FÜHRUNG: Burg Zug: Kinder führen Kinder

Wer am Samstag um 15 Uhr in der Zuger Burg zugegen war, wurde von zwei jungen Museumguides durch die Räumlichkeiten begleitet. Sie erlebten die Geschichte des Kantons interaktiv mit.

Sebastian Leutenegger
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Annabelle Amiet (rechts) und Aloisa Müller führen Kinder durch die Burg Zug – im Bild die nachgestaltete Drogerie Luthiger. (Bild: Roger Zbinden (Zug, 14. Januar 2017))

Annabelle Amiet (rechts) und Aloisa Müller führen Kinder durch die Burg Zug – im Bild die nachgestaltete Drogerie Luthiger. (Bild: Roger Zbinden (Zug, 14. Januar 2017))

Sebastian Leutenegger

 

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Zu zweit wählen die Museumsführerinnen Aloisa Müller (8) aus Baar und Annabelle Amiet (12) aus Zug die sechs spannendsten Orte in der Burg aus. Sie führen eine kleine Gruppe interessierter Kinder im Zickzack durch die Stockwerke und teilen ihnen ihr Wissen über alte Banner und Siegel mit.

Mit viel Elan geht es vorbei an den hölzernen Korridoren, Tapeten, alten Waffen und noch gut erhaltenen Artefakten. Die Gruppe erkundigt sich dabei ununterbrochen nach Details. «Natürlich muss man dabei lernen, auf Fragen einzugehen und korrekt mit diesen umzugehen», meint die Organisatorin Claudia Beer, die Leiterin Bildung und Vermittlung.

Vom Hintergrund aus sieht sie mit einem Lächeln zu, wie die beiden Museumsguides die alten Zuger Geschichten, wie die ­Legende vom Wandermönch Fridolin, auffrischen oder eifrig erzählen, wie zur damaligen Zeit Jasskarten zwischen den Bodenbalken versteckt wurden, damit diese unentdeckt blieben. In jedem Raum werden alte Gegenstände gezeigt oder in die Runde gegeben. Zwei strahlende Augen sind durch einen alten Helm zu erkennen, sobald die Möglichkeit erscheint, eine alte Rüstung anzuprobieren. Sorgfältig wird auch ein Kettenhemd angezogen, und für kurze Zeit können sich die Kinder der Vorstellung hingeben, echte Ritter zu sein. «Ziel ist es, die Kinder auf diese alten Gegenstände zu sensibilisieren», so Claudia Beer.

Das Publikum wird einbezogen

In der Drogerie Luthiger, die in der Burg nachgestaltet wurde, werden würzige Gerüche untereinander verglichen, und auf dem gleichen Stockwerk werden alte Münzen begutachtet. Besonders frappant ist eine quadratische Münze, bei der Annabelle Amiet die Zuschauer fragt, wie es wohl zu so etwas kommen konnte. Der Miteinbezug des Publikums bringt viele zum scharfen Nachdenken. Aktuelles wird in Kontext mit dem Besprochenen gebracht. Zum Thema Fasnacht kommen Aloisa Müller und Annabelle Amiet auf die nicht so leicht beantwortbare Frage, was denn überhaupt ein Brauch sei.

Die einstündige Führung endet im Atelier im fünften Stock, worauf die Kinder sich aufgeregt austauschen. «Mich hat das Thema Mittelalter in der Schule schon sehr interessiert, und ich habe mich daraufhin als Museumsguide angemeldet», erklärt Annabelle Amiet enthusiastisch. Die Arbeit ist dabei völlig freiwillig. Für das Team Annabelle und Aloisa sind die Führungen ein graduelles Dazulernen, welches sie begeistert fortführen werden.

Der nächste Rundgang findet am Samstag, 4. März, statt. Währenddessen wirbt das Museum weiterhin um wissensdurstige Kinder zwischen 10 und 12 Jahren, die Interesse daran haben, einem jungen Publikum die Geschichten rund um den Kanton Zug weiterzugeben.