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Kolumne

Frühlingsgefühle

Redaktorin Cornelia Bisch über etwas spezielle Frühlingserlebnisse.
Cornelia Bisch
Cornelia Bisch.

Cornelia Bisch.

Er hat wieder zugeschlagen, der Frühling. Mit leidenschaftlicher Inbrunst erkämpft er sich sommerliche Wärmespitzen, lockt Menschen in Scharen ins Freie und erweckt die Flora zu neuer Farbenpracht. Kein Wunder, dass in dieser hoffnungsvollen Jahreszeit die meisten Hochzeiten gefeiert werden. Hochsaison für Gastronomen, Pfarrherren und -damen, Modegeschäfte und Musiker. Zu Letzteren gehörte auch ich einst. Obwohl «Musiker» vielleicht etwas hoch gegriffen ist, «Musikant» kommt der Wahrheit näher.

In klassischem Schwarz, mit keckem, feuerrotem Schal um den Hals stand ich in Gesellschaft meiner Chorkollegen an einem ebensolchen Anlass in Reih und Glied neben dem Altar einer schicken Hochzeitskapelle und harrte des Brautpaars, das da durch die Pforte schreiten werde. Mit dem Rücken zum Kapellenschiff stehend, bat mich die Dirigentin, ihr doch ein Zeichen zu geben, sobald das Paar eintrete, damit sie den Auftakt zum Gesang geben könne.

Ich tat, wie mir geheissen und schwöre noch heute feierlich, dass die Dame, die kurz darauf durch das schmucke Kapellentor trat, elegantes, bodenlanges Ecru trug und von einem Herrn in schnittigem Marineblau begleitet wurde. Also legten wir auf mein Zeichen hin eifrig los. Das Paar guckte verdutzt aus den festlichen Roben, beschleunigte seine Schritte und drückte sich schliesslich eilig am dicken Brautvater vorbei in die erste Kirchenbank. Verflixt, die Nebenbrautleute! Indes weiterhin auf sich warten liessen die beiden Hauptpersonen.

Profis hätten sich natürlich nichts anmerken lassen, fröhlich weiter geträllert und so getan, als handle es sich bei diesem flotten musikalischen Intermezzo um Pausenunterhaltung. Nun, wir waren keine Profis. Sobald wir unseren – meinen – Fehler erkannt hatten, setzte Geflüster und Geraune ein, bis der Gesang abebbte und schliesslich ganz versiegte. Peinliche Stille.

Der Vorteil solchen Versagens ist, dass man vermeintlich nichts mehr zu verlieren hat und sich jegliche Nervosität verflüchtigt. So sangen wir uns in der Folge derart beherzt durch die Messe, dass die Braut bisweilen ein Tränlein der Rührung vergoss und uns im Anschluss überschwänglich dankte. Ich hoffe sehr, der Zauber dieses zwar nicht perfekten, aber sehr heiteren Frühlingstages möge dem strahlenden jungen Paar in seiner Ehe erhalten geblieben sein.

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