichsleiter Gartenbau und Friedhof der Gemeinde Cham. Er liebt die Natur. Auch in seiner Freizeit hält er sich meist in der Natur auf und geht beispielsweise regelmässig in die Berge. Der gelernte Landschaftsgärtner ist mit seinem Team, nebst dem Spielplatzunterhalt, dem Friedhof oder der Instandhaltung von Sportanlagen, für alles «Grüne» in Cham verantwortlich. «Dazu zählen momentan 6500 Bäume, ohne den Wald gezählt, 24 Hektar Rasen- und Wiesenflächen sowie etliche Blumenanlagen», sagt Schuler, der über 20 Jahre für den Werkhof Cham arbeitet.

Klaren Regeln für Pflanzungen im Kanton Zug

Laut der kantonalen Verordnung zum Gesetz über Strassen und Wege sind folgende Bestimmungen bei Bäumen und Bepflanzungen in Zug einzuhalten: Ausserhalb des Siedlungsgebietes dürfen hochstämmige Bäume längs Kantons- und Gemeindestrassen nicht näher als drei Meter an den Strassenrand gepflanzt werden. Gegenüber Hochleistungsstrassen wie Autostrassen kann allerdings das Tiefbauamt für hochstämmige Bäume grössere Abstände vorschreiben. Im Siedlungsgebiet dürfen einzelne hochstämmige Bäume längs den Kantonsstrassen nach Absprache mit dem kantonalen Tiefbauamt gepflanzt werden.

Im Streitfall entscheidet das Tiefbauamt in Abwägung der Interessen der Verkehrssicherheit und des Siedlungsbildes. Im Siedlungsgebiet aber können die Einwohnergemeinden die Abstände von einzelnen Bäumen längs Gemeindestrassen bestimmen. Weitere Bepflanzungen und Einfriedungen wie Sträucher und Hecken, die ein Grundstück einzäunen, müssen beispielsweise ausserhalb des Siedlungsgebietes 60 Zentimeter vom Strassen- oder Trottoirrand Mindestabstand einhalten. Wogegen es innerhalb eines Siedlungsgebietes 30 Zentimeter vom Trottoirrand oder 50 Zentimeter vom Strassenrand sein müssten. Grünhecken dürfen höchstens 1,5 Meter hoch sein. Übersteigen sie dieses Mass, müssen sie gekürzt werden. An Gemeindestrassen können die Einwohnergemeinden die Abstände von Pflanzungen und Einfriedungen selber bestimmen. Zusätzlich werden in der Gemeinde Cham unter anderem markante Einzelbäume oder Baumgruppen geschützt vor Kürzungen.

Eine wichtige Aufgabe von Schuler ist die Baumpflege: «Ohne sie wird der Baum instabil und dadurch gefährlich. Die Pflege dient vor allem der Sicherheit», so Schuler. Dazu gehören Entlastungs- oder Erziehungsschnitte wie beispielsweise im Villettepark Cham und auf Friedhöfen. Auf den Chamer Strassen werden Profilschnitte durchgeführt. «Die Profilschnitte sind nötig, damit zum Beispiel Lastwägen unter Bäumen durchfahren können. Dazu müssen alle Äste, die auf einer Höhe, die weniger als 4,5 Meter vom Boden wachsen, abgeschnitten werden», erklärt Schuler.

Nach Stürmen wie in den letzten Monaten brechen Äste grosser Bäume teilweise ab und werden für Spaziergänger gefährlich. «Im Villettepark steht momentan ein 30 Meter hoher Kastanienbaum, den wir demnächst fällen müssen. Er ist nicht mehr stabil und würde bei weiteren Stürmen oder bei Druck durch Schneefälle brechen», verrät Schuler. Sehr wichtig sei ihm, dass nach jeder Fällung gleich eine Ersatzpflanzung an einem anderen Ort gemacht wird, damit die Baumkultur im Gleichgewicht bleibt. Dies empfehle er auch allen Privatgärtern.

Jeder Baum braucht seine individuelle Pflege

Allerdings klettert weder Schuler noch sein Gartenteam auf 30Meter hohe Bäume hinauf. Dies sei zu gefährlich und wird von der externen Firma Maurer Baumpflege GmbH von eidgenössischen Baumpflegespezialisten aus dem Aargau erledigt. Er selber kümmert sich um kleinere Bäume, die man mit einer Leiter erreichen kann sowie um Sträucher. «Jeder Baum braucht seine individuelle Pflege. In Cham findet man vor allem Nadel-, Laub- und Obstbäume. In der Villette kommen aber auch einige Exoten aus Asien, Nordamerika oder Chile vor», so Schuler. Bei Exoten ist es sehr wichtig, ihre genauen Bedürfnisse zu wissen und auf sie einzugehen: Es geht darum den idealen Standort für die Bäume auszuwählen. «Wir müssen dabei ermitteln, ob der Baum eher bei einem Gewässer stehen sollte, ob er eher kiesigen oder humosen Boden benötigt oder ob ihm eher Schatten oder Sonnenstrahlen guttun», erklärt Schuler weiter.

Die Gemeinde Cham bewirtschaftet und pflanzt weitgehend alte Obstbaumsorten, Pro Specie Rara genannt. Damit setzt sich Cham gegen das Aussterben von seltenen, traditionellen Sorten ein und engagiert sich für die Erhaltung der Sortenvielfalt. «Den Kindergärtnern und Schülern im Schulhaus Hagendorn spenden ausschliesslich diese alten Obstbäume Schatten. Die meisten sind Apfelbäume», sagt Schuler. Laut dem Baumpflegespezialisten werde der Baum auch geschädigt, wenn seine Krone nicht fachgerecht geschnitten wird. Bei den so entstandenen Schnittwunden könnten Pilze eindringen. Ein Baum, dessen Krone unsachgemäss zurechtgeschnitten wird, verliere zudem sein Energiezentrum und könne sich nicht mehr gegen Holzpilze schützen. So würde das Holz faul und brüchig werden und Äste könnten abbrechen. Im schlimmsten Fall stürze der ganze Baum um. Unsorgfältig ausgeführte Massnahmen würden die Bäume somit zum Risiko für Mensch und Natur machen.

«Die Winterpflege ist jetzt schon durch. Nur einige Bäume benötigen sie erst im Sommer. Die Bäume sind jetzt im Saft und es geht ans Austreiben der Laub- und Obstbäume», so Schuler. Dies, um den Ertrag mit gesunden Früchten zu erhöhen. Der ideale Zeitpunkt für den Baumschnitt sei der Spätherbst im Oktober und November oder das Frühjahr im Februar bis März. Da der Baum zu diesen Zeiten kein Laub trägt, kann man leichter beurteilen, welche Äste zu entfernen seien. Die meisten Nussbaumsorten hingegen werden im Sommer oder Spätsommer geschnitten. Der Obstbaumschnitt wirke sich positiv auf das Wachstum des Baumes und den Fruchtertrag aus.

Warme Winter sind bemerkbar

«Durch den warmen Winter merken auch wir in Cham vermehrt Blattlausbefall an den Bäumen und allgemein grösseren Befall von diversen Schädlingen», sagt Schuler. Auch Mäuse hätten sich stark vermehrt. Allerdings nicht so extrem wie an anderen Orten in der Schweiz, wo die Anzahl der Mäuse teilweise um das Dreifache gestiegen sei. «Da wir keine Chemikalien einsetzen, bleibt weiteres Beobachten der Lage die einzige Option momentan», so Schuler. Er als grosser Naturfreund setzt auf die Hilfe von einheimischen Vögeln, die man mehr fördern sollte.