Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Leserbrief

Frühdeutsch ist wichtiger als Frühenglisch?

«Ansichten: Frühdeutsch ist wichtiger als Frühenglisch», Ausgabe vom 26. Juli

Unter diesem Titel (das Fragezeichen ist von mir) befasst sich Mario Andreotti in der Rubrik «Ansichten» in der Ausgabe vom 26. Juli mit der schwindenden Verwendung der Schriftsprache durch die Lehrerschaft im Volksschulunterricht. Viele Lehrerinnen und Lehrer verwendeten, wenn immer möglich den Dialekt. Dass damit auch die Befähigung der Schüler, einen Sachverhalt schriftlich festzuhalten abnimmt, liegt auf der Hand. Es entstehe eine Abwehrhaltung gegenüber der Schriftsprache, was sich letztlich auf die berufliche Qualifikation der Deutschschweizer negativ auswirke.

Den Feststellungen von Mario Andreotti ist vollumfänglich zuzustimmen. Die verheerenden Wirkungen sind heute schon überall sichtbar. Das Dialektgequassel in den sogenannten sozialen Medien samt den unsäglichen Emojis – eigentlich ein Rückfall in die Steinzeitliteratur – ist weitgehend dem Umstand der fehlenden Sprachbeherrschung geschuldet. Ähnliches gilt auch für die Kommentarspalten der Zeitungen. Selbst gescheite Ansichten sind vielfach mit groben Orthografiefehlern «geschmückt», die kaum dem Zeitmangel bei der Abfassung zuzuschreiben sind.

Der Niedergang der Deutschkompetenz ist jedoch, und da widerspreche ich Andreottis Meinung, nicht auf Frühenglisch und Frühfranzösisch zurückzuführen, stellen doch gerade diese Fächer bei richtiger Handhabung Schriftsprachübungsfelder par excellence dar. Das Malaise ist vielmehr auf die mittlerweile jahrzehntealte sogenannte Neue Pädagogik zurückzuführen, die glaubt, Bildung lasse sich ausschliesslich über das gruppenorientierte Spass- und Lustprinzip vermitteln. In diesem Umfeld ist natürlich der Dialekt als, so Andreotti, «Wohlfühlsprache» dem langweiligen, etwas komplizierten und nicht immer logischen Hochdeutsch turmhoch überlegen, ebenso wie dem verpönten Diktat oder dem veralteten Auswendiglernen eines Gedichts. Leider trägt der Lehrplan 21 nur wenig dazu bei, dem sinkenden Stellenwert der Hochsprache entgegen zu wirken. Um auf den Titel zurückzukommen: Frühenglisch ist genau so wichtig wie Frühdeutsch.

Ulrich Bollmann, Oberwil

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.