FUNDSTÜCK: Gelegenheit macht Zitronensäfte

An der Zuger Messe hat es einfach alles. Mich als routinierten Messeprofi kann man aber nicht mehr so leicht hinters Licht führen. Mit der demonstrativ abgeklärten Miene des erfahrenen Messebummlers streife ich also am Stand eines neuen Entsafters vorbei.

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Guilherme Bacelar präsentiert den Entsafter für Zitrusfrüchte. (Bild Werner Schelbert)

Guilherme Bacelar präsentiert den Entsafter für Zitrusfrüchte. (Bild Werner Schelbert)

«Neuheit», «revolutionär», «noch nie da gewesen»: Solche Wörter tauchen in regelmässigen Abständen in der Rede des Verkäufers auf. Ich lächle abgebrüht. Hat man das nun nicht schon genug gehört?

Es handelt sich bei dem Entsafter selbstverständlich nicht um ein ordinäres Gerät, wie man das sonst so kennt. Es ist ein kleiner Aufsatz, der direkt in Zitrusfrüchte, in unserem Fall eine Zitrone, eingedreht werden kann. Scheinbar interessiert trete ich näher heran. Nur scheinbar interessiert, denn ich weiss, dass ich als alter Messehund immun bin gegen solche lächerlichen Anpreisungen. So einfach lockt man mich nicht hinter dem Ofen hervor.

Kommt seit 36 Jahren an die Zuger Messe: Ulrich Senn, Lokführer der Dampfeisenbahn. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
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Guilherme Bacelar präsentiert den Entsafter für Zitrusfrüchte. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Der Kinderzirkus Funtistic aus der Ennetseegemeinde zieht die Zuschauer in seinen Bann. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Fast wie eine Massage: Richard Barisic erklärt zwei Messebesucherinnen den Shiatsu Body Belt. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
All das hat unsere Autorin bei ihrem Rundgang durch die Zuger Messe erbeutet. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Gabriel Galliker-Etter, Geschäftsleiter der Firma Etter, bringt unserem Autor die Fruchtbrände näher. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Besucherinnen bestaunen typisch Sanktgallerisches an der Zuger Messe. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Josef Raggam verkauft den Mixer «Choppy». Laut Herstellerangaben handelt es sich um einen Mixer, der alles mixt. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Auf dem Arenaplatz kommen Töfflibuebe auf ihre Kosten. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Valeria Huwiler aus Rotkreuz ist die charmanteste Zugerin. (Bild: PD)
Zwei Hostesssen am Stand des Gastkantons St. Gallen.
Ferkel tummeln sich an der Zugermesse in einem separaten Gehege. (Bild: PD)
Blumenverkäufer vor der Zuger Messe (Bild: PD)
Messeleiter Peter Binggeli (mitte) im Gespräch mit Zugs Stadtpräsident Dolfi Müller (links) und Thomas Regli, CEO der Seewarte, am 8. Zuger Wirtschaftszmittag (26.10.2015). (Bild: PD)
Das Restaurant «Aegerital go West» ist bis auf den letzten Platz gefüllt (26.10.2015). (Bild: PD)
Köstliches Fondue aus dem Entlebuch (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Am Stand der Zuger Bäuerinnen melken Daria (links) und Shirin Keel eine Kuh. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Verwaltungsratspräsid nt Paul Langenegger (links) und Geschäftsführer Hans Ulrich Schwarzenbach haben am Stand des Zweckverbandes der Zuger Einwohnergemeinden zur Bewirtschaftung von Abfällen (Zeba) den Durchblick. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Die Sonderschau der Zeba informiert, wie Abfall richtig entsorgt werden kann. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Am Stedy-Gewürzstand gibt es etwas zu gewinnen. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Der Gastkanton St. Gallen präsentiert sich auf einer überdimensionalen Zeitung. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Darfs einen neuen Parkettboden sein? (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Ein Prosit auf die Eröffnung der Zuger Messe (24.10.2015). (Bild: PD)
Gäste warten an der offiziellen Eröffnung auf das Essen. (24.10.2015). (Bild: PD)
Messeleiter Peter Binggeli (links) im Gespräch mit Regierungsrat Heinz Tännler während der Eröffnung. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Messeleiter Peter Binggeli bei der Eröffnungsfeier. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Kommt seit 36 Jahren an die Zuger Messe: Ulrich Senn, Lokführer der Dampfeisenbahn. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Einfach eingedreht, ohne undichte Stellen. Kein Ärgern mehr über klebrige Hände, kein ungesundes Zitronenkonzentrat mehr auf dem Tisch. Noch dazu in dieser hässlichen gelben Flasche. Ich bitte Sie, ein ästhetisch veranlagter Mensch wie ich stört sich naturgemäss an einer solchen Verpackung. Das hat mir übrigens der sehr seriöse und äusserst vernünftige Verkäufer bestätigt. Ein guter Mensch, dieser Verkäufer, einer mit Geschmack und Stil, solche findet man heute viel zu wenig, wahrlich!

Ich renne also mit meinen insgesamt 15 neu erstandenen Entsaftern direkt nach Hause. Natürlich nicht ohne Umweg über den Gemischtwarenhändler, denn wer hat schon 15 Zitronen zu Hause? Zufrieden drapiere ich zwei auf dem Esstisch und noch zwei auf dem Küchentisch. Je eine links und rechts der Eingangstüre plus drei auf dem WC. Die restlichen sechs kommen aufs Nachttischchen. Man weiss nun mal ja nie, wann man sauber portionierten Zitronensaft benötigt.

Zufrieden stemme ich die Hände in die Hüfte und betrachte mein Werk. Man kann ja abgebrüht sein, denke ich, gute Gelegenheiten muss man trotzdem erkennen.

Lionel Hausheer