Reportage

Für Schwester Theresita ist die Gartenarbeit im Klostergarten Heiligkreuz in Lindencham wie Meditation

Im Klostergarten Heiligkreuz in Lindencham werden die zahlreichen Pflanzen und Kräuter von Schwester Theresita Blunschi biologisch gezogen. In ihrer Arbeit blüht die 72-Jährige sprichwörtlich auf.

Monika Wegmann
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So einfach in den Garten hineinspazieren, das geht hier nicht. Die Anlage ist rings herum von Mauern und Gebäuden des Klosters Heiligkreuz begrenzt. Die Besucher müssen sich anmelden. Dann öffnet sich die grosse Pforte zu einem kleinen irdischen Paradies, wo Obst- und andere Bäume, Gemüse, Kräuter und Blumen in friedlicher Eintracht wachsen. Für die Organisation ist seit vielen Jahren Schwester Theresita Blunschi (72) zuständig.

Für Schwester Theresita Blunschi ist der Klostergarten wie eine andere Welt. Seit vielen Jahren kümmert sie sich liebevoll um die Pflanzen und Kräuter.

Für Schwester Theresita Blunschi ist der Klostergarten wie eine andere Welt. Seit vielen Jahren kümmert sie sich liebevoll um die Pflanzen und Kräuter.

Bild: Stefan Kaiser (Lindencham, 8. Juli 2020)

Im blauen Arbeitsgewand und mit weissem Schleier über den grauen Haaren ist sie in diesem grünen Refugium unermüdlich aktiv. Für die Besucherin nimmt sie sich etwas Zeit, vermag aber kaum abzuwarten, bis sie wieder Blüten zupfen, Kräuter abschneiden oder andere Gartenarbeiten verrichten kann. «Momentan ist Erntezeit, da gibt es viel zu tun, vor allem ist Handarbeit gefragt», sagt sie entschuldigend. Derzeit werden täglich Blütenblätter wie beispielsweise die der roten Goldmelisse, von Johanniskraut, Melisse, Lavendel und anderen gezupft, und nachher im Gartenhaus oder Estrich zum Trocknen ausgelegt.

Intensiv widmet sich Schwester Theresita den über 100 Kräutern, von denen viele als Heilkräuter Verwendung finden. Da manche Pflanzen christliche Bezeichnungen tragen – wie die Madonnen-Lilien, welche für Jungfräulichkeit und Reinheit stehen –, gedenkt Schwester Theresita bei den Passionsblumen des letzten Leidenswegs von Jesus und seiner fünf Wunden.

Schwester Theresita Blunschi pflegt den grossen Kräutergarten des Klosters.

Schwester Theresita Blunschi pflegt den grossen Kräutergarten des Klosters.

Bild: Stefan Kaiser (Cham, 8. Juli 2020)

Eine Konstanzerin gab den Anstoss

Die Gartenfläche ist immer grösser geworden. Das hat Schwester Theresita miterlebt, und sie erinnert sich: «Ein Nutzgarten mit den gängigsten Kräutern war schon immer da. Der Ausbau erfolgte vor rund 30 Jahren auf ­Anregung von Ellen Breindl aus Konstanz, Kennerin der Hildegard-Heilkunde. Sie suchte ein Kloster, das bereit war, einen Kräutergarten anzulegen, der auf den Impulsen der berühmten Benediktiner-Äbtissin aus Bingen basiert. Die Konstanzer Apo­thekersfrau pflegte längere Zeit Kontakt zum Kloster Heiligkreuz.

So eignete sich Schwester Theresita im Laufe der Zeit ein grosses Wissen über Kräuter und Pflanzen sowie deren Wirkungen an, sodass bis vor drei Jahren regelmässig Praktikantinnen von Heilpraktikerschulen in Cham eine zwei- bis dreiwöchige Weiterbildung absolvierten. «Der Aufwand wurde mir aber zu gross, sodass ich damit aufhören musste.» Ihr Wissen gibt sie seit längerem an öffentlichen Führungen weiter. Am 1. August informiert letztmals die Ausstellung «Kräuter – die Heilkraft der Natur» im «KunstKubus» Cham über die Arbeit von Schwester Theresita.

Derzeit werden täglich Blütenblätter wie beispielsweise die der roten Goldmelisse, von Johanniskraut, Melisse, Lavendel und anderen gezupft, und nachher im Gartenhaus oder Estrich zum Trocknen ausgelegt.

Derzeit werden täglich Blütenblätter wie beispielsweise die der roten Goldmelisse, von Johanniskraut, Melisse, Lavendel und anderen gezupft, und nachher im Gartenhaus oder Estrich zum Trocknen ausgelegt.

Bild: Stefan Kaiser (Cham, 8. Juli 2020)

Dank ihrer grossen Erfahrung kann das 1862 gegründete Kloster, das sich 1892 der Olivetaner Benediktinerinnen-Kongregation angeschlossen hat, neben dem Eigenbedarf etliche Pro­dukte aus dem Kräutergarten im eigenen kleinen Laden verkaufen. Kräutertees, Kissen mit verschiedenen Füllungen, Johanniskräuteröl, Hopfentinkturen oder Sirups gibt es da, Salben und ­Honig aus der eigenen Imkerei. Schwester Theresita hat selber einige der Kräuter und ihre Wirkungen ausprobiert. «Die Teemischungen sind für alles gut. In der Apotheke Gottes gibt es gegen fast alles ein Kraut», sagt sie.

Mit Leib und Seele engagiert

Der Klostergarten hat eine lange Tradition. Er trägt zur Selbstversorgung bei, wie es schon die Benediktusregeln empfahlen, auf welche sich auch Schwester Theresita beruft:

«Das meiste Gemüse haben wir da, wir müssen nur einzelnes dazu kaufen.»

Der grosse Garten wäre für sie alleine kaum zu bewältigen. Neben einem Gärtner helfen eine koreanische Schwester und in der Saison einige Hilfsgärtner mit. «In der Pflegeabteilung wird manchmal auf der Terrasse eine bis zwei Stunden mitgezupft.»

Schwester Theresita ist mit Leib und Seele engagiert – oft an sieben Tagen pro Woche. «Mit seiner Ruhe ist der Garten wie eine andere Welt. Hier gibt es viele Vögel und Insekten, denn wir setzen nur biologische Mittel ein. Ich mache hier auch alles, selbst das Jäten. Allerdings spüre ich heute die körperliche Arbeit stärker. Fast immer gelingt es mir auch, gemäss dem benediktinischen Leitsatz «bete und arbeite», die verschiedenen ­Gebetszeiten einzuhalten.»

Die Aufgabe der Gärtnerin habe sie freiwillig übernommen, weil sie möglichst draussen arbeiten wollte. «Bei solchen Tätigkeiten kommen mir oft Gedanken wie bei einer Meditation. Manchmal bete oder singe ich dazu. Ja, diese Arbeit bereitet mir viel Freude. Sie ist streng, aber schön – und etwas für die Seele.»

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